Vogelsbergkreis

Heuernte im Vogelsberg läuft auf Hochtouren

Vogelsbergkreis (au). Hochbetrieb herrschte seit Anfang dieser Woche auf den Grünlandflächen im Vogelsberg. Heuernte und zweiter Silageschnitt stehen auf dem Programm der landwirtschaftlichen Betriebe.
27. Juli 2012, 17:43 Uhr
AAZ_1_Lokalseite - B_102805_1
Nur noch vereinzelt werden kleine Hochdruckballen für Pferdebesitzer gepresst, wie hier in Feldatal-Stumpertenrod.

»Wir sind froh, dass nach dem wochenlangen Regen jetzt offensichtlich eine trockene Periode in Aussicht ist«, meinte Kreislandwirt Norbert Reinhard (Homberg-Haarhausen) erleichtert in einem Gespräch mit dieser Zeitung. »Die Landwirtschaft hat sehnsüchtig darauf gewartet.«

Während der zweite Schnitt für die Silage teilweise bereits geerntet wurde und nur noch Restflächen anstehen, hatte man in den letzten Wochen keine Gelegenheit zur Heuernte. Dies sei gerade für Betriebe mit
Mahdauflagen bezüglich des Naturschutzes ein Problem gewesen. Denn vielfach sei hier der 15. Juni als erster Mahdtermin festgelegt und seit dieser Zeit habe man nur schlechtes Wetter gehabt.

Die Futtergrundlagen bezeichnete Reinhard als »bestens aufgestellt«. Zur Getreideernte führte er aus, dass bereits jetzt eine riesengroße Nachfrage nach Stroh besteht. Die Ackerbaubetriebe täten sich allerdings sehr schwer, schon jetzt eine Abgabe zuzusagen. Bedingt durch den strengen Winter und eine Auswinterung von teilweise bis zu
80 Prozent des Wintergetreides sei die Ernte in Verzug geraten.

Im Raum Homberg/Ohm liege man rund zehn Tage zurück und im hohen Vogelsberg noch erheblich mehr. Durch diese Verzögerung sei jetzt schon eine Rapsaussaat für den Zeitraum 15. bis 25. August sehr fraglich, denn eine Vollreife des jetzigen Getreides erwarte man erst in gut zehn Tagen.

Zur Auswinterung war vom Kreislandwirt zu hören, dass gerade der Vogelsberg Zentrum gewesen sei. So sei in der Wetterau und bei Frankfurt nur zwischen 10 und 20 Prozent des Wintergetreides ausgewintert. Im Nachbarland Thüringen sei die Quote noch geringer gewesen. Bedingt durch die Neueinsaat mit Sommergetreide und dem damit verbundenen Minderertrag, der Mehrarbeit und anderem gebe es für jeden Hektar einen Verdienstausfall von 600 bis 700 Euro.

Die Nachfrage nach Futtergetreide sei deshalb sehr groß und die Preise fast so hoch wie für Backgetreide. Auswirkungen auf die Preise beim Futtergetreide und im Eiweißbereich hätten auch die Dürreperioden in Nordamerika und in der Ukraine, sagte Kurt Wiegel (Lauterbach-Rimlos), der Vorsitzende des Vogelsberger Kreisbauernverbandes. Um eine Kostendeckung zu gewährleisten, müsse sich diese Preissteigerung jetzt auch bei den Schlachtpreisen bemerkbar machen, forderte er. Über die Qualität des Getreides könne man derzeit noch nichts sagen, es sei noch nicht genügend geerntet worden. Zur sehr verspäteten Heuernte merkte er an, dass die Qualität für die Milchviehbetriebe nicht mehr als ideal zu bezeichnen sei, dafür sei sie für Pferdebetriebe sehr gut. Eine gute Maisernte stehe im Herbst in Aussicht, denn es sei viel Masse vorhanden.

Kurt Wiegel wünschte den Landwirten eine etwas länger anhaltende Trockenzeit, um das Sommergetreide, dass teilweise sehr viele Lagerplätze habe, unter Dach und Fach zu bringen. Eine sehr unterschiedliches Ergebnis ist im Bereich des Vogelsberges bei der Obsternte zu erwarten. Während in einigen Bereichen die Bäume recht voll hängen, ist in manchen Gebieten kaum Obst da.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/art74,72770

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung