07. September 2020, 08:00 Uhr

Ausbildungsplätze frei

Maurer sind gesuchte Bau-Experten

Im September ist Ausbildungsbeginn in vielen Betrieben. Auch Bauunternehmen werben um Nachwuchs. Maurer ist »ein toller und abwechslungsreicher Beruf«, sagt Firmenchef Bertram Philipp.
07. September 2020, 08:00 Uhr
Handwerk mit guten Aussichten: Lukas Lang ist im zweiten Ausbildungsjahr als Maurer in Vockenrod, Grundlagen lernt er im Lehrbauhof Lauterbach. FOTOS: JOL

Auch nach 145 Jahren geht der Familie Philipp nicht die Arbeit aus - es sei denn, der Nachwuchs fehlt. Damit meint Bertram Philipp nicht die eigenen Kinder, sondern junge Maurer, die auch heute noch das Rückgrat seiner Baufirma in Lautertal bilden. Er wirbt um Auszubildende für einen Beruf, der Freude bereitet und anspruchsvoller geworden ist. Auch im Zeitalter der Subunternehmer auf Baustellen ist eigenes Fachpersonal in einer Baufirma gefragt.

Aber viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt, so dass die Gewerkschaft IG BAU schon Alarm schlägt. Sie verweist auf Angaben der Arbeitsagentur, wonach im Juli 70 Prozent aller Ausbildungsstellen auf dem Bau unbesetzt waren. Die jüngsten Zahlen der Agentur für Arbeit zeigen 18 offene Ausbildungsstellen im Hochbau aus. Bei anderen Bauberufen ist es ähnlich: Acht angehende Maler, sechs Trockenbauer und elf künftige Heizungsbauer werden allein im Vogelsberg gesucht.

Das kann Bertram Philipp nicht so recht verstehen. »Ich finde das Handwerk sehr vielseitig.« Nach einem Tag auf der Baustelle kann man zehn Schritte zurücktreten und sich sagen »toll, was ich heute geschafft habe«. Das sei in unserer digitalen Welt selten geworden, sagt der Maurermeister und Bautechniker. Zudem ist der Lohn schon während der Ausbildung durchaus lukrativ (siehe Kasten).

Früher war Maurer ein Beruf, der einen körperlich geschafft hat. Heute ist die Arbeitsweise viel technischer geworden, so stehen Maurer auf einer hydraulischen Bühne statt auf dem Gerüst. »Da arbeitet man immer in der optimalen Position«, sagt Philipp. Früher wurde der Beton für eine Zwischendecke per Schubkarre transportiert, heute sind Betonpumpen Standard. Das schont auch Rücken und Gelenke. Maurer können komfortabler und zentimetergenau arbeiten. Die Steine werden mit Sägen statt mit dem Hammer vorbereitet. Schwere Steine werden mit dem Mini-Kran gerückt. Früher wog der Sack Zement 50 Kilogramm, heute ist es die Hälfte.

Hauptwerkzeuge sind immer noch Wasserwaage, Hammer und Kelle, aber es geht nicht mehr nur um Stein-auf-Stein. Maurer erstellen den Rohbau eines Gebäudes. Das reicht vom Anbau an ein Gebäude, um Ein-Familienhäuser, Büros, Ställe und große Gebäude. Aktuell ist die Firma in Gießen dabei, ein viergeschossiges Mehrfamilienhaus plus Keller zu erstellen. Für den 50 Meter langen Bau setzen die Arbeiter Ziegelsteine in traditioneller Weise, zur Dämmung sind sie mit Perliten gefüllt. Der Vorteil ist die größere Masse, die nicht nur im Winter dämmt, sondern auch im Sommer die Hitze abhält. »Das wird immer interessanter bei unseren heißen Sommern«, sagt Philipp.

Dabei verzichtet auch Philipp nicht darauf, Subunternehmer für Teile des Werks zu beschäftigen. Dennoch decken seine Leute eine breite Palette ab. »Wir erstellen den Rohbau eines Gebäudes inklusive der Betonarbeiten.« Dazu zählen Erdarbeiten, Kanal- und Wasseranschlüsse, Fundament, Bodenplatte, Keller und Wände. Zudem werden Häuser repariert oder man bau an.

Philip ist seit 1972 im Beruf und hat die Erfahrung gemacht, dass inzwischen die Gesundheit auch auf dem Bau einen höheren Stellenwert genießt. Das rückenschonende Arbeiten sorgt dafür, dass die Maurer länger fit bleiben.

Er legt Wert auf das Betriebsklima, »ich finde es wichtig, einen guten Umgang miteinander zu haben«. Das gilt gerade in einem Familienbetrieb mit rund 15 Mitarbeitern.

Der Bedarf wird bleiben. »Der Bau hat Zukunft«, trotz der Konzentration im Baubereich bleiben genug Platz für kleine Familienbetriebe. So gibt es zwar den Trend zum Holzrahmenbau, aber dafür braucht man Fundament und Bodenplatte sowie eventuell einen Keller vom Maurer. Viele Bauherren legen Wert auf eine massive Wand. »Gute handwerkliche Arbeit wird geschätzt«, ist Philipp überzeugt. Um künftig gute Qualität zu sichern, muss man auf der Baustelle eigene Leute haben, die den Subunternehmern auf die Finger schauen.

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