Vogelsbergkreis

Weitere Haushalte wenden sich gegen Internetanbieter

Nachdem sich Ulrichstein und drei Homberger Stadtteile ablehnend geäußert haben, weht der Firma GoeTel auch aus Bernsfeld ein eisiger Wind entgegen.
18. November 2019, 12:40 Uhr
Joachim Legatis
Weil eine Firma etliche Kabelverzweiger (Foto) im Vogelsberger Gebiet für den Ausbau reserviert hat, wird die Telekom dort momentan nicht aktiv. Mittlerweile gibt es mehrere Protestinitiativen, die betreffende Firma hält sich bedeckt. 	(Foto: Archiv)
Weil eine Firma etliche Kabelverzweiger (Foto) im Vogelsberger Gebiet für den Ausbau reserviert hat, wird die Telekom dort momentan nicht aktiv. Mittlerweile gibt es mehrere Protestinitiativen, die betreffende Firma hält sich bedeckt. (Foto: Archiv)

Über 90 Prozent der Bernsfelder fordern einen Breitbandanschluss durch die Telekom. Das steht nach einem Treffen der Interessengemeinschaft »Schnelles Internet Bernsfeld« mit Bürgermeister Andreas Sommer und Oliver Reitz von OR Network/GoeTel fest. Dabei überreichte der IG-Sprecher Peter Wiederhold eine Liste mit insgesamt 158 Unterschriften.

Das ist eine über 90-prozentige Unterstützung aus einem Ort mit 172 Haushalten, sagte Wiederhold bei dem Treffen. Wie bereits in den Homberger Ortschaften Appenrod, Dannenrod und Erbenhausen und in Ulrichstein weht dem Telekommunikationsanbieter GoeTel ein Wind der Ablehnung entgegen. Denn in dem Schreiben sprechen sich die Dorfbewohner für einen Breitbandanschluss durch die Telekom aus, obwohl bis zum Jahresende OR Network/GoeTel den Zugriff auf das Verteilzentrum im Ort haben.

Der private Anbieter hat den Kabelverzweiger (Kvz) in Bernsfeld bei der Bundesnetzagentur reserviert. Das heißt, es hat den Zugriff auf den Knotenpunkt, an dem ein Glasfaserkabel aus dem weltweiten Breitbandnetz in dem Ort enden kann. Vom Verzweiger aus werden die einzelnen Haushalte angeschlossen. Solange der Verzweiger von GoeTel reserviert ist, darf kein anderer Anbieter dort Kabel verlegen. Die Resolution der IG beinhaltet auch, so Wiederhold, dass die Bernsfelder nicht über eine Funklösung von OR Network/GoeTel angeschlossen werden wollen wie vorgeschlagen wurde.

Hauptkritik ist, dass die angeschlossenen Dorfbewohner nach einem Anschluss über Jahre hinweg an einen Anbieter gebunden sind. Befürchtet werden nicht absehbare Preiserhöhungen.

Erbost zeigte sich Wiederhold darüber, dass die Firma für den Herbst eine Informationsveranstaltung über die Anschlüsse angekündigt hat, die bisher nicht stattgefunden hat. »Uns wurde versprochen, dass die Anschlüsse noch in diesem Jahr angeboten werden, nichts ist geschehen.« Ein Problem sei wohl, dass die Reiskirchener Firma OR Network erst in diesem Jahr von GoeTel aus Göttingen übernommen wurde. Im Gespräch mit Sommer, Beigeordnetem Prof. Brunn und Wiederhold erläuterte Reitz, dass es eine neue Geschäftsführung gebe. Diese sei Ansprechpartnerin, so die Mitteilung von Reitz.

Bürgermeister Sommer bestätigte das Treffen, da sei von Tatendrang »nichts zu spüren« gewesen. Oliver Reitz habe ihm zugesichert, die Kontaktdaten der GoeTel-Geschäftsführung zu übermitteln, das sei aber noch nicht geschehen. Die Firma GoeTel ließ vor einigen Wochen auf Nachfrage dieser Zeitung verlauten, man plane »zur Zeit den FTTH-Ausbau des gesamten Vogelsbergkreises«. Genauere Angaben, wie die Ankündigung gemeint ist, gab es nicht.

Sommer hat bei der kreiseigenen Breitband-Gesellschaft Bigo nachgefragt und dort hieß es, wenn der Kabelverzweiger frei sei, stehe die Telekom bereit, den Ort ans schnelle Datennetz anzuschließen. In Ober-Ohmen sei die Lage ähnlich, auch dort könne die Telekom dann für die Bigo Leitungen legen. Unklar ist die Lage in Höckersdorf, dessen KVz ebenfalls reserviert ist, erläutert Sommer. Dort gibt es im Unterschied zu Bernsfeld und Ober-Ohmen aber keine Firmen, die über die Bigo versorgt werden.

Lage in Höckersdorf unklar

Immerhin ist beim bisherigen Engpass im Netzzugang in Bernsfeld eine Besserung eingetreten. Wiederhold berichtet, dass seit rund zwei Wochen 4G-Mobilfunk im Mücker Ortsteil verfügbar ist. Das bedeutet Übertragungsraten von bis zu 60 MB, was für die meisten Anforderungen im privaten Bereich ausreicht.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/art74,645428

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