06. Dezember 2019, 21:52 Uhr

Ärzte

Langes Warten auf einen Termin beim Augenarzt

Hausärzte werden im Vogelsberg knapp. Doch auch bei Fachärzten gibt es einigen Bedarf. So berichtet ein Patient von der langwierigen Suche nach einer Augenarztpraxis, die ihn betreuen kann.
06. Dezember 2019, 21:52 Uhr
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Von Joachim Legatis
Eine Zeit lang wurde die frühere Augenarztpraxis in Alsfeld von Fulda aus als Medizinisches Versorgungszentrum betrieben. Seit dem 1. November ist sie nun geschlossen, wie ein Zettel an der Tür mitteilt. FOTOS: JOL

André Passinger ist sauer. »Ich habe in den vergangenen Wochen alle Augenarztpraxen in der Wetterau und im Vogelsberg angerufen, die sind alle voll«. Eigentlich braucht er alle drei Monate eine Untersuchung auf Grünen Star, aber er konnte hierfür keine akzeptablen Termine bekommen. »Die Praxen, die ich angerufen habe, haben alle Wartezeiten von einem halben Jahr und länger«, klagt der Laubacher. Er ist bislang immer zum Augenspezialisten in Schotten gegangen, aber seit dort die Praxis geschlossen wurde, steht er ohne eine Betreuung da. Das betreffe weitere hunderte Patienten, die bislang in der gut besuchten Praxis versorgt wurden.

Halbes Jahr Wartezeit

In Alsfeld ist es das dasselbe Spiel, dort ist die Augenarztpraxis seit dem 1. November geschlossen. Sie war seitdem als Medizinisches Versorgungzentrum betrieben worden. In der Ärzteübersicht der Kassenärztlichen Vereinigung tauchen dort noch immer die Namen der Ärzte Roman und Daniel Handzel auf. Es sind die selben Augenspezialisten, die laut Kassenärztlicher Vereinigung (KV) auch in Schotten und in Fulda arbeiten.

Jedenfalls sind die praktischen Erfahrungen Passingers schlecht. Er hat eine Woche lang versucht, über die zentrale Servicenummer der Kassenärztlichen Vereinigung einen Facharzt in der Region zu bekommen. Aber trotz langen Ausharrens in der Warteschleife kam er nicht durch, wie er sagt. Passinger beklagt besonders, »dass die Städte voll von Ärzten sind, aber da, wo viele Patienten leben, gibt es keine«. Die KV solle nicht so viele Mediziner in die Städte schicken, sondern eher in den ländlichen Raum. »Das muss doch machbar sein«.

Von Laubach aus könnte Passinger zwar auch nach Gießen fahren, aber dann findet er keinen Parkplatz bei der Gemeinschaftspraxis, berichtet er. Notfalls könnte er auch in das Universitätsklinikum gehen. Seine Erfahrung: »Dann muss man ungefähr acht bis neun Stunden warten, bis man drankommt. Das ist unmöglich«, sagt der Laubacher.

Es scheint aber keine Abhilfe für das Problem in Sicht zu sein. Bei der Kassenärztlichen Vereinigung heißt es auf Frage zwar, dass die augenärztliche Versorgung in und um Alsfeld »in der Tat im Moment sehr problematisch ist«. Die KV unternehme viel, um zeitnah für Abhilfe zu sorgen. Leider sei der Mangel aber nicht schnell und unproblematisch zu lösen. Pressesprecher Karl M. Roth verweist Patienten deshalb an die Terminservicestelle unter Telefon 069/400 500 00.

Der Vogelsbergkreis als Ganzes sei bei Ärzten rein statistisch sogar überversorgt, »so dass es keinen Handlungsbedarf gibt«, teilt Roth weiter mit. Dennoch versuche man die Lücken in der augenärztlichen Versorgung in Alsfeld so bald wie möglich zu verkleinern. Bis dahin bleiben den Patienten nur der Kontakt zur Terminservicestelle sowie weitere Wege in umliegende Orte. Eine Liste der Augenärzte der Region steht auf www.kvhessen.de. Ein Problem: Dort ist immer noch die Praxis in Alsfeld gelistet, wie ein aktueller Aufruf der Seite ergab. Die angegebene Telefonnummer führt dann zu einem Anrufbeantworter, der nur auf die geschlossene Praxis verweist. Guter Service sieht anders aus.

Abhilfe kann auch der Vogelsbergkreis nicht leisten, der bekanntlich seit Jahren auf der Suche nach Ärzten für die Region ist (die Allgemeine berichtete). Dr. Henrik Reygers, kommissarischer Leiter des Gesundheitsamtes, teilt auf Nachfrage mit, dass der Fachstelle ärztliche Versorgung das Ende der Augenarztpraxis in Alsfeld bekannt ist. Die Fachstelle könne aber nur unterstützend tätig sein, um einen Arzt zu finden.

Man stehe im Austausch mit der Kassenärztliche Vereinigung, »die letzten Endes den Sicherstellungsauftrag für die gesamte ambulante ärztliche Versorgung sowohl im hausärztlichen als auch im übrigen fachärztlichen Bereich hat«.



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