03. September 2012, 18:33 Uhr

»War alles schon mal da – mal besser und mal schlechter«

Ulrichstein/Vogelsbergkreis (ks). Ein wechselvoller Sommer geht zu Ende, die landwirtschaftlichen Früchte sind unter Dach und Fach – Zeit für das traditionelle Erntegespräch.
03. September 2012, 18:33 Uhr
Beim Gespräch gab es Klagen über Ernteausfälle – aber das Lachen ist den Landwirten und ihren berufsständischen Vertretern noch nicht ganz vergangen. (Foto: ks)

Es fand am Montag auf dem Hof von Bernd Weiß in Unter-Seibertenrod statt. Dabei fällt das Fazit ähnlich wie eine klassische Bauernregel aus: »Alles schon mal da gewesen, schon mal besser und schon mal schlechter,« meinte Bauernverbandspräsident Friedhelm Schneider.

Er ging auf die Lage in Hessen ein und wies auf die teilweise katastrophalen Auswinterungsschäden hin. Die Landwirte seien mit einem blauen Auge davon gekommen. Weil die Saat bei Winterweizen und Wintergerste quasi »gefriergetrocknet« wurde, mussten viele Bauern im Frühjahr neu aussäen – Sommergerste und etwas Weizen. Die Ernte fiel insgesamt deutlich geringer als im Vorjahr aus. Sorge machen die immer noch steigenden Futtermittelpreise – der zunehmende Fleischhunger weltweit sorgt unter anderem für eine Verdopplung des Soja-Preises. Vor allem China kaufe viel ein.

Die Preise bei Schweinefleisch und Milch geben weiter großen Anlass zur Sorge, so Schneider. Von kostendeckenden Preisen sei man weit entfernt. Verbraucher würden sich wohl auf steigende Preise einstellen müssen. Das allerdings vor dem Hintergrund, dass die Landwirtschaft »jahrzehntelang die Inflationsbremse Nummer Eins war.« Gerade bei den Backweizenpreisen hatte man seit 1985 ein tiefes Tal, »das viele zur Verzweiflung gebracht hat.« Und so ärgert sich Schneider über die »Tank oder Teller-Debatte«, gerade in benachteiligten Gebieten brauche es Biogasanlagen und Ethanol-Produktion. »Das stärkt die Region und die Wirtschaftskraft.« Auch MdL Kurt Wiegel, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, sprach vom massiven Kostendruck auf die Landwirte. Anders als Andere freuten sich die Bauern über den Regen in den Sommermonaten, der das Getreide wachsen ließ. Das Jahr habe jedenfalls die Landwirte sehr gefordert.

Kreislandwirt Norbert Reinhardt verwies auf die hohen Auswinterungsschäden. So hat mancher Betrieb 100% seiner Wintergerste verloren. Dazu kamen Pilzerkrankungen etwa am Raps. Das nötige Saatgut für die neue Aussaat im Frühjahr musste »in ganz Europa zusammengekehrt werden.« Gerade für Ackerbaubetriebe habe es erhebliche Einbußen gegeben, rund 500 Euro fehlten pro Hektar beim Ertrag. Bernhard Wolf von Raiffeisen Waren Dienst sagte, man hätte gern mehr Sommerweizen-Saatgut verkauft, »aber der Markt war leer.« Die Qualität des Getreides war sehr unterschiedlich. Die Preisentwicklung hänge noch an der Entwicklung auf dem Weltmarkt – und der an den Börsen. Betriebsleiter Bernd Weiß stellte seinen Hof mit diversen Standbeinen vor – von Biogaserzeugung bis Direktvermarktung. Am Sonntag lädt die Familie zum Hoffest ein.

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