05. Juni 2020, 21:58 Uhr

Vom notwendigen Übel zum Modetrend

05. Juni 2020, 21:58 Uhr
Hilft auch beim Schieben des Einkaufwagens: Die Mundschürze aus Vogelsberger Leinen wird auch hier produziert. FOTO: BARBARA SCHNEIDER

Den öffentlichen Raum prägt ein neues Bild. Sogenannte Mund-Nasen-Bedeckungen sind in der Corona-Krise das Gebot der Stunde, vermutlich der nächsten Monate.

Für viele Menschen ein notwendiges bis lästiges Übel: Das Atmen und Sprechen fällt schwer unter den engen Masken, vom Style zumeist ganz zu schweigen. Abhilfe für beides kommt nun aus Alsfeld.

Dort hat es das Team des Modelabels »geschwisterGALFE« geschafft, die Bedeckungen zu modernen und trendigen Accessoires upzugraden - hergestellt wie alle Teile des heimatverbundenen Geschwisterpaars Frank und Juliane Galfe aus hochwertigem Leinen, gewebt im Vogelsberg.

Gegen Müllberge mit Einwegmasken

Neben dem Angebot an Mund-Nasen-Masken aus Brokat - gewebt im Vogelsberger Umland - und anderen hochwertigen Materialien, hebt sich die »Mundschürze« als bequemer Schutz hervor. »Unsere Mundschürze ist ein lockerer Schal, der am Ende zwei große Eingrifftaschen hat und im Bereich, der über Mund und Nase gezogen wird, doppelt ausgearbeitet und mit einem Gummizug verstärkt ist«, erklärt Galfe die wichtigsten Eigenschaften.

Für die kommenden Sommermonate wird sie dann auch aus Baumwolle, Baumwoll-Jacquard oder Halbleinen genäht. Vom Entwurf über die Herstellung der Stoffe bis hin zum Nähen sei sie ein durch und durch regionales Erzeugnis. »Mit der Mundschürze kann man Türgriffe anfassen, den Einkaufswagen schieben, mit Karte zahlen, tanken und natürlich viel besser und leichter atmen als unter einer festgezurrten Maske«, wirbt Galfe für sein Produkt, das bei 60 Grad waschbar ist und durch Bügeln auf Stufe drei entkeimt werden kann.

Angeboten wird es auch mit einer Tasche für Kohlefilter. »Das Schönste ist, dass dieses Teil zu allen Lieblingsoutfits kombiniert werden kann - und das nicht nur, weil Material und Muster das hergeben, sondern weil wir auf Wunsch fertigen können«, freut sich der Modefachmann, dem es eine Herzensangelegenheit ist, dass seine Kunden gut angezogen sind.

Ein weiteres Merkmal, mit dem die Mundschürze punkte, sei die Nachhaltigkeit. Während die Müllberge an Einweghandschuhen und -masken ständig wachsen, könne man die Mundschürze viele Jahre als Schal weitertragen. Für den Winter soll deshalb ein Modell aus pflegeleichter Wolle entwickelt werden.

»Natürlich haben wir genauso wie alle anderen unter der Schließung und den damit verbundenen Umsatzrückgängen zu leiden«, gibt der Inhaber des Modehaus Campus zu bedenken, »aber wir wollten raus aus dem Jammermodus, Perspektiven schaffen und neue Ideen entwickeln«.

Die Mundschürzen sollen auch anderen helfen. Fünf Euro aus dem Erlös fließen direkt zu der Alsfelder Tafel. Für sie hatte sich der Einzelhändler und Modedesigner schon zu Beginn der Krise eingesetzt: Nachdem sowohl sein Ladengeschäft in der Alsfelder Innenstadt als auch seine Eventlocation, der Güterbahnhof, im März dem Lockdown zum Opfer fielen, beschloss er, sich für die Menschen einzusetzen, die in diesen Zeiten viel mehr verlieren als Umsatz.

Erlöse aus Verkauf gehen an die Tafel

Kurzerhand beschloss er, 30 Prozent jedes in der Krise verkauften Gutscheins seines Ladens an die Tafel zu spenden, Kontakte zu Großhändlern in der Region lieferten zusätzlich Ware und seine geschlossene Halle am Güterbahnhof war groß genug, um in gebührendem Abstand bisher drei Lebensmittelausgaben zu organisieren. Dieses Engagement unterstützt nicht nur der Bürgermeister der Fachwerkstadt, sondern auch Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich wurde auf ihn aufmerksam und zeigte sich begeistert von den Ideen des Teams.

Von der geplanten Modenschau, die zwar ohne Publikum, doch hochprofessionell stattfand, berichtete auch die Hessenschau. Und die Mundschürzen made im Vogelsberg »finden reißenden Absatz«, sagt der Hersteller.

Frank Galfe, der eigentlich kein Online-Shopper und -Händler ist, hat dafür sogar eigens einen Webshop einrichten lassen. »Auf diese Weise können alle Menschen das Teil bestellen.«

Galfe freut sich aber auch darüber, dass er in seinem Laden in der Alsfelder Innenstadt inzwischen wieder Kunden ganz persönlich begrüßen kann.

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