Vogelsbergkreis

Strom von der Sonnenseite der Stadt

Im Frühjahr kann der Bau einer neuen Fotovoltaikanlage auf der alten Deponie Ulrichstein losgehen. Zumindest dann, wenn die Stadtverordneten das einstimmige Votum im Haupt- und im Bauausschuss übernehmen - aber dafür spricht eigentlich alles. Dann kann in wenigen Monaten eine Freiflächenanlage der Energiegenossenschaft Vogelsberg ans Netz gehen, wie Bürgermeister Edwin Schneider sagt.
10. Dezember 2019, 21:36 Uhr
Joachim Legatis

Im Frühjahr kann der Bau einer neuen Fotovoltaikanlage auf der alten Deponie Ulrichstein losgehen. Zumindest dann, wenn die Stadtverordneten das einstimmige Votum im Haupt- und im Bauausschuss übernehmen - aber dafür spricht eigentlich alles. Dann kann in wenigen Monaten eine Freiflächenanlage der Energiegenossenschaft Vogelsberg ans Netz gehen, wie Bürgermeister Edwin Schneider sagt.

Am Montag gingen die Ausschussmitglieder mit Planer Paul Dehnert vom Ingenieurbüro Zillinger die Abwägungen für den Bauleitplan durch. Hauptproblem im Verfahren waren demnach Bedenken von einem Naturschützer, der den Schutz von Vögeln einforderte. Als »kritischen Punkt« bezeichnete Dehnert den geforderten Schutz eines Nahrungsbiotops des Raubwürgers. Auch Rücksicht auf Neuntöter, eine andere Vogelart, wurde eingefordert.

Deshalb habe eine Biologe ein Gutachten »nach den geltenden Standards« erstellt. Demnach sei das Gelände der alten Abfalldeponie so zugewachsen, das es keinen Lebensraum für den Raubwürger darstelle. Diese Vogelart sei auf Offenland angewiesen, sagt Dehnert. Auch die Haselmaus wurde nicht gefunden, wie ein Gutachter feststellte. »Da kam eine große Gegenwehr von einer Naturschutz-Initiative, aber das Gutachten hat das entkräftet.«

Wolfgang Repp von der SPD verwahrte sich dagegen, dass ein einzelner Mensch aus dem Westerwald über drei verschiedene Stellungnahmen Einfluss auf das Verfahren in Ulrichstein nehmen wolle. Dieser komme einmal im Monat mit dem Auto vorbei »und erzählt uns etwas von Naturschutz«.

Dehnert stellte im Ausschuss die Abwägungen zu zwei Verfahrensschritten vor. Für die Änderung des Flächennutzungsplans waren Behörden befragt worden, und im Bauleitplanverfahren gab es eine öffentliche Auslegung. In beiden Verfahren geht es darum, geeignete Maßnahmen zu finden, wenn Hindernisse für einen Bau bestehen. So forderte die OVAG, dass keine Solarmodule unter einer niedrig hängenden Stromleitung gebaut werden. Das wird so gemacht. Eine andere Stelle regte eine Bepflanzung im Randbereich an, was Dehnert aber zurückwies. Denn dann würden einige der Module im Schatten liegen, was ja nicht Sinn der Anlage sei.

Positiv sieht er Blühwiesen, die dort angelegt werden können. »Das sind Maßnahmen, die schön sind.« Durch die extensive Nutzung der Fläche mit Schafen oder Mähen in größeren Abständen werde der ökologische Wert des Bereichs sogar noch verbessert, wie eine Untersuchung ergeben hat.

Was nicht umgesetzt werden kann, ist die Freilegung eines verrohrten Bachlaufs. Denn in die Struktur der stillgelegten Deponie darf nicht eingegriffen werden. Also verbieten sich Grabungsarbeiten im Gelände. Dadurch verhindert man auch, dass eventuelle Verunreinigungen im Untergrund aufgerissen werden. Die Pfosten für die Modulgestelle werden etwa einen Meter tief in den Boden gerammt. Das greift nicht in den alten Deponiekörper ein, wie Dehnert sagt.

Eine solche oberflächliche Nutzung sei ideal für eine Alt-Deponie. Ein Vorteil sei, dass die Gewerbeflächen der Kommune für die Ansiedlung von Unternehmen erhalten blieben. Die Auswirkungen auf die Umwelt seien eher gering. So sagte Dehnert, es würden blendfreie Module verwendet, um Auswirkungen in der Kernstadt zu vermeiden.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/art74,652099

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