Vogelsbergkreis

Mr. Spock und Hollywood

Um jüdische Filmproduzenten in Hollywood ging es bei einem Vortrag von Ralf Weidert in Kestrich. In der Alten Synagoge erinnerte er an den Einfluss jüdischer Schauspieler und Produzenten beim Aufbau der Traumfabrik Hollywood. Darunter waren deutsche Auswanderer, die mithalfen, das Kino zu einem blühenden Wirtschaftszweig zu machen. Dabei betonte der Kestricher, dass ein Schauspieler »zwar Präsident, aber kein Präsident Schauspieler werden kann« und er illustrierte das anhand Donald Trumps. Der Immobilienunternehmer hatte sich einen Stern auf dem legendären Walk of Fame gekauft. Kritiker der Aktion zerschlugen den Stern, der sonst bekannten Schauspielern und Medienschaffenden vorbehalten ist.
06. Dezember 2019, 21:57 Uhr
Joachim Legatis

Um jüdische Filmproduzenten in Hollywood ging es bei einem Vortrag von Ralf Weidert in Kestrich. In der Alten Synagoge erinnerte er an den Einfluss jüdischer Schauspieler und Produzenten beim Aufbau der Traumfabrik Hollywood. Darunter waren deutsche Auswanderer, die mithalfen, das Kino zu einem blühenden Wirtschaftszweig zu machen. Dabei betonte der Kestricher, dass ein Schauspieler »zwar Präsident, aber kein Präsident Schauspieler werden kann« und er illustrierte das anhand Donald Trumps. Der Immobilienunternehmer hatte sich einen Stern auf dem legendären Walk of Fame gekauft. Kritiker der Aktion zerschlugen den Stern, der sonst bekannten Schauspielern und Medienschaffenden vorbehalten ist.

Sechs große Filmstudios sind in den Jahren nach 1915 von jüdischen Kaufleuten geschaffen worden, die aus Deutschland oder Osteuropa zugewandert waren. So gründete Adolf Zukor 1912 die Paramount Pictures, er stammt aus Ungarn. Carl Laemmle aus Schwaben schuf Universal Pictures, das unter andere mit »Im Westen nichts Neues« Riesenerfolg hatte. Samuel Goldwyn wanderte aus Polen in die USA ein und gründete Goldwyn Pictures, das 1924 mit der Firma des gebürtigen Deutschen Louis B. Mayer und des Amerikaners Richard A. Rowland zu Metro-Goldwyn-Mayer verschmolz. Bekannt sind auch die Warner Brothers, die aus Polen stammen und die gleichnamige Firma gründeten. Im Vortrag nahm Weidert das Gerücht auseinander, Charlie Chaplin habe jüdische Wurzeln. »Das war eine Lüge der Nazis, an die viele Deutsche bis heute glauben«. Der britische Schauspieler ist 1919 in die USA gegangen und hat in Hollywood seine größten Erfolge erzielt, unter anderem mit der Hitlersatire »Der große Diktator«. Weidert wies auch darauf hin, dass Schauspieler Oliver Hardy bereits 1925 in der Serie »Dick und Doof« mit dem kleinen Schnauzbärtchen zu erleben war. Nach 1933 verschlug es übrigens die Regisseure Fritz Lang, Friedrich W. Murnau und Ernst Lubitsch auf der Flucht aus Deutschland nach Hollywood. Einen Schwerpunkt legte Weidert auf die Filmserie Star Trek oder »Raumschiff Enterprise«. So betonte er, dass die Crew an Bord des Raumschiffs ein antirassistisches Statement darstellen sollte. Weidert zeigte den Bezug des Vulkaniergrußes von Mr. Spock alias Leonard Nimoy zur jüdischen Tradition auf. Die zwischen Mittel- und Ringfinger gespreizten Hände »entsprechen den segnenden Händen der Priester im Tempel von Jerusalem«.

Dargestellt sind sie auch auf Grabsteinen im Vogelsberg, so in Schotten, die auf Verstorbene aus dem Geschlecht der Cohanim deuten. Das sind Nachfahren der Priester im Tempel von Jerusalem bis zu dessen Zerstörung im Jahre 70 unserer Zeitrechnung. Die Eltern Nimoys waren orthodoxe Einwanderer aus dem Gebiet der heutigen Ukraine.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/art74,651344

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