24. Juli 2019, 21:32 Uhr

Ortsbeirat fordert mehr Geld

24. Juli 2019, 21:32 Uhr
Windkraftanlage im Wald bei Atzenhain, hier ein Foto von der Baustelle aus dem Jahr 2016. Sechs bis sieben weitere Anlagen sollen in der nächsten Zeit entstehen. (Foto: Henß

Der Ortsbeirat will von Betreiberfirmen von Windkraftanlagen eine höhere Entschädigung für neue Rotoren. Eine kürzlich in Aussicht gestellte Summe von 10 000 Euro für zehn Jahre und für drei Orte (Atzenhain, Merlau, Nieder-Ohmen) sei »lächerlich,« sagte Ortsvorsteher Thomas Röhrich jetzt in der Sitzung des Gremiums.

Dazu hatten sich im Dorfgemeinschaftshaus einige Besucher eingefunden. Einziges Thema: die geplanten sechs bis sieben neuen Windkraftanlagen. Bürgermeister Andreas Sommer machte deutlich, dass die Gemeinde als Kompensation nur »minimale finanzielle Vorteile« erwarten kann, diese ergeben sich etwa aus Gestattungsverträgen für das Wegerecht. Von der Größenordnung sei das zu vernachlässigen. Er sprach von etwa 500 Euro im Jahr.

Unklar ist noch, ob eine geplante Anlage nahe des Zettlteichs gebaut werden kann. Denn sie würde sich in der Nähe von zwei Horsten von geschützten Vögeln wie Rotmilan und Wespenbussard befinden. »Möglicherweise würde sie zu nah an den Horsten stehen und fällt deshalb weg.«

Im Ortsbeirat wurde vor allem die geplante Höhe der neuen Anlagen von 240 Metern kritisiert. Als man sich vor rund sechs Jahren für die Vorrangfläche ausgesprochen hat, seien die Anlagen deutlich niedriger gewesen. »Wir sind damals von anderen Voraussetzungen ausgegangen, auch wenn klar ist, dass die Technik nicht stehen bleibt«, meinte Ortsvorsteher Röhrich. Leider habe man aber in den vergangenen Jahren erleben müssen, »dass unsere Landschaft immer weiter verschandelt wird.«

Die Gemeinde solle nun nicht alles unter Preis verkaufen, sondern versuchen, mehr für die betroffenen Orte an einer finanziellen Kompensation zu erreichen. Die Firma Energiequelle hatte angeboten, über einen Fonds über zehn Jahre verteilt an die drei Dörfer rund 10 000 Euro auszuschütten. Zu solchen Zahlungen sind die Firmen nicht verpflichtet, sie leisten sie freiwillig.

Röhrich verlangte, die Summe auf 90 000 Euro aufzustocken, dann erhalte jedes der drei Dörfer pro Jahr 3000 Euro: »Damit könnte man etwas anfangen und das Geld zum Beispiel für einen Dorfplatz nehmen.«

Dem kürzlich geäußerten Vorschlag aus Nieder-Ohmen, das Geld für den dortigen Kindergarten zu verwenden, wollte er nicht folgen. Es seien ja drei Ortschaften betroffen, nicht nur Nieder-Ohmen.

Sonst gelte, dass nur die Eigentümer der Flächen und die Firmen, welche die Anlagen betreiben, etwas davon haben: »Die große Mehrheit aber hat den unschönen Anblick.« Verhindern könne man die Anlagen aber nicht mehr, so Röhrich im Blick auf die im Regionalplan festgelegten Windvorrangflächen. Bürgermeister Sommer sah das ebenso, meinte aber: »Wenn die Ortsbeiräte sagen, es reicht uns jetzt, dann stelle ich mich gern an die Spitze der Bewegung.« Er schränkte jedoch ein, dass die Gemeinde wenig Einflussmöglichkeiten hat. Sie könnte zwar die Überfahrung ihrer Wege verbieten, ob man damit durchkommt, ist aber mehr als fraglich. »Vielleicht können wir verzögern, aber nicht verhindern.« Verträge mit Grundeigentümern seien bereits geschlossen worden.

Generell sei er ein Freund der Energiewende, sagte Sommer, aber die Belastungen seien sehr ungleich verteilt: »Wenn ich Freunde im Taunus besuche, sehe ich dort keine einzige Anlage.« Er meinte aber auch, dass man den Verpächtern der Grundstücke keinen Vorwurf machen kann.

Er regte an, dass die Firma Energiequelle ähnlich wie dieser Tage die Firma Juwi zu einer Informationsveranstaltung einlädt.

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