11. April 2019, 12:00 Uhr

Streuobstwiesen

Landkreis will Obstbäume retten

Früher prägten Streuobstwiesen die Landschaft. Heute verschwinden die Bäume mehr und mehr, werden nicht mehr gepflegt. Der Kreis will jetzt das Neuanpflanzen und die Pflege unterstützen.
11. April 2019, 12:00 Uhr
Das Interesse an Schnittlehrgängen wächst. (Foto: hso)

Im vergangenen Herbst bogen sich die Äste der Apfelbäume unter der schweren Last der reifen Früchte. Viele blieben hängen oder liegen, weil sie niemand haben wollte. Zudem drohen Obstbäume und Streuobstwiesen nach und nach zu verschwinden. Die Eigentümer vernachlässigen die Bestände oder scheuen die Arbeit. Doch langsam wächst wieder das Bewusstsein dafür, wie wertvoll die Bäume mit ihrem pestizidfreien Früchteangebot sind.

Obstbäume oder Streuobstwiesen wie rund um Deckenbach und bei Burg-Gemünden sind zudem schön, weil sie die Kulturlandschaft auflockern. Sie sind Lebensraum für Vögel, Insekten und Spinnen, aber auch für Säugetiere wie Fledermäuse, Siebenschläfer und Gartenschläfer. Bis zu 5000 verschiedene Tierarten können sich dort tummeln.

Ebenso finden sich unter den Obstbäumen seltene Wiesenkräuter. Diese wertvollen Flächen sind kulturhistorisch bedeutsam, allerdings drohen sie aus der Landschaft zu verschwinden. Der Vogelsberger Kreistag sieht diese Biotope als schutzwürdig an und stimmte in seiner jüngsten Sitzung einstimmig für ein Förderprogramm, das die Grünen angeregt haben. Claudia Mävers (Homberg) von den Grünen rannte im Kreistag offene Türen ein, als sie dafür warb, ein Förderprogramm aufzulegen, das sich an den positiven Erfahrungen im benachbarten Kreis Gießen orientiert. Dabei soll das Pflanzen eines Hochstammobstbaumes ebenso finanziell unterstützt werden wie die folgenden Pflegeschnitte.

Beispiel Landkreis Gießen

Die Grünen-Abgeordnete betonte, wie wichtig die Streuobstwiesen sind. Dabei gehe es auch um den Erhalt des Landschaftsbildes. In der Folge sei es wichtig, die Flächen zu pflegen, die Bäume zu schneiden und das Gras zu mähen oder abzuweiden. Eine Förderung diene auch als »Anerkennung für die große ehrenamtliche Arbeit von Vereinen und Privatpersonen«, fügte Mävers an. Im Landkreis Gießen werden jährlich für diese Förderung 10 000 Euro aufgewendet.

Erster Beigeordneter Dr. Jens Mischak, in dessen Ressort die Landwirtschaft und Dorferneuerung fallen, nennt den Vorschlag richtig und sinnvoll. Er schlägt vor, das Programm im Haushalt des nächsten Jahres zu berücksichtigen, wenn der Kreisausschuss die Grundlagen ausgearbeitet hat.

Die Grünen schlagen vor, beispielsweise für das Pflanzen eines Hochstammobstbaumes (Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge, Speierling, Walnuss) außerhalb der geschlossenen Ortschaft 20 Euro pro Baum zu geben, für Neuanpflanzungen zehn Euro, für den Erziehungsschnitt ab dem zweiten Standjahr drei Euro pro Baum und Schnitt und für den Instandhaltungsschnitt an alten Hochstammobstbäumen sechs Euro pro Schnitt und Baum. Damit lehnt sich der Kreis an das seit Jahren bestehende Förderprogramm des Landkreises Gießen an.

FDP-Antrag aus dem Vorjahr

Mario Döweling (FDP) erinnerte daran, dass seine Fraktion bereits vor einem Jahr eine Anfrage zu einem solchen Programm gestellt hat. Damals sei auf laufende Förderprogramme verwiesen worden. Lothar Bott (Freie Wähler) wollte auch die Anlage von Blühstreifen an Ackerrändern mit einbeziehen. Dem setzte Landrat Manfred Görig entgegen, dass es dafür bereits ein separates Förderprogramm gibt. Wenn man Streuobstwiesen unterstützen will, müsse der Kreis ein eigenes Programm dafür auflegen.

Gefährdet waren Streuobstbestände bis in die 1970er Jahre zunächst durch teils öffentlich geförderte Rodungen. Heutzutage sind die Streuobstbestände unter anderem durch die noch weiter zunehmende Bebauung in Gefahr. Im Ballungsräumen müssen sie Gartengrundstücken mit »englischem Rasen«, Zäunen, Hütten und Nadelbäumen weichen. In ländlichen Räumen fallen sie oft der Nutzungsaufgabe und Verbrachung zum Opfer, die Eigentümer kümmern sich nicht, oder die Bäume sind der Landwirtschaft im Weg.

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