Vogelsbergkreis

Naturschützer fordern Bußgeld

Gegen die Zerstörung von Hecken und Feldholzinseln und für einen Erhalt von Biotopen im Bereich von Ackerland setzt sich bekanntlich der NABU-Ortsverband Homberg ein. »Die scheibchenweise Vernichtung unserer Strukturelemente geht unvermindert weiter«, teilt NABU-Sprecher Karl-Heinz Zobich nach einer Sitzung der Naturschutzgruppe mit. Besonders gravierend sei die Lage im Bereich Söhrenteich zwischen Maulbach und Appenrod (die Alsfelder Allgemeine berichtete mehrfach).
17. Mai 2019, 21:36 Uhr
Redaktion
Die Rodung in einer Feldholzinsel im Bereich Söhrenteich ist strittig. 	(Foto: jol)
Die Rodung in einer Feldholzinsel im Bereich Söhrenteich ist strittig. (Foto: jol)

Gegen die Zerstörung von Hecken und Feldholzinseln und für einen Erhalt von Biotopen im Bereich von Ackerland setzt sich bekanntlich der NABU-Ortsverband Homberg ein. »Die scheibchenweise Vernichtung unserer Strukturelemente geht unvermindert weiter«, teilt NABU-Sprecher Karl-Heinz Zobich nach einer Sitzung der Naturschutzgruppe mit. Besonders gravierend sei die Lage im Bereich Söhrenteich zwischen Maulbach und Appenrod (die Alsfelder Allgemeine berichtete mehrfach).

Deshalb fordern die Naturschützer schon lange einen konsequenten Einsatz der Naturschutzbehörden. Der Kreis weist den Vorwurf der Inaktivität allerdings zurück. Der betreffende Bereich sei in der Flurbereinigung und die Behörde hat den Grundstückseigentümer zur Stellungnahme aufgefordert. Die Untere Naturschutzbehörde beurteilt aber die jüngsten Rodungen als »kritisch«, wie Beigeordneter Jens Mischak mitteilt

Das beruhigt die NABU-Aktiven nicht. Denn Gesetze sollten »eine derart schlimme Beeinträchtigung der Lebensgrundlage der Menschen, der biologischen Vielfalt, eigentlich verhindern«.

Zerstörungen »übersehen«

So fordere das Bundesnaturschutzgesetz die zur Vernetzung von Biotopen erforderlichen Landschaftselemente sind zu erhalten und nach Möglichkeit zu vermehren. Besonders Hecken und Feldraine seien zu erhalten und neu zu schaffen. Auch nach dem Bundesbodenschutzgesetz sollen Hecken, Feldgehölze, Feldraine und Ackerterrassen, die zum Schutz des Bodens notwendig sind, erhalten werden, so Zobich.

Er verweist auf das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD), das Deutschland unterstützt. Demnach soll in agrarisch genutzten Gebieten der Flächenanteil von Hecken, Feldgehölzen und Kleingewässern fünf Prozent betragen. Diese Vorgabe werde klar verfehlt. Zahllose Hecken und Feldholzinseln seien in den vergangenen Jahren verschwunden. Der NABU Homberg schließt daraus, dass die Mehrzahl der mit diesem Schutz betrauten Personen überfordert sind. Engagierte Mitarbeiter in Naturschutz- und Wasserbehörden, die sich vorbildlich für die stark beschädigte Natur einsetzen, würden mit politischen Vorgaben ausgebremst.

Der Erhalt von Grünzonen sei wichtig, ein alter Baum erzeugt 4500 Kilogramm Sauerstoff im Jahr. Dafür entnimmt er der Atmosphäre 5000 Kilogramm Kohlendioxid. Die Behauptung von Behörden, dass ein nachwachsendes Bäumchen mit seinen 130 Blättern mit einem alten Baum gleichwertig ist, sei grotesk, stellen die Naturschützer klar.

Der NABU Homberg fordert, dass in der Region fünf Prozent naturnahe Areale in agrarisch genutzten Gebieten bis 2025 verwandelt werden. »Begonnen werden muss mit dem Feldgehölz im Söhrenteich zwischen Maulbach, Homberg und Appenrod.« Die Beeinträchtigungen müssten nach neu bewertet werden. Das »Übersehen« der weiteren Zerstörung in einer Feldholzinsel, die an eine Ausgleichsmaßnahme der Autobahnbaugesellschaft Deges angrenzt, zeige, »dass die Vorgänge nicht in guten Händen sind.«

Die Verursacher müssten auch anhand von Indizien ermittelt und zur Bereinigung der Schäden verpflichtet werden. Zudem müsse ein fühlbares Ordnungswidrigkeitsentgelt verhängt werden, fordert der NABU Homberg. Erster Kreisbeigeordneter Mischak setzt dem entgegen, dass der Söhrenteich in das Planfeststellungsverfahren der geplanten Autobahn A 49 einbezogen ist. Deshalb sei hier die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium zuständig. Zudem laufe ein Flurbereinigungsverfahren, wofür eine Landesbehörde zuständig sei. Diese habe vom Grundstückseigentümer eine Stellungnahme angefordert.

Die bisher erfolgten Rückschnitte und Rodungen von Gehölzen sowie Baumaßnahmen in der Feldgemarkung Söhrenteich seien nicht in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde vorgenommen worden, weist Mischak eine Mitwirkung des Kreises zurück. Es werde geprüft, ob die Maßnahmen in Abstimmung mit anderen Behörden erfolgten.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/art74,591351

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