20. August 2019, 12:45 Uhr

Autobahn

Im Oktober sollen Baumfällungen für die Autobahn beginnen

Ab Oktober rattern die Motorsägen im Dannenröder Forst. Daran scheint kein Zweifel. Die Homberger Grünen hoffenr, dass der Weiterbau der A 49 noch gestoppt werden kann.
20. August 2019, 12:45 Uhr
Die Markierungen zeigen, wo Wald gerodet wird: Im Herbst soll im Dannenröder Forst Platz für die neue Autobahntrasse geschaffen werden. (Fotos: ks)

Es ist still im Wald, ab und zu lässt sich ein Vogel hören. Blätter rascheln, weit oben zieht ein Greifvogel seine Kreise. Schon bald dürfte es laut werden. Dann rücken Arbeiter im Dannenröder Forst an, um dort, wo jetzt Fichten und Buchen stehen, Platz für die Autobahntrasse zu machen. »Ab Oktober wird gefällt,« informiert Revierförster Albert Rieger. Er ist auf Einladung des Stadtverbandes von Bündnis 90/Die Grünen bereit, bei einem Rundgang die Veränderungen deutlich zu machen, die mit dem Straßenverkehrsprojekt einhergehen, das seit vielen Jahrzehnten geplant ist und nun zum Abschluss gebracht werden soll.

Mit dabei ist auch Curt-Ekkehard Freiherr Schenck zu Schweinsberg, dem Teile der Wälder gehören: »Ich will klarstellen, dass ich kein Freund dieser Autobahn bin.« Er hält die Variante von Stadtallendorf über die Bundesstraße B 62 nach Marburg und weiter an die A 485 nach Gießen für viel sinnvoller, aber dagegen hätten sich die Marburger erfolgreich gewehrt.

Er habe viel Geld ausgegeben, um die A 49 zu verhindern, sagt Schenck zu Schweinsberg. Er zog vor Jahren seine Klage zurück, weil eine Fortführung aussichtslos gewesen wäre. Es sei immerhin gelungen, einen Aufschub um einige Jahre zu erreichen. Die Proteste findet er gut, hält sie aber für »vergebene Liebesmüh.« Den Grünen hält er vor, ihr Minister Tarek al-Wazir sei in der schwarzgrünen Koalition eingeknickt.

Das müssen anwesende Grünen-Mitglieder zugeben, sie distanzieren sich aber deutlich davon, was in Wiesbaden beschlossen wurde. »Für uns ist das hier eine große Katastrophe,« sagt Stadträtin Barbara Schlemmer: Und weiter: »Wenn es nach Recht und Gesetz gehen würde, dass müsste es sofort einen Baustopp geben!« Sie verweist auf einen Brief an Minister Al-Wazir und rechtliche Schritte (die AAZ berichtete).

Revierförster Albert Rieger spricht die Ausgleichsmaßnahmen für das Projekt an und zeigt bei der Tour Beispiele. Einige der Maßnahmen hält er durchaus für gelungen, etwa die Anlage von kleinen Teichen, aber: »Das Quaken der Frösche wird vom Lärm der Autos übertönt«. Andere Maßnahmen hält er für »Quatsch« und hinausgeworfenes Geld, dazu zählt er etwa das Aufhängen von 50 Nistkästen für den Raufußkauz. Rieger spricht vielen der beim Rundgang Anwesenden aus der Seele, wenn er sagt: »Prägen Sie sich dieses schöne Bild hier ein, das wird sich gewaltig ändern.«

Ansonsten hat der Forstmann die Proteste gegen die A 49 in der Vergangenheit vermisst. So habe sich außer Naturschutzverbänden und der Schenckschen Familie keine größere Gruppe zusammengeschlossen, um zu klagen. Man habe vor Jahren Informationsveranstaltungen angeboten, zu denen kaum jemand erschienen sei, und wenn, habe es geheißen, wie gut die Autobahn für die Region ist. Ein paar hundert Meter weiter im Wald packt Rieger Pläne aus und verteilt sie: »Wir stehen jetzt genau der späteren Autobahn.«

Es geht weiter durch den Forst, Striche an Bäumen zeigen die Trasse für die Schnellstraße an. Zu hören ist, dass der »Papst« der naturnahen Waldwirtschaft, Johann Georg Hasenkamp, schon in den 1950er Jahren Studenten in den Dannenröder Forst führte: »Das war für die ein Eldorado.« Noch ein Stück weiter geht es zu einem Abschnitt, wo eine rund 30 Meter breite Wildbrücke entstehen soll. Albert Rieger: »Das wird ganz schön hergerichtet, aber das Problem ist die Autobahn«. Über die Wildbrücke solle sogar ein Bach geführt werden. Das geht, weil die Autobahn an dieser Stelle metertief eingegraben wird.

Zwischendurch und am Ende des Rundgangs ist zahlreichen Teilnehmern anzumerken, wie betroffen sie sind: »Es ist ein Wahnsinn« oder »Es ist einfach nur zum Heulen«, sind Aussagen. Barbara Schlemmer, die den Rundgang initiiert hatte, versucht Hoffnung zu machen: »Ich gebe das nicht verloren. Ich sehe noch Chancen.«

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