17. August 2020, 21:21 Uhr

Beratungzentrum schlägt Alarm: »Wir sind es leid«

17. August 2020, 21:21 Uhr

Das Beratungszentrum Vogelsberg schlägt Alarm. Weil Geld fehlt, soll es am kommenden Freitag eine Protestaktion geben. Als Symbol »für die Not und die Ernsthaftigkeit der Lage« wollen die Mitarbeiter dabei einen Sarg mitbringen. »Dieser soll öffentlichkeitswirksam zeigen, was zu Grabe getragen wird, sollten sich die Einnahmen und Ausgaben der Beratungsstelle im gleichen Tempo wie in den letzten Jahren entwickeln.« Lohnerhöhungen, die jeden Arbeitnehmer im Normalfall freuen, würden für das Beratungszentrum und seine Mitarbeiter spätestens ab 2023 Entlassungen und eine Reduzierung des Beratungsangebotes bedeuten. Knapp 600 Klienten würden dann mit ihren Problemen allein dastehen. Es sind Familien mit Erziehungsfragen, Angehörige und Kinder von Suchtkranken und von Sucht betroffene Vogelsberger. »Wie würde sich diese Unterversorgung der Menschen in den Städten und Dörfern des Kreises bemerkbar machen? Müssten wieder mehr Kinder von Suchtkranken wegen einer Kindeswohlgefährdung vom Jugendamt in Obhut genommen werden? Würde die Polizei zu mehr Einsätzen wegen häuslicher Gewalt in Familien gerufen? Würden erneut gebrauchte Spritzen an öffentlichen Plätzen auftauchen und es zu mehr Kriminalität und Prostitution kommen?« Weil sie sich diese mögliche Zukunftsperspektive nicht vorstellen wollen, haben die Mitarbeiter beschlossen, um den Erhalt ihrer Einrichtung zu kämpfen und dafür für fünf Jahre auf Lohnerhöhungen zu verzichten.

Kirche will Zuschuss nicht erhöhen

Ab hier wird die Angelegenheit kompliziert. Als Einrichtung der Kirche gelten auch für das Beratungszentrum die Gesetze der Kirche. Diese sehen vor, dass der kirchliche Tarif bei der Bezahlung aller Beschäftigten angewendet werde. Der Verzicht auf Lohnerhöhungen sei nicht möglich, so die EKHN. Auf die Frage, woher die Mittel für die Lohnsteigerungen kommen sollen, verweise die Kirchenverwaltung in Darmstadt auf den Landkreis oder bringe selbst Personalabbau ins Spiel. Eine Erhöhung der kirchlichen Zuschüsse sei ausgeschlossen.

Die Beschäftigten des Beratungszentrums empfinden sich als Verlierer im System. »Wir sind bereit, Opfer zu bringen, um die Einrichtung zu retten. Aber das ist verboten. Wir sind es leid, immerzu vertröstet zu werden und dabei zuzusehen, wie wir am ausgestreckten Arm verhungern. Untätigkeit wird dazu führen, dass das Beratungszentrum stirbt. Das wollen wir nicht zulassen. Die Nutzer unserer Fachstelle haben ohnehin keine Lobby. Und auch für den Erhalt der Beratungseinrichtung scheint sich niemand mit vollem Einsatz engagieren zu wollen.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Alarme
  • Beratungsangebote
  • Beratungszentren
  • Einnahmen und Ausgaben
  • Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
  • Familien
  • Häusliche Gewalt
  • Lohnsteigerungen
  • Polizei
  • Prostitution
  • Sozialer oder politischer Protest
  • Suchtkranke
  • Vogelsberg
  • Vogelsbergkreis
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen