29. Juli 2019, 12:55 Uhr

Tierwelt

Familie Storch ist der Star in der Alsfelder Altstadt

Viele Besucher Alsfelds recken derzeit Hälse, um einen Blick auf die grazilen Störche auf dem Leonhardsturm in der Altstadt zu erhaschen. Dort üben drei Jungtiere bereits das Fliegen.
29. Juli 2019, 12:55 Uhr
Platz da, jetzt komm ich! Jungstorch beim Landeanflug auf das Nest auf dem Alsfelder Leonhardsturm. (Foto: Märkel)

Walter Märkel ist begeistert vom Anblick des jungen Storchs, der seine Kreise über den Fachwerkhäusern zieht. »Das schwerelose Gleiten macht ihm Spaß, deshalb dreht er gleich mehrere Runden«, erzählt der Vogelexperte des NABU. Er beobachtet seit Monaten das rege Treiben der Weißstörche auf dem Turm, im Volksmund schon lange als »Storchennest« bekannt. Drei junge Weißstörche haben »Dorian« und »Daisy« aufgezogen, für ein junges Brutpaar eine gute Quote.

Lediglich ein Jungvogel ist in einer Kälteperiode gestorben, wie Märkel mitteilt. Inzwischen gleitet der stärkste Jungvogel stundenlang durch die Luft. Er und seine Geschwister bereiten sich auf den Vogelzug Richtung Süden vor, der bereits Mitte August beginnen kann. Auch die Touristen freuen sich über die eleganten Großvögel, die idyllisch auf dem einzigen noch erhaltenen Turm der Stadtmauer wohnen. Einheimische werfen gerne einen Blick auf die fünfköpfige Storchenfamilie. Offenbar finden Dorian und Daisy dort gute Lebensbedingungen für sich und den Nachwuchs.

Schwieriger ist die Lage dagegen für ihren schwarzen Vetter, der ruhige Lagen im Wald braucht und die immer schwerer findet. Dem Weißstorchpaar reichte ein Wagenrad auf der Spitze des alten Wehrturms und ein reichhaltiges Futterangebot in der Schwalmaue, um erfolgreich zu nisten. »Der Weißstorch macht in ganz Deutschland Boden gut«, sagt es Dr. Wolfgang Dennhöfer vom NABU Alsfeld. Die imposanten Vögel nisten auch nahe an Menschen, wie sich in Alsfeld zeigt. Auf Initiative des Naturschützers Kurt Frey wurde das Wagenrad auf dem Leonhardsturm neu befestigt. Das Storchenpaar hat den Nistplatz angenommen, die Helfer sind begeistert.

Nisthilfen haben Naturschützer auch in der Schwalmaue im Bereich Heidelbach und Eudorf aufgestellt. Dabei zeigt sich, dass Weißstörche dann brüten, wenn es genug Nahrung auf den Wiesen gibt. Dürreperioden machen das Brutgeschäft schwierig.

Im Homberger Raum gibt es noch keine Weißstörche, wie Karl-Heinz Zobich vom Homberger NABU berichtet. Allerdings nistet ein Paar bei Schweinsberg, ur wenige Meter von der Kreisgrenze entfernt. Er geht davon aus, dass in der Ohmaue bei Wäldershausen Weißstörche nisten werden, wenn eine Nutzungsänderung erfolgt. Wolfgang Dennhöfer verweist auch auf eine negative Folge der wachsenden Zahl an Weißstörchen. Mancherorts fressen Brutpaare die Küken der Wiesenbrüter.

Ganz andere Probleme hat der Schwarzstorch, der bislang im Vogelsberg recht verbreitet war. Der scheue Großvogel nistet im Wald, möglichst weit weg von menschlicher Besiedlung, wie Axel Rockel von der Staatlichen Vogelschutzwarte sagt. Ihre Zahl geht seit Jahren zurück, wobei Rockel bewusst vermeidet, die Lage bekannter Horste genauer zu benennen. Es gibt immer wieder Leute, die herumrennen und versuchen, die Horste zu finden, das kann die scheuen Tiere in die Flucht jagen. In früheren Jahren gab es im Raum Homberg ein Brutpaar, das in diesem Jahr keinen Nachwuchs aufzieht. Rockel weiß von einem Paar im Bereich Gemünden/Mücke und einem weiteren im Bereich Ulrichstein/Schotten.

Ein Problem: Der Schwarzstorch braucht Bäche, um Fische zu fangen, hier wirkt sich die Trockenheit der letzten zwei Jahre negativ aus. Ganz wichtig ist den Tieren ein ruhiger Nistplatz auf einem alten Baum. Vertrieben wird er von Menschen und von Windkraftanlagen, sagt Rockel. »Diese Störung ist entscheidend.«

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