09. Juli 2020, 21:26 Uhr

Viele Tiere und gute Luft

09. Juli 2020, 21:26 Uhr
Antonia Gonzalez Pinzon mit ihrer Gastfamilie bei einem Ausflug. FOTO: PM

Bis Ende Juni war an der Homberger Ohmtalschule eine Austauschschülerin aus Kolumbien zu Gast, die durch den Lockdown sehr viel länger blieb, als sie eigentlich geplant hatte. Dass das aber gar nicht so schlimm für sie war, hat sie in einem Bericht beschrieben.

Antonia Gonzalez Pinzon ist 15 Jahre alt und kommt aus Bogotà. Sie wollte in Deutschland einen fünfmonatigen Schüleraustausch machen. »In Kolumbien sprechen wir Spanisch, aber ich gehe in eine deutsche Schule und dort lerne ich Deutsch schon seit elf Jahren. Ich wohne mitten in Bogotà, der Hauptstadt von Kolumbien, dort leben 7,4 Millionen Einwohner. Deshalb war mein Leben in den letzten fünf Monaten sehr viel anders, als ich es von zu Hause her gewohnt war. Meine Gastgeber, die Familie Zieger, lebt in Appenrod, einem Stadtteil von Homberg, dort wohnen rund 200 Menschen.

Getöpfert und gekocht

Die älteste Tochter Lina war meine Gastschwester, mit ihr zusammen besuchte ich die Ohmtalschule in Homberg. Alles war ganz anders, als ich es von Bogotà her kenne. Alles war hier sehr leise, es gab kein Verkehrschaos, die Luft war besser, man hörte und sah viele Tiere, man war mitten in der Natur und die Leute kannten sich alle untereinander.

Ich bin in Deutschland Anfang Februar angekommen, als noch niemand so wirklich an Corona und seine Folgen gedacht hatte. Mitte März wurde es auf einen Schlag komplett anders. Durch den Lockdown durfte ich nicht mehr in die Schule gehen und das Leben beschränkte sich auf die Gastfamilie. Aber aus der Not machten wir alle gemeinsam eine Tugend. Wir wanderten fast täglich, es wurde viel gebacken, getöpfert und gemalt. Bei schönem Wetter machten wir mit den Pferden und dem Hund Ausflüge in die Umgebung, fuhren Fahrrad oder sprangen auf dem Trampolin. Meine Familie in Kolumbien beneidete mich in dieser Zeit sogar, weil wir hier auf dem Lande sehr viel mehr Freiheiten genießen konnten als sie in der Großstadt, wo sie nur zum Einkaufen vor die Tür gehen durften. Auch in Sachen Sicherheit fühlte ich mich sehr gut aufgehoben. In Bogotà gehen Kinder niemals alleine aus der Wohnung. Der Austausch war auch durch Corona bedingt mit der Gastfamilie sehr intensiv. Wir kochten viel gemeinsam, auch einige kolumbianische traditionelle Gerichte wie Arepas (eine Art Maismehlpfannkuchen) oder Tortilla de huevo con arroz (Reistortilla mit Ei). An der deutschen Küche haben mir am besten Kartoffel- und Linsensalat, Schnitzel und Lauchkäsesuppe gefallen. Ihr Deutschen esst deutlich mehr Wurst und Kartoffeln als wir Kolumbianer.

Weitere Unterschiede sind mir noch bezüglich der Mülltrennung, der Ordnungsliebe und beim Organisationsbestreben der Deutschen aufgefallen. Auch habe ich den Übergang der Jahreszeiten sehr genossen. Bei uns in Bogotà gibt es diese nicht, bei uns herrscht immer das gleiche Klima, in Deutschland sah ich im Februar das erste Mal in meinem Leben Schnee und erlebte erstmalig den Frühling und den Übergang in den Sommer.

Mir hat meine Zeit in Deutschland sehr gut (»muy bien«) gefallen, obwohl wir durch Corona nicht reisen durften, wie wir das vorher geplant hatten. Ich liebe Deutschland, eure Kultur, euer Essen und eure Natur. Ich habe vor, auf jeden Fall wiederzukommen«.

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