10. September 2020, 21:54 Uhr

Geheimnisse der Michaeliskirche

10. September 2020, 21:54 Uhr
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Aus der Redaktion
Pfarrer Thomas Harsch (r.) erklärt die Geheimnisse der Michaeliskirche. FOTO: PM

Gemünden (pm). Seniorentreffen leben üblicherweise von der Nähe der Beteiligten. Das darf in Zeiten der Corona-Pandemie nicht sein, und so ist der kommunale Seniorentreff darauf gekommen, stattdessen die Ortsteile der Großgemeinde zu besuchen und sich informieren zu lassen. Zweite Station nach Hainbach war dieser Tage Ehringshausen.

Weil das langgezogene Straßendorf viel zu bieten hat, war von Anfang an klar, dass man sich wegen der Kürze der Zeit auf nur wenige Highlights würde beschränken müssen. Die Michaeliskirche stand bei der Auswahl an erster Stelle, zumal sich Pfarrer Thomas Harsch bereit erklärt hatte, die älteste und größte der insgesamt vier denkmalgeschützten Kirchen seines Kirchspiels für die Besucher zu öffnen.

Bis zurück ins 12. Jahrhundert entführte Pfarrer Harsch seine Zuhörer in einem überaus lebendigen Vortrag. Vermutlich noch 250 Jahre früher, so berichtete er, hatten Mönche den Entschluss zum Kirchenbau an dieser Stelle gefasst. Romanische und gotische Fenster und Gewölbeteile sind Zeugen baulicher Veränderungen über die Jahrhunderte hinweg. Alte Fundamente weisen darauf hin, dass die Kirche früher den Grundriss eines Kreuzes hatte und wesentlich größer war als heute. Zumindest zeitweise diente sie wahrscheinlich als Wallfahrtskirche, womit der damals offensichtlich vorhandene Wohlstand der Kirchengemeinde zu erklären wäre. Im 16. Jahrhundert schloss sich die Gemeinde dem lutherischen Bekenntnis an, in dessen Folge das Gotteshaus umgebaut wurde. Nach gravierenden Beschädigungen im 30-jährigen Krieg erfolgte der Wiederaufbau bis 1666, wobei die Kirche anstelle des bisherigen Strohdachs ein Ziegeldach erhielt. Nachdem die Familie derer von Ehringshausen ausgestorben war, gingen das Lehen und das Patronat für die Kirche 1662 an die Freiherren Schenck zu Schweinsberg.

Ehrfürchtiges Schweigen herrschte, als Pfarrer Harsch das Parament des steinernen Altars anhob und den Blick auf eine von insgesamt drei ausgeräumten Reliquien-Nischen freigab. Leider gibt es keinerlei Aufzeichnungen darüber, was sich in diesen Nischen befunden haben könnte. Ebenso bedauerlich ist, erfuhren die Zuhörer, dass die unterhalb des Chorraumes gelegene Krypta mit Grabstätten mehrerer Herren von Ehringshausen nicht mehr begehbar ist.

Bewundert wurden das Marienbild und andere Wandmalereien, die bei Renovierungsarbeiten freigelegt worden sind, sowie das von Horst Beutlberger geschaffene Gemälde im Stil eines dreiflügeligen Altarbildes, das, 2002 eingeweiht, den Erzengel Michael inmitten von Geburt und Auferstehung Christi zeigt.

Zum Abschluss und um den wunderbaren Klang der 1841 erbauten Orgel zu demonstrieren, gab Pfarrer Harsch eine Kostprobe seines Könnens. »Das sollte er unbedingt öfter machen«, war das einhellige Urteil der Senioren, beeindruckt vom mächtigen und reinen Klang des Instrumentes.

Ausblick bis nach Rülfenrod

Vorsitzender Peter Gabriel dankte Harsch für die ebenso informative wie unterhaltsame Führung, und dann übernahm Magdalena Pitzer die Gruppe und führte sie in den Privat-Pkws auf den Hanes, einen markanten Aussichtspunkt der Heinzemann-Tour, von dem aus man einen weiten Blick über Ehringshausen und das Feldatal bis Rülfenrod und darüber hinaus hat. So kamen die Senioren auch ohne anstrengenden Fußmarsch in den Genuss eines der schönsten Ausblicke dieser Tour.

Den Abschluss bildete wie immer das gemeinsame, coronaangepasste Kaffeetrinken im Dorfgemeinschaftshaus.

Die nächste gemeinsameAktivität des Seniorentreffs ist für Donnerstag, den 17. September, geplant. Näheres kann man im Rathaus unter Tel. 0 66 34-96 06 18 erfahren.



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