12. Dezember 2019, 08:20 Uhr

Klimaschutz

Bald Verbot für Plastikgeschirr bei Veranstaltungen in Alsfeld?

Über Klimaschutz nicht nur reden, sondern ihn vor der Haustür umsetzen, das wollen Aktive des »Klimastreiks« in Alsfeld. Deshalb haben sie im Rathaus Vorschläge überreicht.
12. Dezember 2019, 08:20 Uhr
Bei Weihnachtsmärkten landet wieder viel Plastikgeschirr im Müll. Die Stadt Alsfeld überlegt jetzt, für kommendes Jahr einen Verzicht für den Markt vorzuschreiben, wie es in Fulda bereits jetzt praktiziert wird. SYMBOLFOTO: DPA

Die Diskussion um den Klimaschutz in der direkten Umgebung der Menschen hat erst begonnen. Das zeigte sich bei der Debatte von Aktiven des Klimastreiks mit Bürgermeister Stephan Paule. Der Aktionstag hatte jüngst in vielen Städten, darunter Alsfeld, viele auf die Straßen gebracht. Auf dem Marktplatz hatten Teilnehmer Forderungen für eine umweltfreundliche Lebensweise an eine Wand gepinnt. Das Ergebnis trugen die Klimaschützer in der Bürgersprechstunde Paules vor. Der nahm die Wünsche auf, machte aber klar, dass schnelle Verbesserungen nicht in Sicht sind.

Unter den Vorschlägen sind neben der autofreien Innenstadt und mehr Bäumen auch der Verzicht auf Plastikgeschirr bei Volksfesten und beim Weihnachtsmarkt. Andere Teilnehmer der Umfrage forderten 1000 Meter Abstand von Windenergieanlagen zur Wohnbebauung, Fahrradwege und kostenfreien öffentlichen Personennahverkehr.

Yvonne Jordan überreichte das Plakat mit den Forderungen, sie wäre schon froh, wenn man bei Veranstaltungen zumindest den Verzicht auf Plastikgeschirr erreichen kann. »Eine Plastikflasche braucht 450 Jahre, bis sie sich zersetzt hat, und dann bleiben noch Mikroteilchen übrig«. Einen solchen Verzicht habe die Stadt Fulda schon für ihre Veranstaltungen festgeschrieben.

Bis Weihnachten wird es in Alsfeld nichts mehr damit. Bürgermeister Paule verwies aber darauf, dass beim Weihnachtsmarkt seit Jahren Glastassen für den Glühwein und andere heiße Getränke im Umlauf sind. Er will die Anregung in die städtischen Gremien mitnehmen, die über die Marktordnung entscheiden. »Was die Fuldaer schaffen, schaffen wir auch«, gibt er sich optimistisch.

Positiv sehen die jungen Leute, das die Kommune einen Stadtbus betreibt. Allerdings könnte mehr für umweltfreundlichen Verkehr getan werden, wenn es mehr Radwege gäbe. Er habe Angst, sein Kind mit dem Rad zur weiterführenden Schule fahren zu lassen, erklärt ein Teilnehmer der Klimaaktionen. Im Vogelsberg könnte man Bus- und Bahnfahrten kostenfrei anbieten.

Bürgermeister Paule hält die Vogelsbergbahn für das Rückgrat des Personenverkehrs. Bus und Bahn müssten schnell und attraktiv sein, »dann steigen die Menschen vom Auto um«. Weitere Buslinien seien problematisch, weil die großen Fahrzeuge die meiste Zeit (wie jetzt schon) leer herumfahren. Das Problem seien die kleinen Dörfer im Kreis, auch dort wollen die Menschen mobil sein. »Der Individualverkehr wird weiterhin eine große Rolle spielen«.

Die jungen Aktivisten betonen, dass sie Autos nicht ablehnen. Es sei klar, dass sich auch Familien die Fortbewegung leisten können müssen. Es gehe um kleine Schritte in die richtige Richtung, damit eine umweltverträgliche Lebensweise für alle machbar ist. Als Paule daran erinnerte, dass einige Bioprodukte im Lebensmittelmarkt einen weiten Weg zurücklegen, meinten die Klimaschützer, man müsse ehrliche Rechnungen aufmachen. »Was kostet ein Kilometer mit Auto und Lkw denn real, wenn alle Umweltschäden einberechnet werden?« Nabaa Al-Asadi, Salome Kluth und Cecile Bamberger sind aktiv bei Fridays for Future. sie haben Unterschriften gesammelt, damit in Alsfeld und im Kreis der Klimanotstand ausgerufen wird. »Viele wollen das unterstützen«, sagte Al-Asadi. CDU-Politiker Paule fügte noch an, der Begriff Klimanotstand sei »sehr hoch gegriffen«.

Die Klimaschützer wollen niemand an den Pranger stellen, wurde noch gesagt. Aber sie fordern mehr konkretes Tun vor Ort. Paule betonte, das Parlament prüfe bei seinen Entschlüssen stets alle Aspekte einer Entscheidung. Man dürfe sich nicht auf einen Aspekt beschränken. Yvonne Jordan: »Wenn dem so wäre, stünden wir nicht mit dem Rücken zur Wand«.

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