03. Mai 2020, 18:57 Uhr

Mit der Posaune gegen Corona

03. Mai 2020, 18:57 Uhr
Finn Lenox Schultheiß bei seinem abendlichen Ständchen in Bleidenrod. Viele Dorfbewohner freuen sich schon darauf und hören ihm gern zu. FOTO: HSO

Alles begann mit den Bildern aus Italien, die der zehnjährige Finn Lenox Schultheiß aus Bleidenrod im Fernsehen und auf Videos seiner Mutter sah. Wegen der Corona-Epidemie wurden dort schon sehr früh Ausgangssperren verhängt und die Menschen mussten mehr oder wenige die ganze Zeit in ihren Wohnungen bleiben. In dieser Zeit machte sich dann eine Idee breit, die in vielen anderen Ländern Anklang fand und sich schnell weiterentwickelte. Menschen sangen Lieder und spielten auf den unterschiedlichsten Instrumenten Musik. Mit ihren Melodien machten sie sich und vielen Kranken, in dieser schweren Zeit, Hoffnung auf Besserung.

Fangemeinde im Dorf

Als Finn das sah und hörte, reifte bei ihm ein spontaner Entschluss: »Das will ich auch zu Hause bei mir machen. Ich will den Leuten im Ort auch eine kleine Freude schenken und Hoffnung machen, das alles wieder gut wird.

Seit dem 23. März 2020, nach einem Aufruf von der Theologin Margot Käßmann, an diesem Tag bundesweit den Choral abends »Der Mond ist aufgegangen« zu singen und auf verschiedenen Instrumenten zu spielen, ist der kleine Finn mit dabei. Die Noten für sein Spiel auf der Posaune bekam er von seiner Chorleiterin Christine Geitl aus Grünberg und bereits nach kurzer Zeit war der Choral einstudiert und er konnte am 23. März mit dabei sein, als in der ganzen Republik zur gleichen Zeit alle dasselbe taten: Es erklang der Choral »Der Mond ist aufgegangen«

Seit diesem Tag spielt Finn Abend für Abend um 19 Uhr auf seiner Posaune im Ort sein Ständchen gegen »Corona«. Dazu gekommen sind weitere Musikstücke wie die Europa- Hymne, Osterchoräle und auch das eine und andere Volkslied. Inzwischen hat er schon eine große Fangemeinde im Ort. Voller Vorfreude warten besonders die älteren Bürger auf sein Ständchen. Sie sitzen auf der Bank vor ihrem Haus oder lauschen am offenen Fenster den Posaunenklängen von Finn.

Auch kommt es schon einmal vor, dass Autofahrer oder Radler anhalten und ihm zuhören. Über 30 Mal war er nun schon im Einsatz und im Gespräch betont er, dass er noch so lange weitermachen will, bis alles wieder besser ist. »Ich will in diesen schweren Zeiten durch die Musik einfach aufmuntern und den Menschen eine kleine Freude machen«, sagt der Zehnjährige mit einer

Voller Elan bei der Sache

Selbstverständlichkeit und aus voller Überzeugung, die man nicht zwingend in diesem Alter am Ende seiner Grundschulzeit erwartet.

Zum Posaunenspiel kam er durch einen Aufruf der Katharinengemeinde in Gemünden/Felda. Man wollte dort einen Posaunenchor gründen und Finn war einer von zwischenzeitlich acht Interessenten. Seit März 2019 trifft man sich, übt zusammen und Finn ist in der altersgemischten Gruppe mit seinen zehn Jahren das Nesthäkchen.

Wie alle anderen ist auch er mit vollem Einsatz dabei, wie Chorleiterin Christine Geitl am Telefon berichtete. Aktuell ist es für die Bläserinnen und Bläser schwer, sich zu treffen und gemeinsam zu musizieren. Das geht nur im Einzelunterricht.

Christine Geitl arrangiert kleine Stücke für die jeweiligen Instrumente und verschickt diese an die Bläserinnen und Bläser, um sie so am Ball zu halten. Für Herbert Schott, Autor des Berichts, und selbst langjähriger Bläser und Chorleiter im Posaunenchor Groß-Felda, ist Finn ein Phänomen. »Völlig ungezwungen« wirkt der Zehnjährige auf ihn.

Die Freude an der Musik und an seinem Tun sprudelt geradezu aus ihm heraus und das spürt man auch bei seinem Spiel, so Schott: »Seine Darbietungen an jedem Abend sind fehlerfrei gespielt und dabei ist er völlig unaufgeregt«. Was der Junge mit seinen zehn Jahren Abend für Abend macht, würden sich sicherlich nur wenige Musiker aus gestandenen Posaunenchören trauen.

Als Solist den Mut und diese Ausdauer dazu aufzubringen, das sei einfach Spitze und in diesem Alter kaum zu überbieten. Seine Mutter Sabrina Schultheiß beschreibt ihren Sohn Finn als durchaus ehrgeizig, aber auch als Kind, das nicht so schnell aufgibt.

Wo seine Freude an der Musik und sein Talent herkommen, das kann sie sich nicht erklären.

»Bei uns in der Familie ist da keiner, der ihm das vererbt haben könnte«, sagt sie. Hoffentlich bleibt ihm diese Freude an seiner Sache noch lange erhalten.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Ausgangssperren
  • Bilder
  • Bleidenrod
  • Chorleiterinnen
  • Choräle
  • Fernsehen
  • Kranke
  • Margot Käßmann
  • Melodien
  • Posaune
  • Posaunenchöre
  • Vogelsberg
  • Homberg-Bleidenrod
  • Herbert Schott
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen