29. April 2020, 21:33 Uhr

Elsbeere liefert Holz und Schnaps

29. April 2020, 21:33 Uhr
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Aus der Redaktion
Revierförster Peter Kraus (l.) und Bürgermeister Andreas Sommer im Gemeindewald an einer Elsbeerenkultur. FOTO: PM

Sie ist eine echte Vogelsbergerin, den meisten aber völlig unbekannt: die Elsbeere (bot. Sorbus torminalis) - eine einheimische Wildobstart, verwandt mit den schon eher bekannten Baumarten Speierling, Eberesche und Mehlbeere. Zusammen bilden diese vier bemerkenswerten Baumarten im heimischen Raum die Gattung »Sorbus«.

In Zusammenarbeit mit dem Revierförster Peter Kraus aus dem Forstamt Schotten, der Bereiche des Gemeindewaldes Mücke betreut, wurden in den vergangenen Tagen junge Elsbeeren zwischen Ruppertenrod und Schellnhausen gepflanzt. Geschützt vor Wildverbiss durch ein Kulturgatter überzeugten sich Peter Kraus und Bürgermeister Andreas Sommer vom Erfolg der Pflanzarbeiten.

Trockenheit ist spürbar

Auch im Gemeindewald Mücke sind durch die vergangenen trockenen Jahre und Stürme umfangreiche Freiflächen im Wald entstanden, die es jetzt wieder zu bepflanzen gilt. Bei diesem Wiederbewaldungsprogramm legt die Gemeinde Mücke besonderen Wert auf die Einbringung heimischer, standortgerechter Baum- und Straucharten.

Und nicht nur das: auch die Förderung seltener Arten liegt der Gemeinde am Herzen. Zu diesen Arten gehört auch die jetzt gepflanzte Elsbeere. Sie ist eine im Vogelsberg heimische Baumart, die jedoch aufgrund ihrer geringen Konkurrenzkraft gegenüber der dominierenden Buche einen recht schweren Stand im Wald hat. Nur in Bereichen, in denen die Wuchskraft der Buche etwas nachlässt oder entlang von offenen, besonnten Waldrändern kommt dieser schöne Baum vor. In zusammenhängenden, dunklen Buchenwäldern hat die Elsbeere keine Chance. Aber auch die umfangreichen Pflanzmaßnahmen mit sogenannten Hauptbaumarten wie Buche, Eiche, Fichte oder Bergahorn haben in der forstlichen Vergangenheit dazu geführt, dass weniger wuchsfreudige Baumarten etwas ins Hintertreffen geraten und mittlerweile recht selten geworden sind. Dabei wurde die Elsbeere zu Unrecht vernachlässigt. Sie liefert dem Waldbesitzer ein wertvolles, hartes Holz, das sich bei entsprechenden Qualitäten hervorragend für Furniere eignet. Die wenigen Stämme, die bei uns zum Verkauf gelangen, erzielen oft Spitzenpreise im hohen vierstelligen Bereich.

Früher Mittel bei Magenproblemen

Und sie liefert vielfältig nutzbare, vitaminreiche Früchte. Die schmecken nicht nur den heimischen Vögeln, sondern lassen sich zu hochprozentigem Schnaps mit einem wunderbaren Mandelaroma verwandeln, der intensiv an Marzipan erinnert. Die Eidgenossen wissen das seit Jahrhunderten zu schätzen und produzieren den »Adlitzer«, so heißt dieses alkoholische Getränk in der Schweiz: ein Liter kostet aufgrund des aufwendigen Ernteverfahrens rund 100 Euro.

Aber auch ihr botanischer Name »tormina« (= Ruhr) weist auf die Verwendung der Beeren hin: die an Gerbsäure reichen Früchte wurden früher als Heilmittel gegen Magen- und Darmstörungen (Ruhr und Durchfall) verwendet. Nicht umsonst wurde daher die Elsbeere im Jahr 2011 zum »Baum des Jahres« gewählt.

Warum steht dieser Baum im Gemeindewald Mücke jetzt hinter einem Zaun? Die jungen Pflanzen werden sehr gerne vom Wild verbissen. Daher ist auch Naturverjüngung der wenigen noch vorkommenden Altbäume im Wald so selten: dunkler Waldboden und hungrige Rehe - da hat eine junge Elsbeere keine Chance.

Wie wird es mit Elsbeere und Co in Mücke weitergehen? Es stehen noch umfangreiche Wiederaufforstungen an, gemeinsam mit den betreuenden Revierleitern vom Forstamt Schotten wird sich die Gemeinde Mücke laut Bürgermeister Sommer weiterhin für einen naturgemäßen Waldaufbau einsetzen »und dabei die etwas vernachlässigten Minderheiten der vergangenen Jahre fördern«. Dazu gehörten neben der Elsbeere auch die Eibe, die Wildbirne, der Holzapfel, die Ulme und der Spitzahorn.

So lasse sich Waldbewirtschaftung in idealer Weise mit erfolgreichem Arten- und Naturschutz verbinden.

Kombiniere man dann dieses Prinzip mit dem Nutzungsverzicht einzelner wertvoller Altholzbestände (»Urwald von morgen«) entsteht ein ökologisch hochwertiger Lebensraumirekt vor unserer Haustür.



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