Vogelsbergkreis

Leise Klänge und Gedichte

Die Einladung zum gemeinsamen Lachen und Singen kam an, als am Samstag der Autor Jean-Felix Belinga Belinga und der Musiker Aziz Koyateh einen Hauch von Afrika in die Nieder-Gemündener Kirche brachten. Auf Einladung der Flüchtlingsinitiative gab es eine musikalische Lesung im Rahmen der Kulturwochen. Vor einem überschaubaren Publikum warben Belinga und Kuyateh dafür, das Gemeinsame zwischen den Menschen zu sehen.
09. April 2019, 22:03 Uhr
Joachim Legatis
Ulrich Kill stellt Musiker Aziz Kuyateh und Autor Jean-Felix Belinga Belinga vor. 	(Foto: jol)
Ulrich Kill stellt Musiker Aziz Kuyateh und Autor Jean-Felix Belinga Belinga vor. (Foto: jol)

Die Einladung zum gemeinsamen Lachen und Singen kam an, als am Samstag der Autor Jean-Felix Belinga Belinga und der Musiker Aziz Koyateh einen Hauch von Afrika in die Nieder-Gemündener Kirche brachten. Auf Einladung der Flüchtlingsinitiative gab es eine musikalische Lesung im Rahmen der Kulturwochen. Vor einem überschaubaren Publikum warben Belinga und Kuyateh dafür, das Gemeinsame zwischen den Menschen zu sehen.

Dabei umrahmte Kuyateh mit der 21-seitigen Kora die Verse Belingas, mit einem Klang zwischen Gitarre und Harfe. Fremd und vertraut auch die Gedichte Belinga Belingas, eines Theologen und Musikwissenschaftlers aus den Odenwald, der einst zum Studium aus Kamerun kam. Wie Uli Kill von der Flüchtlingsinitiative erzählte, schult Belinga Belinga Bundespolizisten im Umgang mit Menschen aus Afrika.

Der Vermittler zwischen den Kulturen ist auch in den Gedichten und Geschichten des Odenwälders zu spüren. So wirbt er dafür, die Sicht des anderen einzunehmen – »Ich bin schwarz, weil du weiß bist – Du bist weiß, weil ich schwarz bin«. Seine Texte vom Fremdsein handeln vom Nachbarn, mit dem er gerne singt und lacht. Sie handeln von Afrika als stummer Mutter, weil die Erinnerung an den Herkunftskontinent verblasst. Wichtig ist ihm das lebendige Afrika, nicht das Bild eines Erdteils mit endlosen Problemen. Dem Gemündener Publikum brachte er näher, dass Musik, Gesang und Tradition für afrikanische Menschen wichtig sind. Mit der Parabel von der Liebe eines Igels und eines Flusspferds verabschiedete er sich.

Dabei standen mit dem gebürtigen Kameruner Belinga Belinga und dem Musiker Kuyateh aus Gambia Menschen aus zwei weit voneinander entfernten Teilen Afrikas auf den Altarstufen. Gemeinsam ist ihnen der Wunsch, die Kultur ihrer Geburtsländer mit der ihrer neuen Heimat zu verbinden. Clever war das Konzept des Abends, Gedichte mit Musik zu verbinden. Die leisen Klänge auf der Kora und ein getrommeltes Stück mit Gesang ergänzten die vielschichtigen Worte des Dichters.

Mehr Verständnis für afrikanische Kultur wecken, das ist ein Ziel solcher Auftritte, wie Kill sagte. Beide sind im Vogelsberg bekannt, Belinga Belinga hat bereits in heimischen Grundschulen Geschichten erzählt. Der Frankfurter Musiker wiederum hat mit seiner Band Tanznächte angeboten.

Die Begrüßung übernahm Rainer Lindner von der Flüchtlingsinitiative. Die nächste Veranstaltung der Initiative ist das Begegnungscafé mit Geflüchteten an jedem dritten Mittwoch im Monat im Gemeindesaal Nieder-Gemünden.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/art74,575822

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