23. Juli 2019, 12:10 Uhr

Kunst

Erdlöcher und Drachenfutter: Neue Erzausstellung im Kunstturm Mücke

Beeindruckende Luftbildaufnahmen aus Zeiten des aktiven Erzbergbaus sind im Kunstturm Mücke zu sehen.
23. Juli 2019, 12:10 Uhr
Luftbildaufnahmen aus Zeiten des aktiven Erzbergbaus, bei der Eröffnung der Ausstellung im Kunstturm Mücke Prof. Peter Rothe, Klaus Kessler-Joswig und Dirk Finthammer sowie Robert Keller (v. l.). (Foto: sf)

Wohl kaum eindrucksvoller als durch über Jahrzehnte gestaffelte Luftbildaufnahmen lässt sich der Einfluss industriellen Abbaus von Bodenschätzen auf eine Landschaft nachvollziehen.

So hat sich die Arbeitsgruppe des Kunstturms Mücke in ihrer zehnten Ausstellung zum Thema Erzbergbau in Oberhessen diesmal der Einflussnahme auf die Landschaft, das heißt der Änderungen von Bachverläufen, der Bebauungsdichte, dem Entstehen (und Verschwinden) gewaltiger Erdlöcher, dem Bau und Umbau von Verbindungswegen wie Straßen, Bahnlinien und Seilbahnen, gewidmet. Wo man heute nur noch Erzabbaustätten und Schlammteiche in der Landschaft erahnen kann, werden auf drei großflächigen Aufnahmen aus den Jahren 1945, 1953 und 1961 die aktiven Abbaugebiete der Gewerkschaft Louise sichtbar.

Die sehr detaillierten Aufnahmen sind derzeit beim Kunstturm Mücke in der Ausstellung zu sehen, die kürzlich eröffnet wurde. Das Thema stieß auf großes Interesse, zahlreiche Besucher waren zu Gast. Gezeigt werden neben den Großaufnahmen auch Auszüge aus historischen Karten und Dokumentationen, anhand derer man sich die Wirkungsstätten besser vorstellen kann. Nach der Einführungsrede des 2. Vorsitzenden Dirk Finthammer begrüßte Karl Rudi die beiden Zeitzeugen Prof. Peter Rothe und Robert Keller, die interessante Beiträge zum damaligen Geschehen brachten.

Prof. Peter Rothe war in den 1960er Jahren für die Gewerkschaft Louise als Geologe tätig und konnte anhand der historischen Fotografien, die der Verein zusammengestellt hat, aufschlussreiche Erläuterung geben. Der Lokalhistoriker Robert Keller stellte seine Dokumentation »Eisenerzbergbau im Raum Mücke« vor. Diese Dokumentation kann während der gesamten Ausstellung eingesehen werden.

Blick in Vereinsgeschichte

Die Bilder zeigen das an Veränderungen, was bei flüchtiger Betrachtung schnell zu übersehe ist. Erst die Betrachtung von Detailbereichen macht deutlich, welche Massen an Boden und Material bewegt werden mussten, um an den Stoff zu gelangen, der nicht nur für die hiesige Region einen wirtschaftlichen Aufschwung versprach, sondern auch von nationalem Interesse war. Rasanter industrieller Aufschwung machten Kohle und Erze zu so wichtigen Rohstoffen, dass sie die Wirtschaftskraft eines Landes definierten, ja über den Ausgang von Kriegen entschieden.

Und doch bleibt auch hier manches unsichtbar: Seien es die unterirdischen Stollen oder die Geschichten der ehemaligen Bergleute, die in den Anfängen noch mit einfachsten Mitteln dem Boden das »Drachenfutter« entrissen.

Eine umfangreiche Sammlung historischer Fotos begleitet daher die Ausstellung. Beim Auffinden und interpretieren der Kartendetails bieten die Mitglieder des Kunstturms gern ihre Hilfe an.

Neben diesen historischen Dokumenten ermöglicht der Kunstturm Mücke erstmalig Einblicke in seine Vereinsgeschichte. Zwei prall gefüllte »Presseordner« erlauben Einblicke in die Abfolge der Ausstellungen, deren Schwerpunkte zeitgenössische Kunst und regionale Bergbau-Historie sind. Mehr Infos: www.kunstturmmuecke.de

Die Ausstellung ist bis 8. September immer jeweils sonntags von 14 bis 17Uhr geöffnet.

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