21. September 2019, 12:00 Uhr

Klimaschutz

Hunderte schließen sich im Vogelsberg Klimabewegung an

Weltweit sind Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gegangen. Im Vogelsberg folgten in Alsfeld, Homberg und Lauterbach einige Hundert dem Aufruf der Fridays-For-Future-Initiative:
21. September 2019, 12:00 Uhr
Zwei Demonstrantinnen in Alsfeld haben ein Herz für den Planeten Erde (oben), unten Homberger Schüler beim Streik für besseren Klimaschutz. (Fotos: jol, nr)

In Homberg gab es erstmals eine Klima-Demo, ins Leben gerufen von der Schülervertretung der Ohmtalschule. Rund 100 Schüler zogen durch die Stadt und wurden am Rathaus von Interessierten und Unterstützern erwartet. »Wir sind viele, wir sind laut, weil Ihr uns die Zukunft klaut« skandierten sie und präsentierten ihre Forderungen auf teils sehr aufwändig gestalteten, teils improvisierten Plakaten.

»Wie schade, dass wir damals nicht schon für das Klima auf die Straße gegangen sind, als wir so alt waren wie ihr. Dann wären wir heute vielleicht weiter,« sagte Prof. Dr. Klaus-Peter Ebke vom Forschungszentrum Neu-Ulrichstein während der Kundgebung. Die Aussagen hinter den Klimaprotesten seien längst Stand der Wissenschaft: »Ihr habt nun die Macht, uns dazu zu bewegen, etwas zu ändern.«

Holger Schäddel vom evangelischen Dekanat folgte mit einer vom ihm so genannten Wutrede. Wut darüber, »dass auch in der Schule dauernd überall Müll herumliegt und nicht selten neben den Papierkörben statt darin«. Er bot den Schülern eine Wette an: Er will in den nächsten zwölf Monaten versuchen, so wenig Müll wie möglich zu produzieren. Im Gegenzug sollen die Schüler versuchen, ihre Mitschüler zu sensiblisieren, weniger Müll zu verursachen. Wenigstens waren Schüler mit Plastikeislöffeln am Freitag in der Hand deutlich in der Unterzahl...

Bürgermeisterin Claudia Blum stellte den jungen Demonstranten zahlreiche Fragen, etwa ob sie wissen, wo die Stadt sich einbringen kann, um den Klimaschutz voranzutreiben. Als positives Beispiel führte sie die Fotovoltaik-Anlage an der Kläranlage an. Die Frage, was die Stadt sonst noch tun kann, wurde vor allem mit Zwischenrufen beantwortet: »A 49 verhindern«, »Elektro-Dienstwagen benutzen« oder »den Bauhof abhalten, den Heckenschnitt zu verbrennen«.

Direkt von der Basis berichtete Revierförsterin Claudia Mävers: »Die Fichte stirbt und viele Bäume des Waldes werden von Insekten befallen, die sonst in viel wärmeren Klimazonen auftreten.« Es sei erschreckend, welche Veränderungen bereits zwei sehr warme Sommer bringen und es sei längst überfällig, Maßnahmen zu ergreifen. Daher sei sie »superfroh, dass die junge Generation dieses Thema auf die Straße trägt«.

Die Schülervertreter haben eine Basis für den Austausch zum Klimaschutz in der Stadt geschaffen und vor allen Dingen eines bewirkt: die Menschen reden über das Thema und gehen nächstes Mal vielleicht zu Fuß zum Bäcker zum Brötchen holen...

Mehr als 150 Jugendliche und einige Ältere forderten in Alsfeld mehr Einsatz für den Schutz des Weltklimas. »Macht Liebe, keine Autos« oder »Landwirte für Zukunft« stand auf Transparenten.

Am Schwälmer Brunnen wechselten sich Reden und Sprechchöre ab. Die Kundgebung war alles andere als professionell organisiert. Mit einem kleinen Megafon versuchten sich die Redner verständlich zu machen, was vor dem Rauschen des Brunnens schwierig war. Aber die Stimmung war gut. Yvonne Jordan kam mit ihren Kindern und forderte in ihrer Rede ein Umdenken.

Der Umweltaktivist Jörg Bergstedt aus Reiskirchen nutzte die Bühne, um mehr Platz für Radfahrer zu fordern. Straßen sollten zurückgebaut und teilweise nur für Radler geöffnet werden. Dazu solle es einen Nulltarif bei Bahnfahrten geben.

Barbara Schlemmer von Bündnis 90/Die Grünen aus Homberg wandte sich gegen den Weiterbau der A 49. Dafür sollten 110 Hektar wertvollen Waldes fallen. Sie forderte dazu auf, den Protest der Schutzgemeinschaft Gleental zu unterstützen. Paul Runkel lud dazu ein, eine Veränderung der Gesellschaft beherzt anzugehen. Es herrsche seit 70 Jahren Frieden in Europa, der Hunger sei hier fast überall verschwunden. Diese Entwicklung sei aber in nicht geringem Umfang auf Kosten der Umwelt verlaufen: »Dicke Autos und sogenannte Freunde auf digitalen Plattformen machen aber nicht glücklich«.

Für Unmut sorgte ein kleiner Konflikt auf dem benachbarten Marktplatz. Dort hatten sich einige Jugendliche versammelt, was einen Bauarbeiter dazu brachte, aus seinem Bagger heraus zu rufen, sie sollten verschwinden. Ein Teilnehmer der Kundgebung protestierte dagegen, dass der Marktplatz für Touristen und Geschäftskunden offen steht, nicht aber für die Demonstranten.

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