30. Oktober 2020, 21:48 Uhr

Mensch »mit zwei Gesichtern«

30. Oktober 2020, 21:48 Uhr
Im April ist in einem Kleingarten in Alsfeld ein Mann mit Hammerschlägen getötet worden, nun sprechen Zeugen von früheren Drohungen des mutmaßlichen Täters. FOTO: JOL

Das Bild eines zeitweise unbeherrschten Mannes zeichneten am Freitag mehrere Zeugen im Prozess um den »Hammermann von Alsfeld«. Er hat nach eigenen Angaben im Streit den Nachbarn einer Kleingartenanlage erschlagen. Das Ganze vom April dieses Jahres ist für die Familie des Opfers eine Katastrophe, wie sein Sohn aussagte. Am Freitag berichteten Freunde des Opfers, er habe ihnen gesagt, B. habe damit gedroht, ihn mit einem Hammer zu erschlagen - drei Monate vor der Tat. Der Prozess läuft beim Landgericht Gießen unter Vorsitz von Regine Enders-Kunze.

Beim Verhandlungstag am Freitag sagten zwei Alsfelder Polizisten aus, wie sich B. bei der Festnahme nach der Tat verhalten hat. In der Kleingartenanlage habe nach der Tat hohe Aufregung geherrscht, »viele haben geschrien und geweint«, sagte einer der Beamten. Das Opfer M. habe mit zerschmettertem Gesicht am Boden gelegen, seine Frau weinend über ihn gebeugt, der Sohn daneben, rundherum Kleingärtner und Nachbarn. B. habe etwas entfernt gestanden und in Ruhe geraucht.

Waffen gezogen

Die Beamten gingen in Schutzmontur und mit gezogener Waffe auf B. zu und forderten ihn auf, sich auf den Boden zu legen. Erst im zweiten Anlauf gehorchte er und ließ sich anstandslos fesseln. Auf Nachfrage des Nebenklagevertreters, ob A. das Geschehen erfasst hat, sagte ein Polizist »auf jeden Fall«.

Von einem »Menschen mit zwei Gesichtern« berichtete ein Kleingärtner. So war der Angeklagte durchaus hilfsbereit. Aber bereits 2018 war B. bei einem Streit mit M. gewalttätig geworden. »Ich habe gehofft, die Aggressivität wiederholt sich nicht«. B. habe dann aber am 4. April wie eine »reißende Bestie« gewirkt. Das »Bild des Grauens« wird der Zeuge nicht mehr los, er ist seither in Therapie. Seine Frau erinnerte sich daran, wie sie M. in einer Blutlache liegen sah. Einige Schritte entfernt stand B. »auf seinem Grundstück und schaute durch mich hindurch«. Ein anderer Kleingärtner erinnerte sich daran, dass er B. und M. zuvor in einer Rangelei gesehen hat.

Folgen für Familie

Von der familiären Katastrophe durch die Gewalttat berichtete der Sohn des Getöteten. Der 20-jährige P. war mit seiner Mutter kurz nach der Tat zu der Parzelle geeilt und hat den Vater mit eingeschlagenem Kopf vorgefunden. Der Angeklagte stand etwas entfernt und rauchte, P. hatte den Eindruck, »er genießt die Szene«. Sein Vater sei ein friedfertiger Mensch gewesen.

So habe es einen Streit zwei Jahre zuvor gegeben, nachdem B. Steine durch die Hecke geworfen hat. Sein Vater habe sich darüber beim Vereinsvorsitzenden beschwert, was B. rasend gemacht habe. Er ging auf den Vater los und war nur mit sieben Mann zu bändigen, erinnert sich P.

Der Vater habe darauf den Nachbarn ignoriert und habe ihn nicht als »Hurensohn« beschimpft, was B. behauptet hat. Vielmehr verwendete M. ein polnisches Schimpfwort, das »Scheiße« bedeutet, als er sich bei B. über eine falsch geschnittene Hecke beschwert hat. Sein Vater habe Provokationen des Nachbarn mit lauter Musik und Steinewerfen nicht so ernst genommen.

Ein Freund des 20-Jährigen erinnerte sich vor Gericht daran, dass B. mit einer Machete in der Hand dagestanden hat, als er zu einem Grillfest in den Garten ging. Dabei habe der Angeklagte in seine Richtung geblickt. B. widersprach, er habe ein Deko-Schwert in der Gartenhütte, das er gereinigt habe.

Von einer früheren Drohung berichteten zwei Freunde des Getöteten. G. erinnerte sich an ein Treffen mit M. im Februar 2020. Dabei habe M. vom Streit mit einem Gartennachbarn erzählt. »Er hat mir gesagt, sein Nachbar will ihn mit einem Hammer töten und hat darüber gelacht.« Das bestätigte der 43-jährige K. Aber sein Freund habe es für unmöglich gehalten, dass so etwas wirklich passiert.

Das Verfahren wird in 14 Tagen fortgesetzt.

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