20. Juli 2020, 21:24 Uhr

Fundstück identifiziert

20. Juli 2020, 21:24 Uhr
Gerda Schneider mit dem Steinbeil aus der Jungsteinzeit. FOTO: SEIM

Nach einigen Monaten des Wartens konnte Gerda Schneider aus Appenrod vor wenigen Tagen endlich ihr »Schätzchen« wieder in Besitz nehmen. Bei dem »Schätzchen«, wie sie es liebevoll nennt, handelt es sich um ein Steinbeil, und dieses Steinbeil wurde ihr nunmehr von Dr. Andreas Thiedmann vom Landesamt für Denkmalpflege in Marburg, für den Vogelsbergkreis zuständiger Bezirksarchäologe, wieder zurückübereignet. Gerda Schneider hatte das Steinbeil bereits 1992 gefunden, auf ihrem Acker »Hinter dem Weizenrod«, beim Rübenhacken, wie sie sich noch genau erinnert. Es hatte kurze Zeit vorher geregnet und der Regen hatte die oberflächlich aufliegenden Steine abgewaschen.

Auf dem Acker entdeckt

Als sie nun die Hacke durch Klopfen auf einen Stein von der anhängenden Erde befreien wollte, habe sie gleich anhand der Form des Steins erkannt, dass es sich um ein Steinbeil handeln müsse. All die Jahre hatte sie ihren Fund sorgfältig aufbewahrt, aber die amtliche Expertise stand noch aus. Erst vor wenigen Monaten war ihr durch den Maulbacher Wolfgang Seim ein Kontakt zum Landesamt für Denkmalpflege in Marburg vermittelt worden und Dr. Thiedmann hatte den Fund zur Begutachtung entgegengenommen. Dieser bestätigte nun, dass es sich tatsächlich um ein Steinbeil handelt. Er ordnet es in die Jungsteinzeit ein, wahrscheinlich ist es zwischen 4200 und 3600 vor Christus entstanden und vielleicht der Michelsberger Kultur zuzurechnen. Das Beil ist etwa 11,5 Zentimeter lang, 7,4 Zentimeter hoch und drei Zentimeter dick, sorgfältig beschliffen, die Schneide ist noch immer scharf und praktisch ohne sichtbare Gebrauchsspuren.

Ungewöhnliches Material

Der hintere Teil, wohl nur wenige Zentimeter, ist aber abgebrochen und fehlt. Ursprünglich war das Beil wahrscheinlich mit einem hölzernen Griff versehen und in einen kräftigen Ast eingespannt. Thiedmann sagte auch, dass das Steinbeil in Form und Größe eher ungewöhnlich für die Gegend ist, in der es gefunden wurde. Es bestehe aus Granat-Chlorit-Schiefer, einem metamorphen Gestein, dessen nächstliegendes Vorkommen im Spessart ist. Das heiße aber nicht, dass das Steinbeil aus dem Spessart stamme, es könne vielmehr aus einer viel weiter entfernten Ursprungsregion stammen. In jedem Fall werde daraus ersichtlich, dass schon zu dieser Zeit ein weiträumiger Austausch von Gütern stattgefunden hat. Er bedankte sich ausdrücklich bei Gerda Schneider, dass sie den Fund für die Erfassung durch die Denkmalpflege zur Verfügung gestellt habe.

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