09. Dezember 2019, 06:40 Uhr

Wölfe

Wieder reißt der Ulrichsteiner Wolf ein Kalb

Die dörfliche Idylle ist schon seit einiger Zeit gestört. Im Ulrichsteiner Stadtteil Unter-Seibertenrod fiel bereits ein zweites neugeborenes Kalb dem Wolf zum Opfer.
09. Dezember 2019, 06:40 Uhr
Die Herde im Unter-Seibertenröder Stall mit Nachwuchslandwirt Jonas Weiß. Die Landwirte überlegen mittlerweile, ob sie die Tiere wegen des Wolfs überhaupt noch auf die Weide bringen können. FOTO: SF

War zunächst die Familie Rühl betroffen (die AAZ berichtete), so war es nun im Oktober die Familie Weiß.

Es ist der zweite offiziell bestätigte Fall, demnach wurde das Kalb vom Wolf gerissen. Vom 28. auf den 29. Oktober waren in der Herde (Mutterkuhhaltung) drei Kälber geboren worden. Bei einer Vormittagskontrolle der Angus--Herde fand Landwirt Weiß die Reste des einen der neugeborenen Kälber, es lag außerhalb der Umzäunung.

Der Lohwald ist wohl das Zuhause des Wolfes. Das Waldstück befndet sich in der Unter-Seibertenröder Gemarkung in Richtung Stumpertenrod, der Vorfall ereignete sich nur zwei Wiesen entfernt von der Fläche der Familie Rühl, die dort ebenfalls ein Kalb an den Wolf verlor. Landwirt Weiß informiert umgehend das Regierungspräsidium Gießen und eine Wolfsbeauftragte nahm die Überreste des Kalbes zur Untersuchung mit. Nun kam das Ergebnis: Es war definitiv der Wolf. Familie Weiß hatte die anderen trächtigen Tiere nach dem Vorfall sofort nach Hause geholt. Das getötete Kalb hatte wohl ein Gewicht von 35 bis 40 Kilogramm. In der Kürze der Zeit, in der es gefressen wurde, könnte das eigentlich nur der Wolf gewesen sein, war gleich die Vermutung. Die Landwirte üben Kritik an der Politik. Von den Bauern werde erwartet, dass sie den Wolf tolerieren. Wenn allerdings aus dem einen oder zwei Wölfen ein Rudel werde, hätten die noch mehr Hunger und der muss gestillt werden. Der Wolf war in Deutschland vor 150 Jahren ausgerottet worden. Seit im Jahr 2000 ein Paar aus Polen zuwanderte, hat er sich nach und nach wieder angesiedelt. Die Landwirte, auch aus Unter-Seibertenrod, fürchten um ihr Vieh. Das normale Einzäunen der Tiere reiche nicht, Wölfe können über 1,80 Meter hoch springen.

Bernd Weiß: »Was sollen die Bauern für Umzäunungen bauen? Ein Wolf nutzt die für ihn am leichtesten zugängliche Nahrung. Deshalb bevorzugt er, wenn möglich, weniger wehrhafte Beutetiere«.

Ist wildlebende Beute als Nahrungsgrundlage nur in geringer Dichte vorhanden, würden vor allem ungeschützte Nutztiere zur Hauptnahrung. Die Bauern sehen damit die Weidetierhaltung generello als gefährdet an.

Die Weidehaltung der Tiere dürfe nicht länger einer »falschen Romantik und der ungehemmten Verbreitung des Wolfes untergeordnet werden«, genauso wenig wie das Sicherheitsgefühl der Menschen im ländlichen Raum. Selbst wenn die Bauern aus Unter-Seibertenrod auf dem Feld arbeiten, komme der Wolf ungeniert vorbei, so Bernd Weiß.

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