25. April 2019, 08:00 Uhr

Geld für’s Dorf

So können Vereine leicht Geld für Projekte bekommen

Selllnrod, Zeilbach und Ober-Ohmen machen es vor: Für Projekte einen Antrag beim Land stellen, Geldeingang abwarten und mit der Arbeit loslegen. Bürgermeister empfehlen das zur Nachahmung.
25. April 2019, 08:00 Uhr
Für den neuen Backofen im Backhaus von Ober-Ohmen packen Helfer aller Altersklassen an. (Foto: sf)

Das Backhaus in Ober-Ohmen am Römer wird von den Ortsvereinen viel genutzt. Leider ist es renovierungsbedürftig. Der Backofen muss erneuert werden, das alte Fachwerk saniert und das Dach muss abgedichtet werden. Schon seit einigen Jahren ist man am Sammeln von Geld für die Materialien. Um das Projekt nun zu forcieren hat sich Ortsvorsteher Jörg Irzinger um das Landesprogramm »Starkes Dorf - wir machen mit« gekümmert. Jetzt kann sich die Dorfgemeinschaft über einen Landesmittelzuschuss über rund 5000 Euro freuen. Die restliche Finanzierung wird von der Gemeinde Mücke mitgetragen, die Spendengelder werden verwendet, und der Arbeitseinsatz ist natürlich Eigenleistung – Ehrensache.

Ober-Ohmen ist kein Einzelfall: In Zeilbach gibt es dazu einen Zusammenschluss mehrerer Vereine. »Es waren einige Treffen nötig, um den Landeszuschuss zu erhalten«, erläuterte Kevin Schott. So mussten die Vereinsaktiven ein Konzept verfassen, die konkreten Planung beschreiben und Ziele erläutern. Eine Kostenaufstellung und Beschreibung der Zielgruppen waren ebenfalls gefordert. »Doch es hat sich gelohnt«, strahlt Schott. Das Äußere des Backhauses ist noch weitgehend in Ordnung. Im Inneren sollen neben dem Vorraum am Backofen auch die zwei weiteren Räume, die früher anderweitig benutzt wurden umgestaltet werden, es soll ein Gemeinschaftsraum entstehen. Der Backofen ist noch in Ordnung, er müsste zur Nutzung nur wieder einmal gereinigt werden.

Auch der Ortsvorsteher spendet

Ortsvorsteher Horst Hugo Geiß will später eine Knetmaschine spenden. Dafür ist es notwendig einen Starkstromanschluss zu legen. Die Förderung von 5000 Euro sollte für das Baumaterial und für die Arbeiten an der Elektrik ausreichen, meint Schott. Für alles andere müsse viel Eigenleistung aller Beteiligten erbracht werden.

Dr. Hans-Heuser aus Sellnrod hat inzwischen Erfahrung im Ausfüllen der Formulare und zeigt sich erstaunt: »Das ging ganz schnell, einige Felder konnte ich zwar nicht ausfüllen, aber trotzdem kam kurze Zeit später des Geld.« So kam es zu 3519 Euro für den Trägerverein Landkinder Sellnrod zum Aufstellen eines neuen Spielgerätes auf dem Spielplatz, und 2458 Euro bekam der SV Ruppertenrod zum Kauf von zwei Verkaufshütten für den Sportplatz. In Nieder-Gemünden gab es 2000 Euro für den Club Alte Kameraden zu Verbesserungen am Grillplatzes, und nach Seibelsdorf flossen 4150 Euro an den Dorfverein für Verbesserungen am Dorfgemeinschaftshauses. Das waren sämtliche Projekte im Vorjahr.

Im laufenden Jahr ist die Zahl der Anträge aus dem westlichen Kreis noch sehr übersichtlich. Reichlos bekommt 2000 Euro für die Freiwillige Feuerwehr zur Anschaffung von Bänken und einem Tisch für den Spielplatz und der Ortsteil Salz 3900 Euro für die Sängervereinigung. Nach Lauterbach gehen 4906 Euro für den Kultur- und Heimatverein Maar zur Modernisierung der Freizeit- und Wegebahn »Sandhasen-Express«.

Ortsbeirat organisiert Arbeitseinsatz

Die Arbeitseinsätze in Ober-Ohmen werden vom Ortsbeirat organisiert. Der alte Backofen wurde bereits abgerissen. Backsteine und Schamottesteine und knapp zehn Tonnen Sand wurden schon weggeräumt. Der Sand lag auf dem gemauerten Backofen und dient dazu, die Hitze im Ofen zu halten. Der Backofen ist 2,40 mal 2 Meter in der Fläche. Michael Horst erinnert sich, dass wohl der Backofen Ende der 1970er Jahre erneuert wurde. Nach den Abrissarbeiten, so berichtet Ortsvorsteher Jörg Irzinger ist es nun nötig, einen Ring- anker einzubauen, der das alte Backhaus wieder stabilisiert. Die Arbeiten des neuen Backofens wurden an Ofenbauer Dern übergeben. Es wird wieder ein traditioneller Gewölbe-Backofen gebaut. Die Vor- arbeiten nehmen 14 Tage in Anspruch, und dann kann der Ofenbauer kommen. Nach der Fertigstellung muss er Ofen noch rund drei Wochen trocknen, und dann ist er wieder beheizbar.

Ortsvorsteher Jörg Irzinger informierte sich bei dem Heimatforscher Karlheinz Lichau nach dem Alter des Backhauses. Dieser informierte: »Zu welcher Zeit das Backhaus Am Römer gebaut wurde, kann ich auch nicht sagen. Es bestand aber bereits 1817, denn in diesem Jahr wurde es zum ersten Mal gegen Brand pflichtversichert. Damals wurde im Großherzogtum Hessen, zu dem auch Ober-Ohmen gehörte, die allgemeine Versicherungspflicht für Gebäude gegen Brandschäden eingerichtet. Das Brandkataster wurde vom Bürgermeister verwaltet, und durch die Gemeindeverwaltung wurden die Prämien eingezogen. Es gibt sicherlich schöne Geschichten über das Auslosen derjenigen Familien, die das Backhaus als erste anheizen mussten. Denn das kostete das meiste Brennholz. Es gibt auch von der Obrigkeit erlassene Backhausordnungen, aber ich habe leider keine«, berichtet Lichau.

Das meint Bürgermeister Sommer

Zu weiteren Sanierungsarbeiten gehört das Auswechseln des morschen Fachwerkes. Anschließend wird das Backhaus mit Boden- und Deckelverbretterung geschützt. Auch die Dachsparren müssen teilweise erneuert werden. Das Dach muss abgedeckt werden, dann werden die Sparren erneuert und die Ziegel werden wieder verwendet. Dann wird der Schornstein abgedichtet oder entsprechend verkleidet.

Mückes Bürgermeister Sommer findet es schade, dass im Vorjahr mehrere Gelegenheiten versäumt wurden, um zusätzliches Geld vom Land in die Großgemeinde zu bekommen. Das machte er in einer Gemeindevertretersitzung deutlich, als ein Gemeindevertreter für seinen Ortsteil einen Zuschuss anfragte. Denn die Erfahrung lehrt, dass das Antragsverfahren sehr einfach und zügig abzuwickeln ist.

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