03. Mai 2020, 19:03 Uhr

Mut zur vorsichtigen Veränderung

03. Mai 2020, 19:03 Uhr
War im März noch möglich und hat sich inzwischen geändert: In großer Runde treffen sich die Kirchenvorstandsmitglieder und Pfarrer zum sogenannten Zukunftsgespräch. FOTO: PM

50 Jahre ist es alt, das Gruppenpfarramt (GPA) im evangelischen Dekanat Vogelsberg. Und ein Alter, in dem man sich die Frage stellt: Wie kann es weitergehen? Wie verändert sich die Nachfrage nach kirchlichen Angeboten? 13 Kirchengemeinden, 20 Dörfer, fünf Pfarrerinnen und Pfarrer und 5.000 Mitglieder gehören zu dem Zusammenschluss. Auf den Weg in die Zukunft haben sich die Pfarrerinnen und Pfarrer schon seit geraumer Zeit gemacht. Gemeinsam mit dem Organisationsberater Olaf Petters beraten sie über Chancen und Realitäten. Kürzlich fand erstmals ein gemeinsamer Studientag zum Thema statt.

Kirche soll im Dorf bleiben

Moderator Ralf Müller rückte die derzeitigen Aktivitäten in den Blick und die demographischen Herausforderungen. Einer bunten Vielfalt von Aktivitäten steht eine älter werdende Bevölkerung gegenüber. Jüngere Menschen und Familien nutzen kirchliche Angebote nur sporadisch und sehr ausgewählt - ersichtlich an dem Interesse an Weihnachts- oder besonderen Gottesdiensten sowie Trauungen und Taufen.

Müller gab auch einen Überblick über den Gebäudebestand in der in Frage kommenden Region: 17 Kirchen gibt es hier, vier Gemeindehäuser, daneben vier Pfarrhäuser und vier anders genutzte Gebäude, darunter die Kindertagesstätte in Groß-Felda.

Die Frage war auch, wie sinnvoll ein Festhalten an Traditionen ist und wie eine Bündelung gelingen kann, wenn jede Gemeinde lieber für sich etwa an Ostern oder Weihnachten feiern möchte. »Schaffen wir damit Fortschritt oder schaffen wir uns ab?« - diese Frage bleibt eine von vielen, die zu beantworten wäre.

Wie nutzen wir unsere Gebäude? Und welche davon brauchen wir in zehn Jahren noch? Diese Frage ging eine Gruppe nach. Obwohl bereits Häuser zum Verkauf stehen (Pfarrhäuser in Meiches und Stumpertenrod sowie der dortige Pfarrsaal), bleibt der Gebäudebestand hoch.

Gut genutzt seien die Gemeindehäuser von verschiedenen Institutionen, die Kirchen dagegen häufiger eher leer. Dennoch: Von den Gotteshäusern möchte sich niemand verabschieden - viel eher könnten vielleicht Aktivitäten aus den Gemeindehäusern dort angesiedelt werden. Die Verhandlungsgrundlage war damit eindeutig: »Die Kirche muss im Dorf bleiben.«

Eine dritte Arbeitsgruppe widmete sich der Frage, welche Aktivitäten die Kirche vor Ort anbietet. Dabei ging es auch um die Frage, welche Zielgruppen sich in welchem Angebot finden und für welche Menschen - Alter, Lebenssituation - derzeit gar nichts dabei ist. Wann treten die Menschen aus der Kirche aus? Wann kommen sie wieder? Wie sind sie zu halten und zu begeistern? Können Gottesdienste zugunsten anderer Angebote an weniger Orten stattfinden und dadurch mehr Tiefe und Qualität erhalten?

Um die Kooperationen von Kirche mit Vereinen ging es in einem weiteren Block. Dabei zeigte sich, dass Kirche auch eine Funktion als Kulturträger in den Dörfern hat und gut mit Vereinen und anderen Gruppen zusammenarbeiten kann. Was auf der einen Seite befruchtet, könne auf der anderen Seite auch ein Buhlen um den Faktor Zeit und Engagement sein, dennoch wurde als Ziel formuliert, sich nicht gegeneinander auszuspielen. Die Erfahrung habe gezeigt, dass Kooperation positive Effekte für beide habe.

Zwei weitere Gruppen beschäftigten sich zum einen mit der Bedeutung des Ehrenamtes in der Kirche, zum anderen mit der Position der Pfarrerinnen und Pfarrer. »Wie muss das Gruppenpfarramt aufgestellt sein, damit auch in zehn Jahren noch gerne neue Theologen in die Region kommen«, lautete die Kernfrage.

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