24. August 2012, 18:48 Uhr

Speicher für Sonnen- und Windenergie stark gefragt

Wartenberg/Gießen (rs). Deutschland nur mit Windenergie versorgen? Das ist machbar. Man muss nur auf jeden Quadratkilometer der Republik eine 4-MW-Anlage stellen.
24. August 2012, 18:48 Uhr
Prof. Jürgen Janek von der Justus-Liebig-Universität. (rs)

Das Gleiche gilt für Fotovoltaikanlagen: alle 800 Meter - in jeder Richtung von allen Anlagen aus - eine mit der Dimension 200 mal 200 Meter, und schon fließt der Strom. Diese drastischen Beispiele von Prof. Jürgen Janek von der Justus-Liebig-Universität zeigten beim Sommerempfang der IHK Gießen-Friedberg am Mittwoch Nachmittag im Wartenberg-Oval das derzeit technisch Machbare. Ob das
in der Gesellschaft durchzusetzen oder auch zu finanzieren ist, das sind ganz andere Fragen, mit denen sich der Direktor des Physikalisch-Chemischen Institutes und Wissenschaftliche Leiter
des Gemeinschaftslabiors BELLA, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), beim 45-minütigen Festvortrag ausdrücklich nicht auseinandersetzte. Dafür, so seine Einlassung, gibt es wieder andere Fachleute, sein Thema laute »Energiespeicherung - Wohin mit all der Energie?«. Schnell und sehr anschaulich erklärte der Wissenschaftler den Begriff der Energie, historische und aktuelle Entwicklungen sowie Perspektiven. Dabei mussten harte Fakten – wie und wann was technisch umsetzbar ist – offen bleiben. Als unumstößlich konstatierte Prof. Janek hingegen, dass mit dem absehbaren Auslaufen der fossilen Energie die erneuerbare Energie in jeder Beziehung Fuß fassen müsse.

Der Wissenschaftler räumte gleich einleitend mit umgangssprachlichen Wendungen wie Energieerzeugung und Energievernichtung auf - denn beides gibt es nicht. Der Mensch könne nur mit der Energie umgehen, die auf dem Planeten Erde vorhanden sei, indem er sie wandele. Prof. Janek riet davon ab, bei diesem Aspekt auf Forschungsneuerungen zu setzen, man müsse das nehmen, was auf der Erde verfügbar sei. Im Falle der fossilen Energieträger seien das Öl und Kohle, über Jahrtausende gespeicherte Sonnenergie, die aktuell in kürzester Zeit verbraucht werde.

Wie groß ist der Energiebedarf in Deutschland? Jeder der rund 82 Millionen Menschen benötigt laut Prof. Janek rund 5500 Watt, mithin 55 Hundert-Watt-Glühbirnen. In den USA betrage der Verbrauch das Doppelte, in China rund 2000 Watt, in Indien sind es rund 800 Watt. Um diesen ständigen Bedarf zu decken, sind aus Sicht des Wissenschaftlers die erneuerbaren Energien der interessante Bereich. Allerdings müssten dafür zum Abdecken des gesamten Energiebedarfes 50mal mehr Windkraftanlagen aufgestellt werden als bislang, bei der Fotovoltaik sei die 140-fache Fläche aufzubauen, bei Biomasse müsse man mit Faktoren zwischen zwölf und 15 Arbeiten. Was den Energiezulieferer Sonne anlange, so komme von dort genügend Energie, aber dann sei das Problem des Energiebedarfs noch nicht gelöst. Denn die eigentliche Frage sei die der Energiespeicherung. In Deutschland verbreitet sind Pumpspeicherwerke, etwa am Edersee, in Nachfrage armen Zeiten wird Wasser hin höhergelegene Speicher gepumpt, im Bedarfsfalle treibt dieses wieder abfließende Wasser dann Turbinen an. Aber dieses Potenzial ist in Deutschland zu vernachlässigen. Andere Speichertypen seien die thermische (Wasser erwärmen), chemische und elektrochemische.

Etwa seit der Jahrtausendwende werden aus Sicht von Prof. Janek wieder Batterien zur Energiespeicherung interessant. Derzeit seien sie allerdings noch nicht effizient, weil sie durchgängig mit hohem Materialaufwand und somit hohem Gewicht einhergingen. Aber es gebe im Alltag viele Nutzungsmöglichkeiten (Kommunikation, Verkehr, stationäre Speicher) und viele interessante Forschungsansätze. Diese seien jedoch noch nicht zuverlässig. Benötigt würden kostengünstige und umweltfreundliche Systeme. Der Wissenschaftler zeigte sich zuversichtlich, dass ein Forschungsobjekt von heute Gebrauchsgegenstand in der Zukunft sein werde. Dabei würden allerdings Massenprodukte wohl nicht in Deutschland produziert werden können, gleichwohl aber Spezialprodukte. So seien Batterien für Hörgeräte derzeit eine Domäne der deutschen Industrie.

»Wir werden eine elektronische Gesellschaft«, stellte Prof. Janek in Aussicht, denn die Wende sei unumgänglich. Vorgaben dazu seien Systeme von Energiespeichern, wobei Batterien und Brennstoffzellen eine herausragende Bedeutung hätten. Bei allen Innovationen dürfe man aber Einsparpotenziale nicht aus dem Auge verlieren: »Der Verbrauch muss sinken«, forderte der Wissenschaftler.

Ganz allgemein brach Prof. Janek eine Lanze für mathematische und naturwissenschaftliche Kenntnisse, und sprach sich gegen die verbreitet auch noch akzeptierte Entschuldigung aus, dass einem diese Bereiche »nicht liegen« würden.

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