20. November 2019, 07:30 Uhr

Tourismus MARKETINGAKTION

Naturtourismus im Vogelsbergkreis soll kräftig angekurbelt werden

Von einem hat der Vogelsberg viel: Natur. Das bietet Chancen für den Tourismus. Nun steigt der Wetteraukreis aus der gemeinsamen Vermarktung der Tourismusregion aus.
20. November 2019, 07:30 Uhr
Nicht nicht für Touristen ein schöner Anblick: Die alte Eisenbahnbrücke an der Sandmühle in Homberg. Foto: Andreas Purr

In die Vogelsberger Tourismusarbeit kommt Bewegung: In den letzten Monaten einigten sich Kreis und Kommunen auf eine Verschmelzung von Geopark, Naturpark und Region Vogelsberg Touristik zu einer gemeinsamen Gesellschaft. Dieser Tage steigen zwei Kommunen aus der Wetterau aus der gemeinsamen Vermarktung des Naturraums aus. Auf neuen Schwung hofft Dr. Jens Mischak, der als Vize-Landrat für Wirtschaft und den ländlichen Raum zuständig ist.

Mit Ranstadt und Echzell gehen zwei Wetterauer Kommunen von Bord, der Wetteraukreis hat sich schon abgesetzt - was ist noch »Region« an der Region Vogelsberg Touristik?

Dr. Jens Mischak : Die zukünftige Ausrichtung der Region Vogelsberg Touristik ist das Besinnen auf die eigenen Stärken im Vogelsbergkreis. Das ist verbunden mit der Zustimmung der vier Kommunen aus dem Landkreis Gießen, die sich weiter zu der gemeinsamen Gesellschaft und der touristischen Ausrichtung mit dem Alleinstellungsmerkmal »Vulkan Vogelsberg« bekennen. Die gemeinsame Klammer, im größten Vulkangebiet Mitteleuropas zu leben, lässt den Regionsgedanken nicht sterben. Da geht es um eine Ausrichtung auf den aktiven Naturtourismus mit den Schwerpunkten Radfahren und Wandern, Kleinstädtetourismus mit unseren historischen Fachwerkstädten sowie die Ausrichtung auf die erfolgversprechendste Zielgruppe, »die bewussten Genießer«. Hierzu sind auch unsere Regionalentwicklungsthemen wie Vogelsberger Entdeckungen und das Bundesprojekt »Die 100 Besten« passgenau abgestimmt. Naturräumlich bleibt es eine Region.

Erwarten sie eine Konkurrenz mit dem Wetteraukreis um Besucher aus Frankfurt?

Mischak: Aus meiner Sicht nicht. Der Frankfurter Zielmarkt ist groß genug, dass alle Regionen rund um das Rhein-Main-Gebiet von diesem »Kuchen« abhaben können. Und den Mittelgebirgscharakter mit einer dichten touristischen Infrastruktur kann der Wetteraukreis nicht bieten. Außerdem fragt ein Tourist nicht nach Kreis- und Kommunalgrenzen, Vulkan-Radweg und Nidda-Route werden weiter bestehen und beide Landkreise berücksichtigen. Und wo sich eine fachliche und inhaltliche Zusammenarbeit mit der Wetterau anbietet, wird man sich nicht verschließen, wenn die Konditionen stimmen. Im Übrigen gilt auch hier: »Konkurrenz belebt das Geschäft.«

Es heiß immer, heute werden Destinationen vermarktet, die nicht an den Kreisgrenzen enden. Hat sich das Konzept geändert?

Mischak: Auch hier ein Nein. Das Land Hessen hält in seinem tourismuspolitischen Handlungsrahmen weiter an dem Destinationsbegriff und größeren Einheiten fest. Wie bereits an der vorherigen Frage erörtert, denkt der Tourist und Erholungssuchende nicht in Kreisgrenzen, das Reiseziel ist auch nicht der Landkreis, sondern die Erwartungshaltung, seine Urlaubsbedürfnisse befriedigt zu bekommen. Ich zitiere mal aus dem Markenhandbuch für die Vulkanregion Vogelsberg: Die Naturbühne bietet Individualreisenden alles, was sie für eine inspirierte Auszeit im Einklang der Natur suchen. Das hört sich auf den ersten Blick etwas idealtypisch an, im Kern bildet es aber die Natursehnsucht ab als derzeitigen Trend im Tourismus. Stichworte wäre Bergmähwiesen, reine Luft, Wasserreichtum, Geopark, Ursprünglichkeit, regionale Produkte

Ist die Tourismus-Arbeit denn finanziell tragbar auch ohne den Wetteraukreis?

Mischak: Ich sage Ja. Der Wetteraukreis hat sich bereits seit etwa fünf Jahren aus der Finanzierung der Gesellschaft herausgezogen, sein Gesellschafterstatus war davon unberührt. Die verbleibenden Gesellschafter - und hier spielt der Vogelsbergkreis als größter die Vorreiterrolle - haben sich zu einer Ausweitung ihres finanziellen Engagements mit neuen Verträgen bereiterklärt. Sicher wäre es notwendig, weitere Kommunen, durchaus auch außerhalb der Kreisgrenzen, ich denke z. B. an Amöneburg, ins Boot zu holen. Über den Geopark und die Stadt Homberg gibt es schon gute Ansätze. Hier müssen wir mit guter Arbeit überzeugen, die Reihen unter einem Dach schließen und auch mit Selbstbewusstsein agieren. Auch die Leistungsanbieter - sprich die Gastronomen - müssen über ein stärkeres Engagement in der Gesellschaft nachdenken.

Wie soll es in der Tourismus-Arbeit weitergehen?

Mischak: Das Schlechtreden muss ein für alle Mal ein Ende haben. Hier ist aber nicht nur der Kreis gefordert, sondern die Kommunen, die sich mit ihren ureigenen touristischen Themen wie Fachwerkstädte, Bäderkultur oder anderem in Arbeitsgemeinschaften zusammenfinden müssen. Nur dann gelingt auch die Botschaft nach außen, dass der Vogelsberg ein lohnenswertes Reiseziel ist.

Mit einer neuen Aktion will der Kreis den Tourismus ankurbeln. Unter dem Motto »Die Besten« wurden 120 Produkte von 50 Anbietern ausgewählt, die »typisch Vogelsberg« sind. Die prämierten Produkte dürfen künftig mit einem Vogelsberg-Logo versehen werden. Die Palette reicht von Rindersalami, Lammbratwurst und Bergwiesenkäse über den Likör bis zu Seife und Einkaufstaschen. pm

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