31. Oktober 2019, 21:40 Uhr

Weiter Trinkwasser für Bäume

31. Oktober 2019, 21:40 Uhr
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Aus der Redaktion
Ein Straßenbaum wird mit einem Eimer voll Wasser gegossen. (Foto: Bernd Settnik/ZB/dpa)

Vogelsbergkreis (pm). Völlig unbeeindruckt vom aktuellen Waldsterben und von der Wassernot in den Fernwassergewinnungsgebieten Hessisches Ried, Vogelsberg und Burgwald bewässere die Stadt Frankfurt auch im Oktober ihre Stadtbäume weiter mit bestem Trinkwasser aus diesen Regionen, kritisiert die Schutzgemeinschaft Vogelsberg. Der Leiter des Frankfurter Grünflächenamtes, Stephan Heldmann, teile mit, dass die regelmäßige Bewässerung den Bäumen jetzt schon Starthilfe geben soll, damit sie ihre Speicher auffüllen können und dann im Frühling genug Kraft für den Austrieb haben. Damit beweise er, dass sein Amt und das Umweltdezernat aus den trockenen Sommern 2018 und 2019 und den jahrelangen Auseinandersetzungen um den Fernwasserimport »rein gar nichts gelernt haben - und auch gar nichts lernen wollen«. Geradezu zynisch mute es an, wenn er sagt: »Das ist keine Verschwendung von Steuergeldern oder Trinkwasser, sondern eine Investition, die die Bäume auf das kommende Frühjahr und den nächsten Sommer vorbereitet.«

Mit dieser Wasserverschwendung trotz Klimawandel gehe die Stadt Frankfurt nicht nur mit sehr schlechtem Beispiel ihren Bürgern gegenüber voran. »Wurde nicht landesweit zum Wassersparen aufgerufen?«, fragt die Schutzgemeinschaft. Die Stadt Frankfurt schlage vielmehr einen Konfrontationskurs gegenüber dem Umland ein, »aus dem die Versorgungsgesellschaften bestes Grundwasser nach Frankfurt pumpen«.

Offensichtlich sei es ihr gleichgültig, »dass es nicht nur in Frankfurt eine Notwendigkeit zur Klimaanpassung gibt«. Tatsachen wie das Ausbleiben von Nassjahren seit 2003 oder die Häufung der Trockenjahre in den vergangenen 15 Jahren scheinen nicht zu interessieren. Auch dass sich die Grundwasserspeicher, aus denen Frankfurter Verbraucher versorgt werden, nicht mehr ordentlich auffüllen können, weil unter anderem künftig mangels Schnee die unverzichtbare Grundwasserneubildung geringer werden wird, werde geflissentlich missachtet. »Hauptsache, die Frankfurter Bäume bekommen genug Wasser - wobei für sie der Oktoberregen oder das Mainwasser wohl nicht gut genug sind.« Willentlich werde lieber dem Naturraum Wasser entzogen. Dabei seien die Frankfurter Bewässerungsprobleme hausgemacht. Eine verdichtete Bebauung, die immer weiter fortschreite, und die Versiegelung durch Verkehrswege bis auf die letzten Meter lassen keinen Platz mehr für ausreichend große Baumscheiben und Wurzelräume, die den Bäumen genügend Wasser, Luft und Nährstoffe zukommen lassen. Ein etliche Jahre zu spät in Angriff genommenes und »völlig überteuertes Begrünungsprogramm für ein besseres Stadtklima« habe komplett übersehen, dass hierfür durch die Pflanzen Unmengen an Wasser verdunstet werden müsste. Anders sei es kaum zu erklären, dass Frankfurt trotz aller »scheinheiligen, gegenteiligen Beteuerungen bis heute nicht in der Lage ist, sein Stadtgrün konsequent mit Brauchwasser zu bewässern«. Natürlich dränge sich auch der Verdacht auf, dass wirtschaftliches Kalkül dahintersteckt. »Es ist billiger, Wasser aus dem Vogelsberg und dem hessischen Ried und sogar dem 120 Kilometer entfernten Burgwald zu importieren, als ein Brauchwassersystem zur Grünpflege aufzubauen«. Zeit, dies technisch und organisatorisch zu realisieren, hätte Frankfurt genug gehabt. So viel Ignoranz einer kurzsichtigen und abgehobenen Stadtpolitik dem ländlichen Raum gegenüber mache fassungslos. Dass Trinkwasser für Frankfurter Bäume wichtiger sein solle als die Wasserverfügbarkeit für die Natur im Vogelsberg, widerspreche nicht nur dem gesunden Menschenverstand, sondern auch gesetzlichen Bestimmungen. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Schutzgemeinschaft Vogelsberg, Naturfreunde Hessen und die Aktionsgemeinschaft »Rettet den Burgwald« protestieren auf das Schärfste gegen die anhaltende »Untätigkeit der Frankfurter Politik« und fordern eine sofortige Einstellung der Verschwendung von Trinkwasser.

Notfalls klagen

Sie fordern die Stadt auf, umgehend für das Stadtgrün Betriebswassersysteme in Betrieb zu nehmen. Sollte sie das weiter verweigern, müssten Gerichte entscheiden. Wer Stadtgrün haben will, solle es aus eigenen Gewässern, Zisternen und Brunnen mit Wasser versorgen. Schließlich stehe dem Ballungsraum mehr als genug Wasser zur Verfügung. Den halbherzigen Versprechungen, die Stadt werde etwas dafür unternehmen, werde spätestens jetzt keinerlei Glauben mehr geschenkt. Es liege in der Verantwortung der Stadtpolitik, und nicht in der ihrer Bürger oder gar der des ländlichen Raums, die Frankfurter Bäume zu versorgen, ohne dem Naturraum Wasser abzugraben.



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