05. Dezember 2019, 08:15 Uhr

Landwirtschaft

Viele Schweinehalter werfen hin

Die Preise sind gestiegen, das verschafft Schweinehaltern aktuell etwas Luft, damit sie in die Zukunft investieren können. Dennoch bleiben viele Probleme.
05. Dezember 2019, 08:15 Uhr
Schweinemäster Heiko Rau in einem der Ställe, in denen insgesamt 3500 Schweine in Gruppen zusammengefasst sind. Archivfoto: rs

Im Moment stehen immer noch viele dicke Gewitterwolken über den Schweinehaltern, das wurde beim Hessischen Schweinetag in Alsfeld deutlich. Dennoch reißt nach einem Gewitter erfahrungsgemäß der Himmel wieder auf, sagte Sven Häuser über die Lage der Ferkelerzeuger und Mastschweinemäster. Die dunklen Wolken stehen für Schweinepest, unklare Vorgaben zum Thema Sauenhaltung im Kastenstand, zurückgehenden Fleischkonsum und die internationale Konkurrenz.

Immerhin, so der Spezialist der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) weiter, liege der Verkaufspreis aktuell bei zwei Euro pro Kilo Schweinefleisch. Das bietet Spielraum für Investitionen. Die Lage für die Landwirte in diesem Bereich ist also etwas kompliziert, wie in der Hessenhalledeutlich wurde. Das klang schon im Grußwort von Dr. Birgit Straubinger vom Landwirtschaftsministerium an. Die Afrikanische Schweinepest sei an der polnisch-deutschen Grenze aufgetaucht: »Tierseuchen sind ein großes Risiko«.

Ein großes Thema ist auch das Tierwohl, wobei noch keine Lösung für die Kastenstände in der Sauenhaltung gefunden wurde. Das sei eine unschöne Situation, so Straubinger. Ein Problem ist, dass zusätzliche Ausgaben für das Tierwohl von den Haltern über die Einnahmen ausgeglichen werden müssen.

Das tun sie durch Wachstum, wie Häuser aufzeigte. Die Zahl der Betriebe ist stark rückläufig, die verbleibenden halten aber immer mehr Tiere. So gab es im Jahre 200 noch 124 000 Schweinehalter, 2018 nur noch 23 000, die durchschnittlich 1175 Schweine im Stall haben. Wenn man nur die Zahl der Zuchtsauen zugrunde legt, waren es 2016 durchschnittlich 171 pro Betrieb, in Hessen sind die Bestände kleiner, hier kam man auf 54 Sauen. Größere Bestände bieten Chancen, die Kosten zu senken, wie Häuser sagt.

Inzwischen seien die Transponder sehr günstig geworden, die wichtige Informationen für jedes Tier speichern. Sie zeigen an, wie es dem einzelnen Tier und dem ganzen Bestand geht. Die Digitalisierung im Stall führe auch zu Verbesserungen bei den Betriebskosten, indem Lüftung und Fütterung aufeinander abgestimmt werden. Zudem könne der Betrieb mehr Transparenz bieten, was für das Image wichtig sei. Das Image hat Häuser auch im Blick, wenn es um die Vermarktung geht. Denn der Deutsche isst zwar allgemein etwas weniger Fleisch als noch vor einigen Jahren, aber beim Schweinefleischkonsum fällt der Rückgang deutlicher aus. Der Pro-Kopf-Verbrauch ging hier von 39,9 Kilogramm im Jahre 2007 auf 35,7 kg im Vorjahr zurück. Dafür wird mehr Geflügel verzehrt. Zudem sind deutsche Verbraucher sehr preissensibel, wie Häuser an den Verkaufsmengen eines Discounters aufzeigte. In Wochen mit Fleisch-Sonderaktionen ging der Verkauf deutlich nach oben, dann sackte er wieder ab. »So lange es Lockangebote beim Fleisch gibt, kommen wir aus dieser Spirale nicht heraus«. Hoffnung mache, dass die Zahl der Verbraucher, die vorwiegend regionale Produkte kaufen, etwas steigt.

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