09. April 2019, 21:55 Uhr

Zu wenig »Schäfchen«

Weniger Kirchenmitglieder führen zu weniger Pfarr- stellen: Dagegen regte sich im evangelischen Dekanat Vogelsberg heftiger Widerstand. Der Protest hat nichts gebracht. Vier Stellen fallen bis 2024 weg, es sind aus Sicht der Kirche einfach zu wenig »Schäfchen«.
09. April 2019, 21:55 Uhr

In der Kulturscheune in Schlitz-Queck startete die Dekanatssynode traditionell harmonisch mit einem Gottesdienst in den Tag. Dann wurden ernste Töne angeschlagen. Helmut Daubert vom Kirchenvorstand aus Schlitz Rimbach nutzte die Vorstellung der Kirchengemeinden gleich dazu, zu signalisieren, dass ihm bei einer so hohen Anzahl an Dörfern und Predigtorten, wie sie sein Pfarrer Bouvain betreut, jegliches Verständnis für die geplante Pfarrstellenkürzung fehlt. Bereits im Vorfeld hatte Lukas Becker in Gemünden Unterschriften gegen die Kürzung einer vollen Pfarrstelle in Ehringshausen gesammelt. Von Ehringshausen aus werden noch Rülfenrod, Ermenrod, Schellnhausen und Zeilbach betreut.

Kritiker haben mehrfach in letzter Zeit bemängelt, dass sich die Kirche auf dem Land zurückzieht. Bei der Kirche rechtfertigt man die Veränderungen unter anderem mit der sinkenden Zahl der »Schäfchen« auf dem Land. Es werden zudem schon weniger Mitglieder pro Pfarrstelle angesetzt als in städtischen Gebieten, um den anderen Gegebenheiten Rechnung zu tragen. Zudem würden wichtige Ereignisse wie etwa Taufe, Trauungen oder Beerdigungen weiterhin auf jeden Fall abgedeckt.

Dann ging es wieder ums Geld, nämlich den dekanatseigenen Haushaltsentwurf. Über einen 2,5-Millionen-Haushalt zu befinden ist keine Kleinigkeit, so gab es aus der Versammlung einige Rückfragen, beispielsweise zum Defizit von 11 000 Euro, zu den Rücklagen und zur Aussagekraft der Zahlen bei noch fehlenden Abschlüssen aus den Vorjahren. Ebenfalls um Geld, nämlich um die Vergaberichtlinien beim Finanzausgleich, einer Haushaltsstelle, die besondere finanzielle Härten von Kirchengemeinden ausgleichen soll, ging es als nächstes. Zwei verschiedene Vorgehensweisen der zusammengelegten Dekanate mussten zu einem verbunden werden.

Der Plan, Kirchengemeinden mit einer Größe bis 1400 Mitglieder mit maximal 2000 Euro pro Jahr zu fördern und größere Kirchengemeinden mit 4000 Euro, stieß teilweise auf Kritik; auch der Ansatz, dass nur noch Kirchengemeinden und keine anderen Personen oder Gremien die Förderung beantragen können, wurde kritisiert. Letztlich wurde der Vorlage aber zugestimmt.

Auch Personalien waren auf der Synode zu bestimmen: Luise Berroth wurde zur hauptamtlichen stellvertretenden Dekanin mit einem halben Stellenanteil gewählt. Weder bis zur Meldefrist noch auf der Versammlung selbst kam es zu einer Gegenkandidatur zu Berroth, die bereits im Altdekanat Vogelsberg als stellvertretende und kommissarische Dekanin gewirkt hatte und diese Aufgabe nach eigenem Bekunden »herausfordernd und schön« fand. Als einzigem Dekanat in der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) stehen in Alsfeld nun drei Frauen einem solchen vor, beglückwünschte Propst Matthias Schmidt die frisch gewählte stellvertretende Dekanin und ihre Kolleginnen. Den brisantesten Teil der Synode hatte man am Nachmittag vor sich. Es ging um die Pfarrstellenkürzung. Dekanin Berroth erläuterte das Vorgehen der letzten Monate. Punkte, die dabei beachtet wurden, sind die Zahl der Gemeindeglieder, die Zahl der Predigtstellen in den Gemeinden, die Zahl der Dörfer, die zu einer Pfarrstelle gehören sowie Kindertagesstätten, die betreut werden. Gespräche mit den Kirchengemeinden zur Bildung von Kooperationen sind angelaufen. Weil die Kürzungen an konkreten Stellen festgemacht werden müssen, entbrannte besonders in der Kirchengemeinde Schlitz eine Diskussion.

Zum Ende hieß es noch einmal Abschiednehmen: Noch in diesem Jahr und vor der nächsten Synode im November gehen Dekan Dr. Sauer, Pfarrer Walter Bernbeck sowie die Pfarrer Jutta und Volker Weinmann in den Ruhestand. Pfarrer Jürgen Seng wird eine neue Stelle in Bad Vilbel antreten. Ein Problem, das bei der Tagung nicht Sprache gekommen ist, aber die Verantwortlichen gleichwohl beschäftigt und die Stellenbesetzung erschwert: Es gibt immer weniger Pfarrer für den Dienst auf dem Land.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Evangelische Kirche
  • Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
  • Kirchengemeinden
  • Pfarrer und Pastoren
  • Sozialer oder politischer Protest
  • Synoden
  • Vogelsberg
  • Widerstand
  • Redaktion
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 4 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.