18. Dezember 2019, 07:50 Uhr

Handwerk

An der Ohmtalschule gehen Schüler an die Werkbank

Das Handwerk hat Schwierigkeiten, genügend Nachwuchs zu gewinnen und fordert Technikunterricht an Schulen. Doch wird schon viel angeboten, wie sich an der Ohmtaschule zeigt.
18. Dezember 2019, 07:50 Uhr

Dem Handwerk gehen die Mitarbeiter aus. Viele Lehrstellen in den fast 75 000 Handwerksbetrieben Hessens bleiben unbesetzt, weil geeignete Bewerber fehlen. Der Präsident des hessischen Handwerkstags, Bernd Ehinger, forderte die Einführung des Unterrichtsfachs »Werken/Technik« an Schulen. Doch schon jetzt wird dort viel geleistet, wie sich an der Homberger Ohmtalschule zeigt.

Petra Ebert ist Fachleiterin Arbeitslehre, Peter Drößler leitet den Haupt- und Realschulzweig. Sie verweisen auf eine Berufsvorbereitung mit Projekttagen, Praktika und regelmäßigen Treffen mit Unternehmensvertretern. Ebert: »Mehr ist im Stundenplan nicht unterzubringen.« Problem: Einige der 15- und 16-Jährigen Absolventen sind noch nicht ausbildungsreif. Andere wissen trotz Praktika nicht, welche Beruf sie ergreifen möchten. Sie müssten noch weiter zur Schule gehen, um mehr Stabilität zu bekommen.

Ebert und Drößler bestätigen die Einschätzung des Handwerkstags, dass es für Betriebe schwieriger ist, junge Leute zu gewinnen. »Die Firmen rennen uns seit fünf Jahren die Türen ein«. Ein Grund liegt in der zurückgehenden Zahl an Schulabgängern. Vor 20 Jahren, als die beiden Lehrer in Homberg anfingen, gab es drei Abschlussklassen im Realschulzweig und zwei bei den Hauptschülern. Heute sind es jeweils eine 9. Hauptschulklasse und in der 10. Stufe Realschule und Gymnasium. Hinzu kommt, dass die Anforderungen in den allermeisten Berufen gestiegen sind. Dem begegnet die Ohmtalschule mit vielen Angeboten. So trifft man sich zweimal im Jahr mit Vertretern von Firmen zum Austausch, wie die Schüler in Betrieben wahrgenommen werden. Seit zehn Jahren bietet man jedes Jahr einen Bewerbertag an. Dort stellen sich Firmen vor.

Die Eisengießerei Winter bietet zusätzlich einen Projekttag an, um den Jugendlichen wenig bekannte Berufe wie Gießereimechaniker und Modellbauer nahezubringen. Bei Geibel und Hotz werden Betriebsbesuche angeboten. Die Kamax lädt angehende Absolventen ein, den Weg vom Draht zur Schraube kennenzulernen. Einige Schüler nehmen an der »Nacht der Gießereiberufe« in Stadtallendorf teil.

Von Elektro bis Pflege

Die Berufsorientierung beginnt an der Ohmtalschule schon Jahre vorher. In der 7. Klasse werden Stärken und Schwächen ermittelt. Achtklässler im Haupt- und Realschulzweig besuchen zwei Wochen das berufliche Zentrum BZL in Lauterbach. Sie erkunden Gewerke nach Wahl, Elektro, Holz, Einzelhandel und Pflege. Jeweils zwei Tage sind sie praktisch tätig. Die Schule hat oft Berater der Arbeitsagentur im Haus und bietet Unterstützung beim Erstellen von Bewerbungsunterlagen. Die Lehrer brechen eine Lanze für das Angebot »MuKu« in der 5. und 6. Klasse. Es umfasst Arbeiten mit Holz, Kochen sowie musische und sportliche Angebote. »Die Schüler haben die Möglichkeit, etwas mit den Händen zu machen«.

Fortgeführt wird das in der 7. Klassenstufe mit Hauswirtschaft und Werken. Das beinhaltet eine technische Grundbildung im Umgang mit Holz, Metall und Kunststoffen. Ein Ergebnis sind Holzbänke für den Schulgarten. Dabei arbeiten die jungen Leute mit Standbohrmaschinen und an Werkbänken, schnelllaufende Maschinen wie Bandsägen sind verboten.

In den 9. Realschulklassen wird es im Technikunterricht praktisch. Dann bauen die Schüler Roboter und setzen sich mit Steuerungen auseinander. Möglich wird das durch mehrere Bausätze, die mit Hilfe des Fördervereins angeschafft werden konnten. Laufroboter und Händetrockner sind auf diese Weise montiert worden. In der 10. Realschulklasse kommt der Unterricht mit Konstruktionsprogrammen hinzu.

Damit haben Jugendliche Figuren für einen Tischkicker und ein Schachspiel konstruiert und über einen 3D-Drucker hergestellt. So führen die Lehrer Jugendliche an das praktische Arbeiten heran. Auf die Frage, ob zusätzlicher Unterricht in Werken/Technik möglich ist, winken sie ab.

»Der andere Stoff muss ja auch noch vermittelt werden«. Manchmal sind es die Rahmenbedingungen, wenn eine Ausbildung nicht klappt. So besuchen Bäckereifachverkäuferinnen die Berufsschule Fulda, das ist für manche 16-Jährige aus einem Homberger Stadtteil zu aufwendig.

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