01. Juni 2019, 07:45 Uhr

Krankenhaus

Kreiskrankenhaus Alsfeld tief in den roten Zahlen

Das Alsfelder Kreiskrankenhaus wird auch in diesem Jahr ein Millionendefizit machen. Das gilt auch schon für die vergangenen Jahre. Der politische Wille ist aber weiter groß, das Haus zu erhalten.
01. Juni 2019, 07:45 Uhr
Seit Jahren laufen beim Kreiskrankenhaus Alsfeld Verluste auf, im vergangenen Jahr 1,6 Millionen Euro. In diesem Jahr wird das Haus noch tiefer in die roten Zahlen rutschen. Derzeit laufen umfangreiche Bauarbeiten. (Foto: jol)

Keine guten Neuigkeiten vom Kreiskrankenhaus in Alsfeld. Noch drücken aufgelaufene Verluste aus den vergangenen Jahren in Höhe von rund 3,1 Millionen Euro. Da zeichnet sich für dieses Jahr ab, dass das Haus mit seinen rund 160 Betten erneut tief in die roten Zahlen rutscht.

Die Verluste fallen wohl noch höher aus als in 2017 mit schon hohen 2,7 Millionen Euro, das sagte jetzt Landrat Manfred Görig in einer Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses des Kreistags.

Im Haushaltsplan des Kreises für 2019 war für den Verlustgleich ein Betrag von 100 000 Euro eingeplant. Der Jahresabschluss für 2017 lag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. Der Verlustausgleich erfolgt immer zeitversetzt. Für 2018 ist mit einem weiteren Fehlbetrag in Höhe von rund 1,6 Millionen Euro zu rechnen. In diesem Jahr könnten es sogar »mehr als 2,7 Millionen Euro werden,« sagte Görig. Für die Gesellschaft des Kreiskrankenhauses bedeute das »ein nicht unerhebliches Liquiditätsrisiko«. Also muss der Kreis ran und das Defizit ausgleichen.

Der hatte für das vergangene Jahr bereits acht Millionen Euro in die Gesellschaft gesteckt, das Geld wird aber für die umfangreichen Bau- und Sanierungsarbeiten benötigt. Es steht nicht mehr für den Ausgleich der Verluste bereit. Ein besteher Liquiditätskredit von vier Millionen Euro wird schon durch die schlechten Ergebnis in 2017 und 2018 aufgebraucht. Um die Gesellschaft zu stabilisieren, ist es nötig, dass der Kreis als einziger Gesellschafter neues Geld zuschießt.

Görig nannte einige Gründe für die hohen Verluste. So gab es eine Sonderabschreibung von 1,1 Millionen Euro, die sich im Jahresabschluss 2017 niedergeschlagen hat. Zudem hatte sich die Gesellschafter von einem früheren Geschäftsführer getrennt und es musste zusätzlich Personal eingestellt werden. Nicht absehbar war auch, dass die Klinik in diesem Jahr durch einen Todesfall einen der Chefärzte verloren hat, zudem ist ein Unfallchirurg in den Ruhestand gegangen und die Stellen konnten noch nicht wieder besetzt werden. In beiden betroffenen Abteilungen gebe es deshalb Leistungseinbrüche und folglich geringere Einnahmen und höhere Verluste.

Bisher hatte der Kreis die Verluste immer ausgeglichen. Gleichwohl halte man daran fest, »eine schwarze Null hinzukriegen.« Die Planung sei aber sehr schwierig. Es sei vieles nicht so geworden, »wie wir uns das vorgestellt haben,« so der Landrat. Man könne aber nicht alles in der Öffentlichkeit diskutieren, dafür sei der Aufsichtsrat da.

Michael Riese (Die Linke) kritisierte, nach dem Schließen der Geburtsstation habe es keinen Plan gegeben, wie mit dem Personal umgegangen wird. Dr. Udo Ornik (Die Grünen) sagte, es sei zu hinterfragen, ob das Management alles richtig macht.

Er verwies an dieser Stelle auf den zweimaligen Wechsel in jüngster Zeit in der Geschäftsleitung. So war bekannt geworden, dass man sich vom früheren Geschäftsführer getrennt hatte, weil es unterschiedliche Meinungen bezüglich einer geplanten Stellenausweitung gegeben hatte. Die rund zehn Neueinstellungen schlugen bei den Mehrausgaben zu Buche.

Matthias Weitzel (SPD) und Stephan Paule (CDU) ließen dagegen keinen Zweifel daran, dass man gewillt ist, die nötigen Schritte zu gehen. »Wir sind uns in der großen Bedeutung des Kreiskrankenhauses für Alsfeld und die Region einig.« Eine Schließung dürfe es nicht geben, deshalb solle der Verlustausgleich gewährleistet werden.

In der nächsten Woche soll der Kreistag die überplanmäßige Ausgabe in Höhe von 3,1 Millionen Euro für das Krankenhaus beschließen. Damit werden dann alle Betriebsverluste seit 2014 ausgeglichen. Der Ausschuss empfiehlt den Kreistagsabgeordneten bei zwei Enthaltungen, das genannte Geld für den Verlustausgleich einzusetzen.

Der Verlustausgleich erfolgt in der Regel zwei Jahre nach Entstehen des Defizits, erläuterte Landrat Görig.

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