20. Juni 2019, 20:22 Uhr

Schlossfestival

Wenn das Publikum bei einer Show einschläft

Bei der Show zum Homberger Schlossfestival entlockt Hypnotiseur Zyculus dem Publikum Verborgenes. Das Publikum staunt nicht schlecht.
20. Juni 2019, 20:22 Uhr
KOA
Immer wieder schickt Zyculus bei der Show im Homberger Schlossgarten Freiwillige auf der Bühne in eine Trance. (Fotos: koa)

Auf der kleinen Holzbank macht sich Erstaunen breit. Noch viel mehr, denn meine Sitznachbarn und ich schwanken beim Schlossfestival zwischen Ungläubigkeit und verwundertem Augenreiben. Nun gut, bei den Dreien neben mir ist Letzteres tatsächlich die erste Handlung, nachdem sie Zyculus aufforderte, ihre Lider wieder zu erheben und aus dem Land ihrer Träume zurückzukehren.

Wieso er das macht? »Weil er es kann«, wäre heute eine gängige Antwort. Tatsächlich kann er es, stelle ich fest. Denn Zyculus ist ein Hypnotiseur. Magisch fast wirkt es, was er genau in diesem Moment in den Köpfen der zahlreichen Gäste des Abends implantiert. Augen schließen, positiv denken, Arme ausstrecken und das Gefühl spüren, wie Luftballons sie immer weiter in den Himmel hinauf ziehen.

Ich stelle fest, dass sich diesem Moment niemand entziehen kann. Rund um mich herum gehen Arme in die Luft, blicke ich in entspannte und glückliche Mienen. Was hat dieser Zyculus, das andere nicht haben?

Nicht alle gleich geeignet

Wie kann er Hunderte Menschen zur gleichen Zeit in eine derart gefällige Stimmung versetzen, dass sie seinen Aufforderungen nachkommen? Mir fallen große Hypnoseshows ein, wie sie in Las Vegas Publikumsmagneten sind. Warnungen, dass man willenlos Dinge tun könnte, die man später bereut. Und auch Erzählungen, wie gut Hypnose tut - insbesondere, wenn man sie individuell zur Verarbeitung von beispielsweise traumatischen Erlebnissen einsetzt.

Der Hypnotiseur alias Markus Götz, der in Franken eine heilpraktische Praxis für Psychotherapie betreibt, spricht selbst davon, dass Hypnose »fokussierte Aufmerksamkeit« bedeute. Was auch immer der Mensch in diesem Moment tue, sei noch immer von seinem Willen geleitet. Ob sich jemand besser auf diesen Zustand der Trance einlassen könne, hinge schlicht von dessen Können einer intensiven Visualisierung ab.

»Diese Menschen eignen sich besonders für Hypnose«, verriet er, bevor er begann, durch die Reihen zu laufen und geschlossenen Augen zu begegnen. Und tatsächlich, manche Arme fliegen höher in den Himmel, scheinen noch fester an imaginäre Luftballons gebunden zu sein. Genau diese Menschen im Publikum sucht er sich.

»Schlaf« ist sein Zauberwort. Und tatsächlich, zehn Menschen fallen nach und nach in tiefere Trance. Mir wird bange. Wie macht er das nur? Was könnte er noch alles erreichen? Eine gute Show - das ist zumindest sein Ziel für diesen Abend.

Denn jetzt kehren alle zurück in die Aufmerksamkeit des Bewussten. »Das war cool«, bemerkt mein Sitznachbar, »ich bin jetzt echt entspannt.« Für die Zehn, die Zyculus schlafen schickte, geht der Abend auf der Bühne weiter.

Immer wieder schickt er sie in tiefe Trance, lässt ihr Unterbewusstsein arbeiten: Gitarre spielen, sich im Applaus sonnen, sich an andere kuscheln. Um mich herum bleibt es bei erstaunten Gesichtern: Wie macht dieser Mann das nur?

Ein Faszinosum, wie es schon seit Jahrhunderten die Menschen bewegt. Die Macht des Unterbewussten - viele Menschen werden an diesem Abend nicht nur um eine Erfahrung und um einen unterhaltsamen Abend reicher nach Hause gehen, das wird mir klar. Sie werden auch noch lange über das, was sie jeden Tag unbewusst bewegt, nachdenken. Ich zumindest werde das.



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