19. Mai 2019, 22:03 Uhr

Bessere Bildung führt aus der Armut

19. Mai 2019, 22:03 Uhr
Bänker aus der Schwalm: Weltbank-Vizepräsident Dr. Hartwig Schäfer spricht bei der Mitgliederveranstaltung in Merzhausen, v. li.: Werner Braun, Ralph Kehl (Vorstand), Dr. Schäfer, Helmut Euler(Vorstand). (Foto: pm)

Die VR Bank HessenLand lud ihre Mitglieder zum Vortrag »Armut beenden, in Chancen investieren - die Welt weiterentwickeln« von Weltbank-Vizepräsident Dr. Hartwig Schäfer nach Willingshausen ein. Vorstandschef Helmut Euler freute sich, den weitgereisten gebürtigen Willingshäuser vor 500 Gästen zu begrüßen. Mit »Gen Ouwend« hob Schäfer seinen Vortrag an. Der in Washington lebende Weltbank-Vizepräsident freute sich über das Heimspiel. »Es ist das erste Mal, dass ich einen Vortrag in deutscher Sprache halte, das erste Mal, dass ich zu Fuß zur Arbeit gehen kann und das erste Mal, dass meine Mama im Publikum sitzt.«

Seine Karriere begann für Dr. Schäfer mit einem Praktikum bei der Weltbank. Inzwischen ist er dort seit mehr als 30 Jahren aktiv und seit 2018 als Vizepräsident für den Bereich Südasien zuständig. Die Weltbank ist kein klassisches Kreditinstitut. Ihr Ursprung liegt in der 1944 gegründeten Internationalen Bank für Wiederaufbau zur Unterstützung des Wiederaufbaus der vom 2. Weltkrieg zerstörten Länder durch die Vereinten Nationen auf der Finanzkonferenz von Bretton Woods. Heute ist die Weltbank die wichtigste Institution der weltweiten Entwicklungspolitik mit den Zielen, extreme Armut zu beenden und die Teilnahme der Ärmsten am Wohlstand zu fördern. 64 Milliarden US-Dollar an Krediten in 735 Projekten wurden 2018 vergeben. Es ist eine Kooperation von 189 Mitgliedstaaten, beschäftigt 22 000 Menschen an 130 Standorten. Deutschland ist seit 1952 Mitglied und hat einen Stimmanteil von rund 4 Prozent.

Etwa 736 Millionen Menschen und somit jeder Zehnte leben laut Schäfer in extremer Armut. Sie haben für den täglichen Lebensunterhalt weniger als 1,70 Euro zur Verfügung. Die Ärmsten leben in Subsahara-Afrika, dort ist jeder zweite Mensch betroffen. Die Gründe: »Korruption, Unruhen, Naturkatastrophen, Dürre, geografische Faktoren, fehlender Zugang zur Infrastruktur, aber auch Ungleichheiten und vor allem fehlende Investitionen in Bildung verursachen Armut«, so Schäfer. Das setze die Arbeit der Weltbank an. »Die Schwerpunkte der Projekte liegen im Klimaschutz und in der Gleichberechtigung. Zudem stehen Nachhaltigkeit, Zugang zu Arbeit und Bildung und zunehmend die Digitalisierung im Focus.« Ziel der Weltbank-Projekte sei es, die Welt durch ökonomisches Wachstum von extremer Armut zu befreien, von 16 Prozent in 2010 auf 3 Prozent im Jahr 2030. Zur Finanzierung werden langlaufende Darlehen an die Entwicklungsländer vergeben, die für sehr arme Länder nahezu zinsfrei sind. Die Refinanzierung der Weltbank erfolgt durch die Mitgliedsländer und Anleihen.

Ein Vizepräsident ist Bänker, Diplomat und Entwicklungshelfer. Er verwaltet über 50 Milliarden US-Dollar in mehr als 290 Projekten. Rund 2500 Mitarbeiter sind für seinen Bereich im Einsatz. Zudem vertritt Schäfer die Weltbank auf Regierungsebene. Er verantwortet den Bereich Südasien und ist dort rund 140 Tage im Jahr unterwegs. In dieser Region lebt ein Viertel der Weltbevölkerung, davon ein Drittel in Armut. »Das jährliche Wirtschaftswachstum beträgt sieben Prozent, aber es fehlen Investitionen in Bildung und es mangelt an Zugang zu Versorgungsleistungen mit der Folge multidimensionaler Armut«, so Schäfer. »Wenn Kinder keinen Zugang zu Bildung haben, können Sie nie ihr volles Potenzial entwickeln, die Investition in die Ausbildung ist somit ein wichtiger Meilenstein.«

Schäfer antwortete auf die Frage, wo er die Energie für die Herausforderungen seiner Arbeit her nehme: »Es ist einfach wunderbar mitzuerleben, wie man mit einem vermeintlich kleinen Betrag einem Menschen den Start in die Selbständigkeit ermöglicht und dieser mit dem Einkommen anschließend die gesamte Familie ernähren kann. Mir begegnet sehr viel Dankbarkeit und ich habe immer viel Spaß bei meinen Länderbesuchen gemeinsam mit meinen Teams. Das ist der Lohn und das gibt mir positive Energie.«

Schäfer sprach ohne Honorar, er bat lediglich um eine Spende an regionale Vereine. DRK Willingshausen, Gesangverein und Landfrauen erhielten deshalb 4 500 Euro. Thomas Fischer, Prokurist der VR Bank HessenLand und Initiator, überreichte dem Eintracht-Frankfurt-Fan sportliche Accessoires und Schwälmer Aufmerksamkeiten.

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