16. Mai 2019, 12:20 Uhr

Mundartlieder

»Rure Roiwe Roppmaschin« macht wieder im Vogelsberg Station

Am Samstag wird sie wieder einmal im Vogelsberg Station machen, die »Rure Roiwe Roppmaschin«. Berthold Schäfer über die bekannte Mundartband »Fäägmehl« und aktuelle Projekte.
16. Mai 2019, 12:20 Uhr
GKM
Wie in der guten alten Fäägmeel-Zeit wird Siegward Roth (r.) bei der Lesung musikalisch begleitet von Berthold Schäfer. Vor der Vogelsberger Lesung am 18. Mai in Elpenrod erläutert er, wie es um die Bereicherung der mittelhessischen Kulturlandschaft durch die beiden Freunde aktuell steht. (Foto: gkm)

Herr Schäfer, die Arbeitsteilung funktioniert noch: Siegward Roth schreibt Texte und Sie sorgen für die passende Melodie?

Berthold Schäfer: Ganz so ist es nicht. Für Fäägmeel konnte man das grob so sagen. Bei unseren aktuellen gemeinsamen Auftritten handelt es sich um eine Lesung von Siegward und einen anschließenden musikalischen Teil von mir. Beides wird das Publikum vermutlich vom Stil her an Fäägmeel-Konzerte erinnern. Von 1986 bis 2005 haben wir zusammen mit Walter Krombach ein umfangreiches Programm von Liedern im mittelhessischen Dialekt geschrieben und gespielt, insgesamt sechs CDs und zwei Kassetten herausgebracht. 2005 mussten wir aus gesundheitlichen Gründen die Zusammenarbeit aufgeben. Auf dem Schiffenberg gaben wir damals vor rund 5000 Zuhörern unser Abschiedskonzert.

Was war das Besondere an Fäägmeel?

Schäfer: Überall wird Dialekt gesprochen, ob in Berlin, Köln, Bayern oder Schwaben, und das wird akzeptiert. Nur hier in der Mitte Hessens oder Mittelhessens sagt man: ›Schwätz nit so viel, damit man nit merkt, wo de herkommst.‹ Unsere Sprache galt immer als Sprache der dümmlichen Landbevölkerung. Dem wollten wir entgegenwirken. Wir sind ja nicht alle dumme Bauern, nur weil wir Dialekt sprechen. Wir haben genauso Sorgen und Nöte wie die Menschen woanders. Die denken wie wir im Dialekt und wir reden untereinander auf Platt. Außerdem hat uns immer gestört, dass Mundart oft so dargeboten wird, dass sich die Leute in ihrem Dialekt über ihren Dialekt lustig machen. Dafür ist unsere Sprache zu schade. Unser Dialekt, das bedeutet ein Stück Heimat, das ist, wo ich mich zu Hause fühle, ist Kultur, das darf nicht verloren gehen und vor allem darf es nicht kaputt gemacht werden, beispielsweise durch Fastnachtsbeiträge in der Bütt, wo dummes Zeug geredet wird.

Es sollten also Volkslieder im Wortsinn sein?

Schäfer: Das könnte man so sagen. Volkslied im Sinn von in der Sprache des Volkes, ohne dieses Heimat-Tralala, in dem die tatsächlichen Verhältnisse verklärt werden und früher alles besser war. Wir waren nie die Mundartgruppe für den Heimatabend mit Gitti und Erika. Unsere musikalischen Grundlagen sind vielfältig: Blues, Rock, Jazz und Folk. Vor allem irische Songs eignen sich sehr gut, um hessische Texte damit zu verbinden. Dabei fällt der oft unterschwellig einfließende Humor auf... Das gehört zum Leben in Mittelhessen dazu. Doch sind unsere Lieder nicht nur lustig. Wir haben immer versucht, klare Aussagen zu machen, zu den verschiedenen Lebenslagen. Es ging um Liebe, viel um zwischenmenschliche Beziehungen und Charaktere wie den Knotterbock, aber auch um den Tod.

Seit einiger Zeit spielen Sie Mundart-Lieder mit einer neuen Band in internationaler Zusammensetzung. Wie kam es dazu?

Schäfer: Nach dem Fäägmeel-Abschiedskonzert habe ich eine kreative Schaffenspause gemacht. Dann habe ich auf einer Geburtstagsparty David Domine kennengelernt und wir haben uns zum Gitarrenspielen verabredet. David ist Hawaiianer, ein Super-Musiker und war von den Fäägmel-Stücken begeistert. Später kamen Clemens Goth und Jens Schneider dazu und heute treten wir unter dem Namen ›Meelstaa‹ auf. Die Mühlsteine liegen in der logischen Abfolge der Mehlherstellung, nach der Fegemühle (›Fäägmeel‹). Spreu und Weizen sind dann bereits getrennt - wie in unseren Liedern.

Siegward Roth ist nicht dabei?

Schäfer: Er lebt schon seit einigen Jahren in München und widmet sich dort ganz dem Schreiben. Er hat bereits mehrere Bücher im Dialekt geschrieben, beispielsweise über den erwähnten Knotterbock, oder auch einen Kriminalroman, und er arbeitet die Geschichte unserer Gruppe Fäägmeel in Buchform auf. Zwei Bände gibt es schon. Sie bilden auch die Grundlage für unsere gemeinsamen Auftritte, die aus einem Lesungsteil, den Siegward gestaltet, und meinem Auftritt mit Gitarre und Gesang bestehen, ganz puristisch.

Das klingt alles eher nostalgisch. Wird es noch einmal neue Texte im mittelhessischen Platt geben?

Schäfer: Im Moment erproben wir die beiden Formate ›Meelstaa‹ und die Lesungen mit Siegward. Beides stößt auf viel Zuspruch und macht uns sehr viel Spaß. ›Meelstaa‹ bietet zwar das bekannte ›Fäägmeel‹-Repertoire, aber wir haben durch die neuen Bandmitglieder auch neue musikalische Möglichkeiten, beispielsweise durch das virtuose Mandolinenspiel von Jens. Wir spielen die alten Lieder in neuem Gewand, mit teilweise überraschenden Ergebnissen. Mit Siegward bin ich befreundet und wir stehen in engem Kontakt. Eine Zeit lang wollte er keine Texte mehr schreiben. Durch die gemeinsamen Lesungen und die große Zustimmung, die uns entgegengebracht wird, ändert sich diese Haltung vielleicht. Ich hoffe jedenfalls, dass es bald neue Texte geben wird. Ideen dazu sind jede Mange vorhanden.

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