13. November 2019, 21:32 Uhr

Sinatra und Krieg der Sterne

13. November 2019, 21:32 Uhr
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Aus der Redaktion
Nicht nur musikalisch, sondern auch mit Action überzeugen die Musiker des Maulbacher Posaunenchores. (Foto: pm)

Homberg (pm). Eine heimliche Nationalhymne, einen Gewinnertitel des Grand Prix d’Eurovision de la Chanson von 1967 und Filmmusik - das Spektrum des Bläserkonzerts in der Kirche von Appenrod war breit angelegt. Viele Musikliebhaber wollten den Posaunenchor Maulbach erleben, und so kamen die Gäste schon zeitig, um die besten Plätze zu belegen. Kurz vor Beginn des Konzertes schien die Kirche aus allen »Nähten« zu platzen, kein einziger Platz in den Bankreihen und auch darüber hinaus auf den ergänzten Stühlen war mehr zu bekommen, sogar die Orgeltreppe wurde mit belegt. Das Gotteshaus war gut gefüllt, und die mittlerweile über 250 Gäste warteten gespannt darauf, was geboten werden sollte.

Das Motto dieses Abends war unter den Titel »Von Freund zu Freund« gestellt und wirkte ansteckend für alle Anwesenden, die die Spielfreudigkeit und gute Laune der Musiker des Posaunenchores Maulbach unter der musikalischen Leitung von Frank Dörr und seinem jungen Co-Leiter Lorenz Schmidt miterleben durften. Das etwa zweistündige Programm verhieß musikalische Abwechslung pur samt Ansagen und charmanter Vorstellung des gesamten Chores in den einzelnen Stimmen.

Erinnerung an Sandie Shaw

Als Eröffnungsstück erschallte der 1977 von John Williams komponierte und dirigierte Soundtrack zum Film »Star Wars«. Hell, euphorisch, pompös und dramatisch - sorgte dies gleich zu Beginn für riesige Begeisterung und legte die Latte des zu Erwartenden hoch.

Danach setzte man mit einem Arrangement des bei Bläserensembles sehr beliebten Posaunisten Richard Roblee auf zunächst weichere und leisere Töne mit dem Schottischen Volkslied »The Water ist Wide« aus dem 17. Jahrhundert. Dabei wirkten auch alle Jungbläser mit, die sich seit zwei Jahren bei Frank Dörr in Ausbildung befinden.

Schwungvoll nahm man danach wieder Fahrt auf mit dem »Kleinen Marsch für Tuba und Posaunenchor« von Traugott Fünfgeld und im Anschluss daran mit dem Siegertitel des Grand Prix d’Eurovision de la Chanson (heute: Eurovision Song Contest) aus 1967 von Sandie Shaw. Der Titel »Puppet on a String« ist ein Ohrwurm, der alsbald zum Mitklatschen anregte und spätestens ab diesem Moment niemanden mehr still auf seinem Sitzplatz hielt.

Daran anschließend gelang es mit dem ruhigen »My Way«, das Frank Sinatra 1968 mit seiner einzigartigen, charismatischen und charakteristischen Stimme zu Weltruhm führte, das Publikum wieder zu erden, nicht zuletzt, um zwei bekannten lyrischen Stücken des Gesangsduos Simon und Garfunkel aus den 1960er/70er Jahren atmosphärischen Boden zu geben - »Bridge Over Troubled Water« und »The Sound of Silence«. Lorenz Schmidt übernahm in dieser 2017 erneut aufgeflammten, bemerkenswert-polarisierenden Soft-Rock-Version der US-amerikanischen Metal-Band »Disturbed« die Leitung des Chores. Bereits in dieser ersten Hälfte des Konzertes bereichert Kai Schlosser die musikalische Bandbreite mit einem zusätzlichen Solo an der Orgel. Mit »Prière à Notre-Dame« als dritten Satz der Suite Gothique (opus 25) bot er eine traumhafte Musik von 1895 aus der Feder von Léon Boellmann.

Ein weiteres Orgelsolo, das etwa der gleichen Zeit entspringt, folgte im zweiten Konzertteil mit Finlandia - sie galt geradezu als geheime Nationalhymne und wurde von Jean Sibelius als ursprünglich sinfonische Dichtung über das nationale Erwachen Finnlands komponiert.

Abschluss mit John Miles

Und auch die Gäste selbst durften in beiden Konzertteilen mit Gemeindeliedern ihrer Stimme Raum geben… mit »Tut mir auf die schöne Pforte« bald zu Beginn im ersten Konzertteil und »Führe mich auf rechter Straße« nach der beschwingenden Melodie von »Herz zu Herz vereint zusammen«, in der Jesus als »holder Freund« gerühmt wird. Auch dabei schwang das Konzertmotto »Von Freund zu Freund« mit. Die Pause nutze man gerne, um seine Überraschung über die doch so gelungene Liedauswahl des Konzertes kund zu tun. Überall erfuhr man, dass man erfreut sei, ein solches Konzert in der Homberger Kirche erleben zu dürfen, die akustisch zwar eine Herausforderung ist, die aber auch großes Potenzial bietet.

Gleich zu Beginn des zweiten Konzertteiles bot Lorenz Schmidt mit akzentuierten Einsatzgaben bei den Musikern ein weiteres Highlight. Ein wenig Soul, ein wenig Blues - so kommt »Happy« von Pharrell Williams in rhythmisch ungewohnter Spannung daher. Meisterhaft umgesetzt und mit spritzigem Powersound dargeboten. »Halleluja Drive« von Chris Hazell folgte »be-swingt«. Als lebhafte und beschwingte Polka ließen die beiden nächsten Stücke die Gäste wieder spontan mitklatschen. »Auf der Vogelwiese« schien beinahe dem folgenden Konzert-Titel-gebenden Stück »Von Freund zu Freund« von Martin Scharnagl den Rang abzulaufen. Nicht nur die Musiker waren dabei gut drauf, auch das Publikum war in heller Begeisterung.

Und letzten Endes kann man sich eigentlich gar nicht schöner vor der Musik verneigen, als John Miles es bereits 1976 getan hat - mit seinem großen Song »Music« (was my first love). Als Rockklassiker bot »Music« gerade durch seine Länge, seine Vielfältigkeit und seinen satten Sound den fulminanten Konzertabschluss, wobei das begeisterte Publikum, das Zugaben einforderte, nur noch durch den Sandmann »Mr. Sandman« und den »Bayrischen Abendsegen« beschwichtigt werden konnte.



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