Vogelsbergkreis

Autobahngegner stören Sitzung

Der Bau der Autobahn 49 bestimmte am Mittwoch über weite Teile die Sitzung der Homberger Stadtverordnetenversammlung. Und das, obwohl es zunächst keinen offiziellen Tagesordnungspunkt dazu gab. Als Verwaltungsmitarbeiter die Fenster öffneten, weil wegen der Corona-Vorschriften jede halbe Stunde gelüftet werden muss, nutzten das rund 20 Autobahngegner. Als die Fenster aufgingen, setzte ihr Lärm ein, die Rufe wurde von lautem Trommeln begleitet.
05. November 2020, 21:57 Uhr
Kerstin Schneider
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Darauf hat die Gruppe aus jungen Autobahngegnern gewartet: Als in der Sitzung der Homberger Stadtverordneten in der Lüftungspause die Fenster aufgehen, protestieren sie lautstark. FOTO: KS

Der Bau der Autobahn 49 bestimmte am Mittwoch über weite Teile die Sitzung der Homberger Stadtverordnetenversammlung. Und das, obwohl es zunächst keinen offiziellen Tagesordnungspunkt dazu gab. Als Verwaltungsmitarbeiter die Fenster öffneten, weil wegen der Corona-Vorschriften jede halbe Stunde gelüftet werden muss, nutzten das rund 20 Autobahngegner. Als die Fenster aufgingen, setzte ihr Lärm ein, die Rufe wurde von lautem Trommeln begleitet.

Bürgermeisterin Claudia Blum, die gerade den neuen Haushaltsplanentwurf für 2021 vorstellen wollte, konnte nicht weitermachen. Hauptamtsleiter Markus Haumann ging nach draußen und versuchte die Störer davon zu überzeugen, dass drinnen wichtige kommunalpolitische Sachverhalte abgewickelt werden müssten. Das machte wenig Eindruck. Immer weiter riefen die meist jungen Leute aus Homberg »Wald statt Asphalt«, »Wir wollen keine Autobahn« oder »Danni bleibt.«

»Schämt euch« wird gerufen

Zudem schimpften sie auf die Stadtverordneten, denn ein Eilantrag zum Thema Lärmschutz beim Autobahnbau stehe am Ende der Tagesordnung, das sei ein Skandal, allerdings ist es nicht unüblich, so zu verfahren. Weil sich der Protest auch nach über einer halben Stunde nicht auflöste, wurde die Polizei gerufen. Bevor diese eintraf, zogen die Autobahngegner freiwillig ab, nicht ohne laute »Schämt-euch-«Rufe.

Zuvor hatte bereits Volker Orth (CDU) den Unmut einiger Kollegen aus SPD oder von Freien Wählern auf sich gezogen. Die Fragerunde nach dem Bericht der Bürgermeisterin nutzte er für eine längere persönliche Abrechnung mit den Autobahngegnern und mit der Stadträtin Barbara Schlemmer (Grüne), die an diesem Abend wegen Krankheit nicht an der Sitzung teilnehmen konnte. Die selbsternannten Autobahnverhinderer würden die Demokratie mit Füßen treten, klagte Orth: »Was in den letzten Monaten hier abgegangen ist, das hat mit einem staatlich verbrieften Demonstrationsrecht nichts mehr zu tun.« Umso mehr ärgere es ihn, dass eine Stadträtin die Proteste noch befeuere.

Die SPD-Fraktion hatte einen Eilantrag zur Autobahn 49 eingebracht, wonach wirksame Lärmschutzmaßnahmen gefordert werden sollen. Am besten sollten Vertreter der DEGES diese vorstellen. »Wir sollten keine Zeit verlieren,« sagte Fraktionsvorsitzender Michael Fina.

Dem stimmte CDU-Fraktionsvorsitzender Norbert Reinhardt bei und verwies auf lange zurückliegende Forderungen in dieser Richtung. Die Trasse für die Autobahn sei zu »80 Prozent geschoben,« jetzt müsse darauf geachtet werden, dass die Forderungen der Stadt Homberg berücksichtigt werden. Als Beispiel nannte er einen Lärmschutz an der geplanten Park- und WC-Anlage bei Neu-Ulrichstein (Wall). Auch solle das dort anfallende Wasser in die Homberger Anlagen geleitet werden, damit man wenigstens finanziell etwas davon habe. Die bei vielen Bauvorhaben anfallenden großen Erdmassen könnten für Lärmschutzwälle genutzt werden. Reinhardt stellte zudem in den Raum, er habe gehört, das Autobahnstück solle als »Betonpiste« gebaut werden, das »könne nicht sein,« kritisierte er. Jutta Stumpf hielt dem entgegen, der gültige Planfeststellungsbeschluss (von 2012) enthalte alle Maßnahmen zum Autobahnbau, daran sei nicht mehr zu rütteln. Wenn man jetzt mit Forderungen komme, dann sei das zu spät. Die Stadtverordneten waren dann einstimmig dafür, Vertreter der DEGES und des privaten Generalunternehmers Strabag zu einer Info-Veranstaltung einzuladen. Sie sollen über den Bau der Autobahn und Lärmschutzmaßnahmen informieren.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/autobahngegner-stoeren-sitzung;art74,711261

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