10. Dezember 2019, 07:15 Uhr

Berufe DAS UNTERNEHMEN

Diana Girschek will lieber schweißen als tippen

Diana Girschek stellt Kunststoffventilatoren für die chemische Industrie her. Als Kunststoff-Verfahrensmechanikerin ist die 20-Jährige eine der wenigen Frauen in einem technischen Beruf.
10. Dezember 2019, 07:15 Uhr
Diana Girschek mag ihre Arbeit als Verfahrenstechnikerin, dazu gehört das Verschweißen einer Lasche an einer Kugelmanschette. FOTO: JOL

Als Exotin empfindet sie sich nicht und dennoch ist Diana Girschek etwas Besonderes. Das merkte sie schon in der Berufsschule als eine von zwei Frauen unter 25 Männern. Inzwischen ist die 20-Jährige Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik, Fachrichtung Bauteile und erzählt von ihrem Arbeitsplatz bei Hürner Luft- und Umwelttechnik in Atzenhain. Was sie macht? »Ich schweiße Ventilatoren zusammen«.

Sie findet ihre Firma »cool und fast wie eine zweite Familie«. So schätzt sie an ihren Kollegen in der Montagehalle, dass sie wenn nötig Rücksicht nehmen. Dann packen ein paar kräftige Männer an, wenn ein schweres Bauteil umzudrehen ist: »Die passen auf, die meisten haben ja selbst Töchter.«

Lieber Kunststoff als Holz

Mit der Arbeit in einem klassischen Männerberuf ist Diana Girschek immer noch eine Ausnahme. Ihre Klassenkameradinnen haben »eher etwas im Büro« gesucht, als der Abschluss an der Ohmtalschule Homberg anstand. Eine wollte zur Polizei gehen. Diana Girschek wollte von Anfang an etwas Praktisches machen. Das mag am familiären Hintergrund liegen. Ihr Vater ist Schreiner und sie hat ihm oft in der Werkstatt geholfen. »Aber Holz ist nicht so meins, mit Kunststoff arbeiten ist sauberer und leiser.«

Der Umgang mit den Schweißgeräten erfordert Fachwissen und Erfahrung: »Man muss Zeit, Druck und Temperatur beachten.« In der dreijährigen Ausbildung geht es auch um das Umsetzen einer technischen Zeichnung, die Zusammensetzung von Kunststoffen und welche Materialien miteinander verbunden werden können. »Zum Beispiel kann man PPs und PVC nicht verschweißen«, sagt Diana Girschek. Meist arbeitet sie in der Produktionsabteilung mit PPs, das Kürzel steht für Polypropylen.

Das Unternehmen stellt Kunststoffventilatoren her, dazu Zu- und Abluftanlagen für Labore, Industrie und Forschung. »Es ist schön etwas herzustellen, das hält und einwandfrei läuft«, sagt sie und führt das Verschweißen einer Lasche an den Flansch einer Kugelmanschette vor.

Die Frage, weshalb so wenige Frauen einen technischen Beruf ergreifen, kann Diana Girschek nicht beantworten. »Vielleicht denken sie Frauen gehören ins Büro?«. Sie selbst hat über die Bewerbertage der Schule zum Beruf gefunden. Die Ohmtalschule bot an, in drei Betriebe hineinzuschnuppern. Nach einer Woche bei HLU in Atzenhain hatte sie Feuer gefangen.

»Sie kam herein und sagte, ›ich will das«, das hat uns imponiert«, erinnert sich Martina Britz, Leiterin der Personalabteilung. Sie freut sich, wenn sie neben Jungs auch Mädchen für den Einstieg bei HLU begeistern kann. Deshalb spricht das Unternehmen bei Messen und Bewerbertagen Interessierte beider Geschlechter an, »wir sind da ganz offen«.

Wichtig für junge Leute, die Kunststoffmechaniker werden wollen, ist ein Interesse an Physik und Chemie. Auch Mathematik und räumliches Verständnis sind gefragt, wie Anne-Christin Vögl-Schmitt erklärt. In der Produktion hat man eine ne Zeichnung vor sich und muss sich vorstellen können, wie das nachher aussieht.

Ein Hindernis in der Branche ist, dass sich viele unter dem Beruf nichts vorstellen können, sagt Britz. HLU ist ein international gefragter Hersteller, aber das Berufsbild des Verfahrensmechanikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik ist nicht so recht bekannt.

Diana Girschek ist in der Produktion beschäftigt, neben 32 Männern finden sich dort drei Frauen. Das Miteinander ist absolut unproblematisch, wie Standortleiter Thomas Röhrich berichtet. »Wir organisieren das so, dass beim Heben von schweren Gehäusen eher kräftige Herren anpacken«. Bei der Produktion der Ventilatoren und der Gehäuse spiele die körperliche Kraft an vielen Stellen des Arbeitsprozesses keine Rolle. Die 20-jährige Verfahrensmechanikerin will jetzt eine Weile Erfahrungen am Arbeitsplatz sammeln. Vorstellen kann sie es sich, eine Ausbildung zur Technikerin oder Meisterin zu machen. Vorbilder gibt es jedenfalls: Die Leitung der Technik hat eine Ingenieurin.

Hürner Luft- und Umwelttechnik, kurz HLU, hat seinen Hauptsitz in Mücke-Atzenhain. An drei Standorten in Deutschland sowie in den Tochterunternehmen in Malaysia, Singapur und China sind 182 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. HLU deckt vier Geschäftsbereiche ab: Kunststoffventilatoren und Komponenten für den Einsatz mit chemisch belasteter Abluft, Zu- und Abluftanlagen in Industrie und Laboren, individuell gefertigte Kunststoffapparate und Anlagen sowie Wartung und Service.

,, Ich möchte etwas herstellen, das hält und einwandfrei läuft.

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