15. März 2020, 18:48 Uhr

Wettstreit der Wortakrobaten

15. März 2020, 18:48 Uhr
Der Sieger, erstmals bei einem offiziellem Poetry Slam dabei: Hagen Halfpaap. FOTOS: PM

Man muss es lieben, wenn Poeten von heute sich eine Dichterschlacht liefern, Wortakrobatik praktizieren, dabei gelegentlich rappen, beatboxen oder singen und im Texten sich komischerweise nicht in Worten verfangen. So beim jüngsten Poetry Slam in Nieder-Ofleiden, zudem »Poesiereich 17« in die »Halle 17« einlud. Die Zahl 17 ist nicht ganz zufällig dieselbe - es ist die Hausnummer des Veranstaltungsortes, an dem eine kulinarische Eventhalle im Industriestil steht. Und es ist das Zuhause von »Poesiereich 17«, der Poetry-Company von Stella Jantosca und Pauline Puhze.

Nicht nur fröhliche Themen

Zufällig gehört Stellas Vater Martin Jantosca die Halle 17. Sie teilen sich nicht nur die Zahl und ihren Nachnamen, sie teilen vor allem auch die Leidenschaft zu ihrem Tun: Die eine lässt sich genussvoll Worte auf der Zunge zergehen, der andere lieber leckere Speisen. Gemeinsam haben sie vor kurzer Zeit beides zusammengeworfen und luden zum dritten Mal zu einem kulinarischen Dichterstreit ein.

Die 20-jährige Stella und ihre Poeten-Kollegin Pauline haben als Gewinnerinnen von landesweiten Wettbewerben im Poetry Slam ihre guten Kontakte spielen lassen und für den Abend hervorragende Slammer gefunden: Leah Weigand, Laura Paloma, Hagen Halfpaap, Holger Rolfs und das Team Mint Tea, die mal abwechselnd, mal duellierend, mal synchron ihre Texte rhythmisch vortrugen.

Ja, der Rhythmus der Poeten ist meist etwas ganz Besonderes, die Intonation, die Schnelligkeit, die Reime, die fast zum Mitklatschen, Fußwippen und manchmal sogar Tänzeln einladen. Dabei geht es beim Slammen mitnichten nur um fröhliche und heitere Themen, nein! Manche sind traurig, melancholisch, nachdenklich, wütend und vor allem oft gesellschaftskritisch.

Während sich die Gäste von Martin Jantoscas Team kulinarisch verwöhnen ließen, lieferten sich die Sprachgewandten im Scheinwerferlicht einen Wettkampf um die Gunst der Zuschauer. Bevor der Kampf aber offiziell begann - moderiert von Stella und Pauline, die durch Schlagfertigkeit und Wortwitz brillierten - bestieg ein »Opferlamm« die Bühne. So bezeichnet man einen jungen Nachwuchspoeten, der beziehungsweise die noch nie vor Publikum aufgetreten ist, Erfahrungen sammeln möchte und quasi die Einstimmung auf den Abend übernimmt. Hier war es keine Geringere als die Jüngste der Jantosca-Schwestern, Leni, die mit 13 Jahren die Sache hervorragend meisterte und fast einen 10-Punkte-Applaus bekam.

Dieser 10-Punkte-Applaus ist wichtig, nur so werden die Wortkünstler für ihr selbstgeschriebenes und rezitiertes Wort belohnt, kämpfen ums Weiterkommen und um den Einzug ins Finale.

Neue Termine bei den Slammern

Und es war ein harter zweistündiger Kampf, in dem mancher Juror aus dem Publikum mehrfach über zehn Punkte versuchte zu vergeben, was die Chefinnen natürlich nicht zuließen.

Leah fragte provokativ, warum man alte Menschen nicht so gut wie Oldtimer behandelt, und kam ins Schwärmen bei den Erinnerungen an ihren Opa - auch wenn sie zu- gab, dass sie das jetzt vielleicht ein wenig glorifiziert. Hagen überzeugte bei seinem ersten Auftritt bei einem Wettbewerb mit seinem Protokoll vom Tag mit Kumpels an Weiberfasching. Dabei konnte er nicht verschweigen, dass er angehender Historiker und Religionslehrer ist, der im Kardinalskostüm eher unchristlich unterwegs war.

Laura erzählte vom Fluch, nirgendwo richtig zu Hause zu sein und dass es keinen Grund gibt, stolz auf etwas zu sein, was man in die Wiege gelegt bekommen hat. Holger Rohlfs wählte eine weniger rhythmische Darstellungsform, er erzählte eher Geschichten, von seinen fünf Kindern, Begegnungen am Spielplatz mit Helikoptermüttern oder Befehlsempfängerinnen und plädierte für eine linksalternatives-freies-grünes Deutschland, »um dem herrschenden Hass und der zunehmenden Aggressivität entgegenzuwirken«.

Ein besonderes Highlight waren die zwei Auftritte von Team Mint Tea, bestehend aus Nicki Schuck und Artem Zolotarov. Beide alleine schon stark, waren sie zusammen unglaublich. Kraftvoll, rhythmisch, treffsicher, humorvoll und vor allem kein Blatt vor dem Mund nehmend und provokativ. Genauso wenig wie die späteren Finalisten Leah und Hagen. Leah gab ganz offen zu, »was sie nicht bewegt«, während Hagen seine reimenden Urlaubserinnerungen damit abschloss, ein Handtuch auf die Teenie-Tochter zu werfen. Reservieren kann man schon Karten für die nächsten Slam-Veranstaltungen in Homberg in der Halle 17 oder in Alsfeld am 8. August im Rahmen der »BäderKultur« in der Tiefe des leergepumpten Hallenbadbeckens.

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