29. Oktober 2020, 21:45 Uhr

Neue Arztpraxis öffnet im Januar

29. Oktober 2020, 21:45 Uhr
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Von Dieter Graulich

Ulrichstein (au). »Wir sind sehr froh, dass wir nun auch für die Kernstadt die ärztliche Versorgung zukünftig sichern können. Ab Januar des nächsten Jahres werden zwei Praxen für Allgemeinmedizin, sowohl in Bobenhausen II als auch in Ulrichstein, die hausärztliche Versorgung in der höchsten Stadt Hessens sicherstellen«, äußerte Bürgermeister Edwin Schneider am Donnerstag sehr zufrieden. Am Nachmittag hatte es eine Vorstellung des neuen Facharztes für Allgemeinmedizin Peter Niebergall im Innovationszentrum und anschließend im zukünftigen Ärztehaus gegeben.

Vorausgegangen war am Freitagabend ein einstimmiges Votum der Stadtverordneten in ihrer Sitzung für den Kauf und die Sanierung des Gebäudes in der Ohmstraße für eine Arztpraxis. Die Betriebskommission der Stadtwerke Ulrichstein (SWU) wurde beauftragt den Umbau und die Sanierung des Hauses durchzuführen, sodass es als Arztpraxis vermietet werden kann.

Nachdem bereits für Bobenhausen II mit den Ärztinnen Dr. Mehriar Aliakbari und Susanne Sommer (haben bereits eine Praxis in Ruppertenrod) ein Ärzteteam in der ehemaligen Arztpraxis »Am Lermetsrain« im Januar 2021 an den Start geht, hat sich für Ulrichstein mit Peter Niebergall nun ein Facharzt für Allgemeinmedizin gefunden, der eine neue Praxis eröffnen möchte. Den dafür notwendigen Arztsitz habe er bereits bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen beantragt, so berichtete Niebergall. Abschließend wird dazu durch eine Kommission am 17. November entschieden. »Dies sei jedoch, so die zuständigen Mitarbeiter der KV bei 5,5 freien Arztsitzen in dieser Region nur eine Formsache«, berichtete Bürgermeister Edwin Schneider, der auch in regem Kontakt mit der KV stehe. Zum 1. Januar 2021 werde der Sitz dann vergeben.

Der Facharzt für Allgemeinmedizin nannte als Tätigkeitsschwerpunkte die gesamte allgemeinmedizinische Bandbreite, inklusive einer psychosomatischen Grundversorgung. Aktuell stehen noch drei Wochen Weiterbildung für die Zusatzbezeichnung »Palliativmedizin« an. Wenn es der Corona-Lockdown zulasse, werde diese im Dezember abgeschlossen sein.

In Schlossberg verliebt

Wie kommt man nach Ulrichstein? So lautete die Frage an den zukünftigen Hausarzt. Begonnen habe es mit der Suche nach einer hausärztlichen Praxis im ländlichen Vogelsberg vor etwa eineinhalb bis zwei Jahren, berichtete Niebergall. In Eigeninitiative erkundigte er sich nach geeigneten Praxen beziehungsweise Örtlichkeiten für eine Landarztpraxis mit dem Ziel, Anfang 2021 in Eigenregie zu starten. Bedarf sei genügend vorhanden, so verlautete von der KV Hessen und den involvierten örtlichen Gremien.

Vielleicht habe er sich in den Schlossberg und den Ausblick von ihm in das Tal verliebt, bekannte der Mediziner zu der Frage, was ihn in die höchste Stadt Hessens getrieben habe. Die einzigartige Landschaft und Natur gehören sicherlich auch dazu. Seit Februar dieses Jahres habe er in engem Kontakt mit Bürgermeister Edwin Schneider und den Gremien gestanden. Die Chemie habe von Anfang an gestimmt.

Damit die Praxis ebenfalls im Januar 2021 starten kann, sind noch Umbauarbeiten erforderlich. Die Praxisausstattung wie Möbel, medizinische Geräte und EDV-Ausstattung, wird der Arzt übernehmen, genauso die Kosten für die Architektin und Planerin der Praxiseinrichtung und der Ausstattung.

Der Allgemeinmediziner beabsichtigt längerfristig in Ulrichstein zu praktizieren. Geplant sind mindestens zehn Jahre. Der Mietvertrag wird dementsprechend über diesen Zeitraum abgeschlossen. Dabei soll die Miete so festgelegt werden, dass er über die Laufzeit des Vertrages in Summe den Zuschuss erhält, den ein Übernehmer der Praxis von Dr. Wolfgang Krell ebenfalls erhalten hätte. Diesem dankt die Stadt Ulrichstein, dass er als einziger Arzt über viele Jahre die Patientenversorgung sichergestellt hat. Das Gesamtprojekt wird zwischen 500 000 und 600 000 Euro kosten.

An dem Termin nahm noch Rainer Burger (SPD) aus Bobenhausen teil, der seit Februar 2011 Sprecher der ärztlichen Kommission der Stadt Ulrichstein ist. Auch er zeigte sich sehr erfreut darüber, dass das jahrelange Engagement mit vielen Rückschlägen nun mit einer sonnigen Zukunft bezüglich der ärztlichen Versorgung in Hessens Bergstädtchen belohnt wird.



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