27. September 2019, 08:00 Uhr

Autobahn

»Ab dem Frühjahr wird gebaut«

Fragen zum Autobahnbau prägten die Aussprache in der Bürgerversammlung. Die großen Projekte, darunter auch das neue Industriegebiet, lockten viele Homberger.
27. September 2019, 08:00 Uhr
Das geplante Ohmtaldreieck bei Gemünden. Hier wird die A 49 auf die A 5 münden, ein Engpass ist vorprogrammiert. Deshalb sieht der Bundesverkehrswegeplan zwischen Ohmtaldreieck und Reiskirchener Dreieck eine Erweiterung der A5 auf sechs Fahrstreifen vor. Das Projekt ist »in den vordringlichen Bedarf« eingestuft. Die Kapazität der vierspurigen A 5 sei schon heute überschritten. (Foto: Deges)

Mit einem solchen Andrang habe man nicht gerechnet, äußerte Stadtverordnetenvorsteher Kai Widauer freudiges Erstaunen. Bernhard Blümel (Deges) stellte Eckpunkte des Autobahnbaus vor: Im Dannenröder Forst wird ab Oktober gefällt, wogegen am Samstag wieder ab Lehrbach demonstriert wird. Es gibt Baurecht und die Deges vollzieht, so Blümel: »Auch wenn es nicht schön ist, wenn 85 Hektar gesunder Wald abgeholzt werden«. Zunächst wird nur gefällt, das Entfernen der Wurzelstöcke besorgt später der ÖPP-Partner, die Firma, die die Autobahn baut und betreibt. Der Zuschlag an eines der drei Konsortien, die sich beworben haben, stehe »kurz bevor«. Mit Baubeginn wird im Frühjahr/Frühsommer gerechnet, mit Fertigstelllung und Inbetriebnahme 2024. Landschaftsarchitekt Claus Rosenstein wies darauf hin, »dass sehr viele Ausgleichsmaßnahmen vorgenommen werden«, wenn auch nur zum Teil in Homberg.

Bürgermeisterin Clauda Blum verwies auf die Bemühungen der Stadt, dass die Landesstraße 3343 so schnell wie möglich verlegt wird, um die Erschließung des Industrie- und Gewerbegebietes Am Roten Berg zu sichern. Alexander Nehm (Firma Logivest) berichtete über die Studie zur Vermarktung des neuen Gebietes, die er im April bereits den Stadtverordneten vorgestellt hatte. Danach sei es am wahrscheinlichsten, dass sich große Logistikfirmen für das Gebiet interessieren. Hier habe die Stadt Möglichkeiten, einzugreifen und zu überlegen, wen man haben möchte. In der Diskussion äußerten Hartmut Kraus und Wolfgang Seim Befürchtungen, dass gerade Logistiker Nachteile bringen, was Anzahl der Beschäftigten, Gewerbesteuer und Verkehrsbelastung angeht. Nehm sieht kaum Alternativen, zudem solle man sich von produzierenden Firmen nicht zu viel versprechen,meinte er im Blick auf die fortschreitende Automatisierung. Friedrich Plitzko plädierte darauf, »lieber kleinere Unternehmen anzusiedeln.«

Fragen zum Autobahnbau äußerte der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Ohmtal, Reinhard Forst: Der Bundesrechnungshof hatte die Wirtschaftlichkeitsanalyse zum ÖPP-Projekt beim Autobahnbau als fehlerhaft bewertet. Forst wollte wissen, ob es eine zweite Wirtschaftlichkeitsuntersuchung geben wird und wann. Bernhard Blümel sagte, man setze den Bau um, alles andere sei Sache der Politik. Die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung werde im Laufe der Arbeiten »fortgeschrieben.« Ob der Haushaltsausschuss des Bundestags dazu noch einmal tagt, wisse er nicht.

Fragen von örtlichen Grünen (Barbara Schlemmer, Christiane Helm) bezogen sich vor allem auf die Rodung im Dannenröder Forst und Ausgleichsmaßnahmen, die als sehr mangelhaft kritisiert werden. Claus Rosenstein merkte zum Diebachsgraben an, dass der Graben nicht Bestandteil der Ausgleichsmaßnahmen sei, sondern nur die Uferstreifen. Der Graben sei im Zuge des vorab vereinbarten Grundstückstauschgeschäftes »gesichert worden.« Zudem solle der Söhrnteich keinesfalls in ein Feuchtgebiet umgewandelt werden, dies betreffe vielmehr das Bekassinenloch bei Amöneburg.

Ursula Bernbeck (Kirtorf) verwies auf den Antrag des BUND auf Rücknahme des Planfeststellungsverfahrens. Der Antrag liegt in Wiesbaden beim Ministerium und werde demnächst entschieden. Für den Weiterbau habe er keine aufschiebende Wirkung, so Blümel. Weitere Fragen betrafen die Belastung für Nebenstraßen, die in Teilbereichen Hombergs zunimmt, sagte Jens Kutzke, an der 3072 seien deshalb passive Lärmschutzmaßnahmen geplant (in der Regel gibt es Geld für den Einbau von Schallschutzfenstern). Aktiver Schallschutz, etwa eine Lärmschutzwand am Homberger Ortseingang, sei nicht möglich. Was die Kritik an der Naturzerstörung angeht, sagte Blümel, die Trasse mit ihrem Sonderquerschnitt (Mittelstreifen wird schmaler als sonst) werde schon platzsparender als sonst üblich gebaut. Was den befürchteten Engpass am künftigen Ohmtaldreieck angeht, so stehe der sechsspurige Ausbau der A5 im Bundesverkehrswegeplan.

Auf die Frage, ob die Werte der Grundstücke mit der Autobahn eher steigen oder fallen, kam die Antwort, das komme auf die Lage an. Auf die Fragen nach möglichen Umleitungsstrecken bei Staus sagte Kutzke, die Autobahn sei so leistungsfähig konzipiert, »dass Staus nicht vorkommen, sie sind das Ausnahmeereignis.« Umleitungsstrecken seien noch nicht definiert. Manfred Handstein kritisierte, die Landstraße nach Dannenrod sei als Zubringer für ein Industriegebiet nicht geeignet.

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