22. April 2019, 20:07 Uhr

Graue Pappe ade

Viele lieben die graue Pappe. Einst mit der Klasse IV erworben, um mit der 50er Kreidler durch die Kurven zu sägen. Später stieg man mit der Klasse III auf Kadett, Alfasud oder Ford Capri um, das Tempo stieg. In den letzten Jahren gab es aber mehr und mehr Schwierigkeiten mit dem alten Führerschein, und dafür musste man nicht mal ins Ausland fahren. Jetzt sind die Tage der Pappe gezählt.
22. April 2019, 20:07 Uhr
Der alte graue »Lappen« hat bald ausgedient. (Foto: pm)

Verkehrskontrolle, Ihren Führerschein und die Fahrzeugpapiere bitte«. Kurz nach Mitternacht am Alsfelder Stadtrand. Der junge Polizeibeamte geht mit den Papieren zum Streifenwagen. Es dauert. »Sie haben für den Wagen keine Fahrerlaubnis«, sagt der Beamte, als er wieder an die herunter gelassene Seitenscheibe tritt. Das habe ich anders in Erinnerung: 1972 den IVer, 1973 den IIIer und Ier. Aber das vierseitige Dokument mit meinem Jugendbild ist zugegebenermaßen unübersichtlich. Neben dem Bild ist nur die Klasse IV, Fahrzeuge bis 50 Kubikzentimeter, Hubraum, eingetragen. Die ein Jahr später erworbenen Berechtigungen stehen auf der Rückseite, mit Schreibmaschine nachgetragen, handschriftlich und mit Stempeln beglaubigt. Man muss also nicht ins Ausland, um bei einer Polizeikontrolle einen längeren Zwischenstopp einzulegen. Das wird jetzt alles besser, wenn die Führerscheine EU-weit vereinheitlicht werden. Und dann heißt es auch Abschied nehmen von der liebgewonnenen Pappe. Die Vogelsberger Verkehrsbehörde weist jetzt darauf hin, dass Führerscheine umgetauscht werden müssen.

75 000 Führerscheine sind zu alt

Sie sind groß, grau oder rosa und meist ziemlich abgegriffen: alte Papierführerscheine. Und die müssen in den nächsten Jahren umgetauscht werden, genau wie ihre Nachfolge-Modelle in Kartenformat, die zwischen 1999 und 2013 ausgestellt wurden, teilt die Kreisbehörde mit. Im Vogelsbergkreis sind das etwa 75 000 Führerscheine, die ersetzt werden müssen, erklärt Uwe Kraft, der Leiter der Verkehrsbehörde.

Bundesweit geht es um rund 15 Millionen Papierführerscheine, die bis zum 31.Dezember 1998 ausgestellt wurden. Hinzu kommen noch einmal etwa 28 Millionen Scheckkartenführerscheine, die zwischen dem 1. Januar 1999 und dem 18. Januar 2013 ausgegeben wurden. Natürlich hat der Gesetzgeber eine Frist für den Umtausch eingeräumt und einen Plan für die Geburtsjahre beziehungsweise die Ausstellungsjahre erstellt. Dadurch soll erreicht werden, dass der Prozess für den Umtausch der Altführerscheine entzerrt und strukturiert erfolgt und Engpässe angesichts der Masse der umzutauschenden Dokumente vermieden werden. Für die Umtauschpflicht ist das Ausstellungsdatum des Führerscheindokumentes (nicht das Erteilungsdatum) entscheidend. Es kann dem Führerscheindokument entnommen werden. Alle Führerscheindokumente mit Ausstellungsjahr ab dem 1. Januar 1999 müssen sich am Ausstellungsdatum orientieren. Wessen Ausstellungsjahr vor dem 1. Januar 1999 liegt, der muss sich nach dem Geburtsjahr richten.

Der Umtausch kann nur persönlich von den Führerscheininhabern bei den Fahrerlaubnisbehörden in Alsfeld und Lauterbach beantragt werden. Wichtig: Dabei müssen der Personalausweis oder der Reisepasse in Verbindung mit einer Meldebescheinigung, ein biometrisches Passbild, der Führerschein und – wenn der Führerschein nicht im Vogelsbergkreis ausgestellt wurde – eine Karteikartenabschrift der ausstellenden Behörde Die Gebühr für den Umtausch beträgt 24 Euro.

Und wenn was kann passieren, man jetzt noch mit den alten Papierführerscheinen in den Urlaub ins Ausland fährt? Obwohl es innerhalb der EU die Vereinbarung gibt, dass jedes Land die Führerscheine der anderen Länder anerkennt, also auch ein grauer Führerschein noch gültig ist, wird immer wieder von Problemen berichtet, die über die eingangs geschilderte nächtliche Szene am Stadtrand von Alsfeld hinausgehen. In einigen Ländern werden bei einer Führerscheinkontrolle sogar Bußgelder erhoben, wenn ein grauer Führerschein gezeigt wird.

Sollte einem so etwas in einem EU-Land passieren, muss man das nicht akzeptieren. Man kann beispielsweise die Richtlinie der Bundesrepublik in Kopie mitführen, um dies den dortigen Beamten verständlich zu machen. Und es gibt weitere Gründe, sich nach Jahrzehnten mal vom alten »Lappen« zu trennen: Vielfach wird man für den alten Führerschein belächelt, die alten Fotos haben mit dem aktuellen Aussehen meist wenig gemein, und die Größe des Führerscheins erschwert die Aufbewahrung. Aufbewahren kann man ihn auch noch nach Holen des Neuen im Aktenordner. Und wenn man will mal nachschauen, in Erinnerungen an die ersten Kurven schwelgen...

Schlagworte in diesem Artikel

  • Biometrik
  • Ford
  • Ford Capri
  • Führerschein
  • Kurven
  • Passbilder
  • Verkehrsbehörden
  • Vogelsberg
  • Rolf Schwickert
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 1 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.