24. Oktober 2019, 21:53 Uhr

Neue Arbeit stellt Insolvenzantrag

24. Oktober 2019, 21:53 Uhr
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Aus der Redaktion
In der Altenburger Straße 40 ist die Neue Arbeit Vogelsberg zusammen mit anderen Einrichtungen des evangelischen Dekanates untergebracht. (Foto: Archiv)

Alsfeld (pm). Die Neue Arbeit Vogelsberg hat am gestrigen Donnerstag einen Insolvenzantrag beim zuständigen Insolvenzgericht Gießen gestellt. Dies teilen der Vogelsbergkreis und das evangelische Dekanat als Hauptgesellschafter in einer gemeinsamen Presseerklärung mit. »Eine schwierige wirtschaftliche Entwicklung der Gesellschaft hat sich schon seit Jahren abgezeichnet«, kommentiert Landrat Manfred Görig. »Auch der Vogelsbergkreis hat unterstützend eingreifen müssen, doch jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir keine zusätzlichen Hilfen mehr leisten dürfen.«

Der Kreis hatte von 2016 bis 2018 insgesamt 200 000 Euro zusätzliche Finanzhilfe zur Verfügung gestellt mit der Maßgabe, eine Neuaufstellung der Gesellschaft und eine Verbesserung der Ertragslage zu erreichen. »Es hat viele positive Veränderungen in der Neuen Arbeit gegeben, in der Summe war das jedoch nicht ausreichend«, betont Landrat Manfred Görig.

Er spricht von einer »bedauerlichen Entwicklung«. Die Gesellschaft habe in den letzten Jahren durchweg negative Zahlen geschrieben, trotz Finanzhilfen der Gesellschafter. »In diesem Zusammenhang möchte ich der Kirche meinen Dank aussprechen für die Bereitschaft zu erheblichen Finanzhilfen«, so der Landrat.

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) hatte sich in den vergangenen Jahren mit rund 1,9 Millionen Euro in der Qualifizierungsgesellschaft engagiert.

Zum Hintergrund führte Manfred Görig aus: »Arbeitsmarktmaßnahmen müssen heute alle öffentlich ausgeschrieben werden, die Neue Arbeit Vogelsberg hatte hier mit starker Konkurrenz zu kämpfen und oft das Nachsehen, konnte die Ausschreibungen nicht für sich entscheiden.« Auch sei das Umfeld ein anderes geworden, die Arbeitslosenquote im Vogelsbergkreis liege aktuell bei 3,4 Prozent, das heißt, es seien viel weniger Menschen arbeitslos als noch vor wenigen Jahren. Letztlich gebe es dadurch auch weniger Maßnahmen mit weniger Teilnehmern.

»Die Neue Arbeit Vogelsberg«, so bilanzierte Landrat Görig, »hat in der Vergangenheit gute Dienste geleistet, allerdings hat sich das Konzept ein Stück weit überlebt, die Situation ist eine völlig andere geworden«.

Abschließend kündigt der Landrat an: »Wir werden das Gespräch mit der Insolvenzverwalterin suchen.«

Die Nachricht von der Insolvenz ist im Dekanat mit Besorgnis aufgenommen worden, insbesondere mit Blick auf die Beschäftigten vor Ort, die von der guten Beschäftigungslage im Vogelsberg nicht profitieren. »Wir hoffen natürlich, dass die Insolvenz der Gesellschaft die Möglichkeit gibt, ihre Strukturen zu ordnen und in einer den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen angepassten Form weiterzumachen«, meinte Sylvia Bräuning, ehrenamtliche Vorsitzende der Dekanatssynode, Abgeordnete des Dekanats in der Gesellschaftersammlung und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende.

Zu dem nun angelaufenen Insolvenzverfahren wolle man sich vonseiten ihres Hauses derzeit nicht äußern, sondern das Ergebnis abwarten, sagt Dekanin Dr. Dorette Seibert, die jedoch auch ihrer Hoffnung Ausdruck verleiht, für möglichst viele der beschäftigten Menschen eine gute Lösung zu finden. »Die vom Gericht bestellte Insolvenzverwalterin wird nun prüfen, wie es um die wirtschaftliche Lage und die Zukunftsperspektiven der Neuen Arbeit Vogelsberg bestellt ist - bis zum Jahresende wissen wir sicherlich alle mehr.«



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