17. Oktober 2020, 06:50 Uhr

Abfall

Wo der Müll teuer vergraben ist

Was passiert mit dem Müll, der Tag für Tag in den Tonnen landet, in Corona-Zeiten noch mehr als sonst? Im Kreis kümmert sich der Abfallverband ZAV darum.
17. Oktober 2020, 06:50 Uhr
Dieter Boß

Warum geht es beim Müll nicht günstiger?

Der Vogelsberg ist bei den Abfallgebühren so mittendrin, wenn man das landesweit betrachtet. Dabei muss man auch sehen, was verglichen wird. So ist in manchen Landkreisen die Sperrmüllabfuhr nicht enthalten oder die Bürger müssen bei der Anlieferung auf dem Wertstoffhof extra zahlen. Grünschnitt, Papier, Elektrogeräte und Sperrmüll sind bei uns in der Gebühr drin. Was allerdings auf Kostenseite zu Buche schlägt, sind Altlasten.

Sie meinen den Betrieb der eigenen Abfalldeponie?

Genau, so mussten wir für 2017 rund 1,5 Millionen Euro in die Rücklage für die Deponie überführen. 2018 waren es sogar 1,8 Millionen und 2019 weitere 1,9 Millionen Euro. In diesem Jahr sind 1,1 Millionen fällig. Das ist alles Geld, das aus den Gebühren der Bürger bezahlt werden muss. Wir müssen bis 2066 die Nachsorge für die Bastwald-Deponie absichern, dafür brauchen wir 35 Millionen in der Rücklage. Zur Zeit fehlen noch rund zwölf Millionen Euro. In früheren Jahren haben wir Zinsen für das angelegte Geld bekommen, das ist vorbei.

Ist der Grünschnitt ein Kostentreiber?

Auf jeden Fall. Als die Biotonne eingeführt wurde, hat die ZAV-Versammlung beschlossen, dass der Grünschnitt kostenlos angenommen wird. Dadurch ging die Menge sprunghaft nach oben. Zur Zeit entstehen jedes Jahr rund 600 000 Euro an Kosten für Grünabfall, das steckt auch in den Grundgebühren drin.

Früher gab es eine Rückvergütung für Altpapier?

Es gab mal ganz andere Erlöse für Papier und Pappe. Damals hat man 150 Euro pro Tonne bekommen, heute werden noch 20 Euro gezahlt. Von den geringen Einnahmen müssen noch das Einsammeln und der Abtransport bezahlt werden, da bleibt kaum etwas übrig. Zudem sind immer mehr Kartonagen in der Tonne, die nichts wert sind. Nur Papier bringt etwas ein. So haben wir viel Volumen und kein Gewicht in den Tonnen.

Ist der Streit mit dem Dualen System beendet?

Wir haben einen Kompromiss mit dem Dualen System Deutschland erzielt. Denn in der blauen Tonne sind Kartons, die über das DSD entsorgt werden. Etwa 33 Prozent sind Altpapier, das wir weiterverkaufen. Unsere Kosten für die Einsammlung werden gegengerechnet. Das Geld vom DSD kommt allerdings nur in kleinen Beträgen zurück, weil zum Dualen System sieben Unternehmen gehören.

Was machen sie als Verbandsvorsteher eigentlich?

Ich vertrete den Verband nach außen und bind Bindeglied zwischen Verwaltung und der ZAV-Versammlung. Aktuell sind wir im Auswahlverfahren für einen neuen Geschäftsführer, deshalb ist viel Organisatorisches zu bewältigen. Der zeitliche Aufwand ist deutlich gewachsen. So werden Ausschreibungen für die Vergabe von Aufträgen von einem Büro vorbereitet, sie müssen aber im Vorstand besprochen und überprüft werden. Da muss man mit großer Sorgfalt herangehen, es geht um das Geld der Bürger. Darauf lege ich großen Wert, wie ich es auch als selbstständiger Kaufmann gewohnt bin. Hinzu kommt der laufende Betrieb, so wird die Deponie immer wieder überprüft.

Das machen Sie ehrenamtlich?

Ja, das muss neben der eigentlichen Arbeit laufen. Ich bin täglich zwei bis drei Stunden für den ZAV aktiv. So hatten wir heute eine Vorstandssitzung. Die hat um 8.30 Uhr begonnen und ich war um 13 Uhr zu Hause. Dabei wurde nicht gebummelt. Man muss sich in die verschiedenen Arbeitsbereiche einlesen. Es ist gut, dass wir eine tolle Verwaltung haben. Das ist ein Superteam.

Was ist Ihnen bei der Verwaltungsarbeit wichtig?

Wir haben eine bürgerfreundliche Verwaltung, die versucht zu machen, was möglich ist. Allein die Sozialklausel mit Ermäßigungen für Kinder beschäftigt sechs Mitarbeiter. Der Vogelsberg ist der zweitgrößte Flächenkreis in Hessen. Das bedeutet, dass es gerade im Winter nicht so einfach ist, überall hinzukommen. Es wird viel getan, was man nicht sieht. So unterstützt unsere Verwaltung viele öffentlich-rechtliche Institutionen, die aktuelle Daten zu Grundstücken benötigen, zum Beispiel bei Straßenbaumaßnahmen.

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