20. September 2019, 07:35 Uhr

Hochwasser

Sorge wegen Renaturierungsmaßnahmen an Bächen

Werner Köhler aus Köddingen sorgt sich um unerwünschte Folgen von Renaturierungsmaßnahmen an Bächen. Denn er hat große Probleme seit dem Hochwasser vor über einem Jahr.
20. September 2019, 07:35 Uhr
Werner Köhler vor der niedrigen Brücke für die Meicheser Straße, die beim Hochwasser in Köddingen 2018 durch eine Baumwurzel und Hölzer zum absoluten Engpass wurde. Sein angrenzender Hof und Haus seien massiv beschädigt worden. (Foto: jol)

Werner Köhler berichtet beim Termin vor Ort: »Wir waren voriges Jahr selbst von einer Überschwemmung betroffen und haben zwischenzeitlich über Land, Kreis und Komune dazu viel erfahren«. Besonders wichtig ist ihm eine der Umgebung angepasste Planung, meint der 70-Jährige am Seenbach bei Merlau mit Blick auf die geplanten Maßnahmen. Denn beim Unwetter am 13. Mai des vergangenen Jahres stand sein Hof in Köddingen etwa 60 Zentimeter hoch unter Wasser. Und über ein Jahr später brummen immer noch Entfeuchter im Haus der Familie, damit es nicht schimmelt.

»Man darf keine 1,48 Meter hohe Baumwurzel ins das Bachbett legen, wenn unterhalb eine Brücke mit nur 92 Zentimeter Durchlass liegt«, sagt Köhler. Denn genau das habe hohe Schäden an dem Mehrfamilienhaus am Katharinenbach verursacht. Zur Erinnerung: Im Mai vergangenen Jahres hat sich ein Unwetter über der Ortslage von Köddingen ausgetobt.

Es regnete über Stunden ohne Unterlass, große Mengen Wasser stürzten in das Tal und ließen den Katharinenbach massiv anschwellen. Direkt neben dem Haus der Köhlers an der Meicheser Straße steht eine Brücke, die zwar relativ breit ist, die mit damals 92 Zentimetern lichter Höhe aber nur begrenzte Wassermengen durchlässt. Bei einem sogenannten Jahrhunderthochwasser wie im Vorjahr wird es schon knapp mit dem Abfluss. Hauptproblem aus Sicht der Köhlers war aber eine Baumwurzel, die als Renaturierungsmaßnahme weiter oben in das Bachbett eingebracht worden war.

Sie wurde heruntergespült, blieb aber mit einer Höhe von knapp 1,50 Metern an der Brücke hängen. Angeschwemmte Gerüstteile, Äste und Hölzer verkeilten sich und stauten dann das Wasser an. Bis zu 60 Zentimeter hoch schwappte das Wasser über den Hof und lief auch ins Haus. Erst als der Bagger des Gemeinde-Bauhofs die Wurzel aus dem Bachbett gezerrt hatte, konnte das Schlammwasser abfließen. Köhler beziffert den Schaden auf einige 10 000 Euro, eine Beihilfe des Landes wie für andere Hochwasseropfer habe es nicht gegeben. Unter anderem sind vier Autos stark beschädigt worden, zwei waren Totalschaden, zwei konnten nur mit Verlust verkauft werden. Der Hof sackte in der Folge teilweise ab und musste neu gepflastert werden. Im Erdgeschoss des nicht unterkellerten Gebäudes zeigten sich Monate später Folgeschäden durch Schimmel, weshalb immer noch Entfeuchter eingesetzt werden.

Enttäuscht sind die Köhlers davon, dass die Wasserbehörde eine so große Totholz-Wurzel ins Bachbett legen lässt und sie nicht befestigt, nachher aber nicht die Verantwortung für daraus resultierende Schäden übernehmen wolle.

Wenn ein Privatmann einen Baum im Garten hat und der fällt auf das Nachbargrundstück, dann müsse er für den Schäden aufkommen. »Aber in diesem Fall ist keiner verantwortlich«, sagt Köhler.

Nach der Überschwemmung hat die Gemeinde reagiert und an der Brücke eine alte Röhre aus dem Bachbett geholt. Dadurch ist die lichte Höhe der Meicheser Brücke auf nunmehr rund 1,10 Meter gewachsen. Die anderen Köddinger Straßenbrücken über den Bach weisen eine Höhe von etwa 1,80 Metern auf, wie Werner Köhler schätzt.

Der Bericht über die geplanten Maßnahmen am Seenbach haben Köhler keine Ruhe gelassen. »Außerorts kann man ja alles machen, aber innerorts können Häuser in Mitleidenschaft gezogen werden«, betont er. Das solle in die Planungen einbezogen werden, ein vermeidbarer Rückstau wie an der Meicheser Brücke dürfe nicht vorkommen. Seine Forderung: »Bitte keine dicken Felsbrocken und großen Baumwurzeln ins Bachbett einbauen.«

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