27. Oktober 2013, 20:28 Uhr

Exkursion zu Kalkbergen

Vogelsbergkreis/Fulda (pm). Kürzlich unternahm die Sektion Vogelsberg der Deutschen Vulkanologischen Gesellschaft eine geologische Exkursion zu den Kalkbergen bei Großenlüder-Müs. Möglich wurde diese interessante Veranstaltung durch Manfred Schulz, der sich seit über 30 Jahren mit dem Muschelkalk und seinen Fossilien befasst.
27. Oktober 2013, 20:28 Uhr
Teilnehmer gingen auch selbst auf die Suche nach Fossilien oder entdeckten schöne Kalkspatfüllungen in Klüften. (Foto: pm)

Dadurch kennt er auch den großen Steinbruch der Firma Otterbein sehr genau und hatte der DVG vorgeschlagen dort eine Exkursion durchzuführen. In diesem Steinbruch gewinnt das Familienunternehmen seit über 120 Jahren Kalk und stellt daraus eine große Produktpalette her.

Bei strahlend blauem Himmel und spätsommerlich warmen Temperaturen fand sich eine Gruppe von 20 Teilnehmern auf dem Gelände des Steinbruchs ein. Zunächst gab Schulz in einem Vortragsraum einen einführenden Überblick über Unteren, Mittleren und Oberen Muschelkalk und stellte einige Lebensräume vor, die sich noch heute anhand der Gesteine und ihrer Fossilien unterscheiden lassen. Der Muschelkalk entstand vor rund 240 Millionen Jahren unter subtropischen Klimabedingungen in einem kontinentalen Flachmeer ähnlich dem heutigen persischen Golf. Anhand von präparierten Stücken aus der Sammlung von Schulz war es dann möglich sich einen Eindruck von der reichhaltigen Lebenswelt zu verschaffen.

Anschließend machten sich die Teilnehmer, ausgerüstet mit Helmen, Warnwesten und zum Teil auch mit Gummistiefeln auf in den Steinbruch. Schulz erläuterte auf den verschiedenen Abbausohlen die Schichtenfolge des Muschelkalks. Der Muschelkalk, der ursprünglich in ebenen Schichten abgelagert wurde, ist im Lauterbacher Graben verkippt und in viele Schollen zerbrochen, die verschieden weit eingesunken sind. Entlang der Brüche stiegen – wohl während der Zeit des Vogelsberg-Vulkanismus – auch heiße Wässer auf und zersetzten das Gestein. All dies ist im Steinbruch Otterbein gut zu sehen. Durch die Kippung sind dort auf relativ kleinem Raum auch alle Abschnitte des Muschelkalks zu finden.

Je nachdem, ob sich die Teilnehmer der Exkursion in Zonen des Unteren, Mittleren oder Oberen Muschelkalk aufhielten, konnte Schulz Schichten mit Muscheln, Brachiopoden, Resten von Seelilien oder frühen Formen von Ammoniten zeigen, die man ohne kundige Anleitung wohl kaum gefunden hätte. »Manchmal findet man auch mal einen Knochen von einem Saurier oder einen fossilen Fisch«, so berichtete Schulz. Besondere Funde, seien natürlich immer sehr erfreulich, aber oft auch mit viel Arbeit verbunden. Dutzende von Stunden sind nötig, um das Fossil nach dem Fund zu präparieren.

Den Teilnehmern, die tapfer die Halden erkletterten und zum Teil durch tiefen Matsch wateten, gingen auch selbst auf die Suche nach Fossilien oder entdeckten schöne Kalkspatfüllungen in Klüften.
Exkursionsleiter Manfred Schulz, der auch schon verschiedene wissenschaftlich neue Erkenntnisse gewinnen konnte, freute sich über das rege Interesse der Teilnehmer. Viele Fragen wurden gestellt und beantwortet. Am Ende spendierte die Firma Otterbein den hoch zufriedenen, aber auch etwas erschöpften Teilnehmern der Exkursion noch einen kleinen Imbiss in der Werkskantine.

Am Stand der DVG-Fachsektion auf der der Herbstmesse in Alsfeld vom 8. bis zum 10. November werden übrigens einige der Fundstücke und Bildimpressionen dieser Exkursion zu sehen sein.

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