12. November 2019, 22:01 Uhr

»Größter und schönster Einsatz«

12. November 2019, 22:01 Uhr
Manfred Hasemann gibt Frau Haseloff in Dankmarshausen eine Urkunde zurück, die er vor 30 Jahren in der damaligen DDR erhalten hatte.

30 Jahre nach dem Mauerfall erinnert sich Manfred Hasemann, ehemaliger Kreisgeschäftsführer des DRK-Kreisbandes Alsfeld, an den größten Einsatz in der Geschichte des DRK-Kreisverbandes Alsfeld und an eine besondere Begebenheit. »Es war der größte, umfangreichste, längste und wohl schönste Einsatz in der Geschichte unseres Kreisverbandes, die DDR-Übersiedleraktion zwischen 1989 und 1990 in Alsfeld.« Es begann am 6. Oktober 1989 am Bahnsteig 3 am Alsfelder Bahnhof, dort war zunächst Endstation auf dem Weg in die Freiheit. 650 DDR-Flüchtlinge kamen aus der Botschaft in Prag in Alsfeld an.

Der damalige Ministerpräsident Walter Wallmann, Sozialminister Karl-Heinz Tragesser, Landrat Hans-Ulrich Lipphardt und der Kommandeur des Bundesgrenzschutzes, Hans Finke, begrüßten die Flüchtlinge, die dann alle beim Bundesgrenzschutz in Alsfeld untergebracht und von den Helferinnen und Helfern des DRK-Kreisverbands Alsfeld betreut wurden.

200 000 DM Spenden gesammelt

In den nun folgenden zwei Monaten betreuten etwa 500 Helfer des DRK weit über 5000 DDR-Übersiedler im Bundesgrenzschutz. Dieser Betreuungseinsatz bestand in erster Linie in den Bereichen der Unterkunftsbetreuung, der Kindergartenbetreuung, der Friedlandhilfe, des Kreisauskunftsbüros und der Kleiderspendenausgabe.

An einer großen Autobahnbetreuungsstelle an der BAB-Ausfahrt Alsfeld Ost wurden alleine im November 1989 über 7000 ehemalige Bürger der DDR mit warmen Mahlzeiten und Getränken versorgt.

Eine Zimmerbörse des DRK-Kreisverbandes Alsfeld vermittelte hunderten von DDR-Besuchern kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten. In der Werkstatt wurden mehrere liegengebliebene DDR-Fahrzeuge repariert.

Eine Möbelbörse vermittelte zahlreichen DDR-Bürgern aus der Bevölkerung gespendete Einrichtungsgegenstände. Ein Spendenaufruf des DRK-Kreisverbandes Alsfeld an ergab ein Spendenvolumen von 200 000 DM.

Am 18. November 1989 befanden sich Manfred Hasemann und Sanitätshelfer Jörg Borgerding auf einer Dienstveranstaltung in Widdershausen an der innerdeutschen Grenze. Plötzlich ereilte sie die Nachricht, der Grenzzaun nach Dankmarshausen sei offen und man könne einfach so über die Grenze. Ohne lang zu überlegen, begaben sich Manfred Hasemann und Jörg Borgerding an das Schlupfloch im Zaun. Ohne Personalausweis, nur mit dem Dienstausweis des DRK, ließ man die Alsfelder Rotkreuzler passieren. Sie erreichten Dankmarshausen und kehrten in der Gastwirtschaft Rudloff in der Bahnhofsstraße ein.

Besonderer Willkommensgruß

Dort wurden sie frenetisch von den Dankmarshäusern begrüßt und man hatte sich viel zu erzählen. Sozusagen als »Willkommensgruß« und als Erinnerung an den spontanen Grenzübertritt erhielten sie eine in der Gastwirtschaft aufgehängte Urkunde mit dem Inhalt »Für hervorragende Leistungen anlässlich des 60. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution wird der Straßengemeinschaft in der Bahnhofstraße in Dankmarshausen Dank und Anerkennung ausgesprochen«.

30 Jahre nun hing diese Urkunde im Büro von Hasemann und am vergangenen Samstag besuchte er dieselbe Gaststätte in der Bahnhofsstraße in Dankmarshausen und brachte die Urkunde wieder an ihren Bestimmungsort zurück.

Die damalige Wirtin, Frau Rudloff, war sichtlich überrascht über den Besuch von Hasemann und freute sich über die Rückgabe der Urkunde, die nun wieder in der Gastwirtschaft an der Wand hängt. Frau Rudloff erzählte noch von damals und teilte mit, dass ihr Mann schon vor Jahren verstorben ist. Sie dankte Hasemann für seinen Besuch und die Rückgabe der Urkunde und sagte: »Das hätte meinem verstorbenen Mann auch sehr gefallen.«

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