10. April 2019, 08:10 Uhr

Braunes Haus

Sanierung des »Braunen Hauses« in Gemünden wird wohl zu teuer

Die Sanierungskosten kommen nie mehr herein. Diesen Eindruck haben Gemündener Kommunalpolitiker nach der Besichtigung des Braunen Hauses in Nieder-Gemünden.
10. April 2019, 08:10 Uhr
Von außen sieht das Braune Haus bei Nacht ganz ansehnlich aus. (Fotos: rs)

Die Besucher fühlten sich an die ersten Rundgänge durch das alte Rathaus 2006 erinnert. Marode Bausubstanz und viele Fragezeichen, wie tief wohl der Sanierungsbedarf geht, und was das dann kostet. Der Keller des gegen den Hang zur Kirche hin gebauten Hauses hat immerhin drei Zugänge, aber dahinter heißt es Kopf einziehen. Aus dem Erdgeschoss geht es eine knarrende Treppe hoch, die Stufen biegen sich unter den Schritten. Die Mitglieder des Bauausschusses lassen zum Vordermann bewusst Abstand, um die Treppe nicht über Gebühr zu belasten, oder verzichten gleich auf eine weitere Besichtigung des Braunen Hauses. Die Gemeinde hatte angeregt, die vormalige Dorfschule zu verkaufen, die SPD wollte sich vorher noch mal über das Objekt in der Dorfmitte informieren, ob sich mit einer Sanierung nicht vielleicht doch etwas machen lässt.

»Wie wir das gesehen haben, kann es auf gar keinen Fall bleiben. Als Mietshaus müssten alle öffentlichen Vorgaben wie beispielsweise zum Brandschutz eingehalten werden. Private können da günstiger agieren.« So fasste Bürgermeister Lothar Bott nach dem Rundgang durch das Gebäude seinen Eindruck zusammen – Widerspruch gab es keinen. Im Dachboden sei stellenweise der Holzwurm, berichteten Ausschussmitglieder, die sich bis ganz oben hin getraut hatten. Dort achteten die Besucher auf die Balkenlage des Bodens, um nicht dazwischen zu treten und so das Gebäude oder sich zu beschädigen.

Sollte man eine Sanierung des Gebäudes ernsthaft verfolgen, sollte man ein qualifiziertes Gutachten erstellen lassen, wie es Architekt Karl-Dieter Schnarr im Fall des Rathauses gemacht habe, regte der Bürgermeister an. Das koste einerseits 30 000 bis 50 000 Euro, andererseits habe der Planer mit seiner Prognose dann sehr nahe bei den endgültigen Kosten gelegen. Entgegen einem ersten Gutachten über 620 000 Euro hatte Schnarr bereits Kosten von 1,1 Millionen Euro erwartet, letztlich wurden 1,15 Millionen Euro abgerechnet. Im Falle der Sanierung sah Bott eine Entkernung und völlig andere Raumaufteilung im Braunen Haus als zwingend an.

Denn von unten gesehen befindet sich rechts unten der ehemalige Schultrakt mit den verhältnismäßig großen Räumen, links zwei kleine Wohnungen und oben ebenfalls Wohnraum, der heutigen Anforderungen so gar nicht entspricht. Die Gemeinde hat im Haus zwei Mieter, die sich ein Bad teilen. Die Räume sind klein, verwinkelt, eine Toilette wurde offenbar nachträglich im Treppenhaus eingebaut, und der Stromzählerkasten ist keiner: Die beiden verbliebenen Zähler hängen offen im Zugang zum Dach.

»Wenn wir die beiden anderen wieder aktivieren wollen, macht das die OVAG nicht mit. Dann muss hier alles neu gemacht werden«, erklärt Udo Richber. Der Bauhofleiter ist unter anderem Elektriker, kann den Aufwand abschätzen.« Alleine für die Erneuerung der ganzen Elektrik veranschlagt Richber rund 45 000 Euro, für Heizung und Sanitäreinrichtungen seien es weitere 75 000 bis 80 000 Euro. Nur Schätzungen sind am Abend der Besichtigung auch hinsichtlich der Größe des Objektes möglich, es fehlt ein Aufmaß. Offensichtlich ist nur, dass die Fläche wohl über 200 Quadratmeter geht. Davon nehmen die beiden vermieteten Wohnungen jeweils zwischen 30 bis 40 Quadratmeter ein.

»Da braucht man keine Dokumentation. Das wird nicht wirtschaftlich. Das Ding müsste mindestens 1000 Quadratmeter haben, dass es sich wirtschaftlich rechnet«, zeigt sich Tobias Reitz (BGG) pessimistisch, was eine weitere Nutzung als Mietgebäude anlangt. .Auch sein Fraktionskollege Bernd Harres sieht keine Möglichkeit, etwas Wirtschaftliches mit dem Objekt zu machen, und UBL-Vertreter Jürgen Lutz spricht sich für einen Verkauf aus. Karl Pitzer (SPD) regte an, ob es nicht anderweitig als als Wohnung genutzt werden könnte. Aber ein konkreter Bedarf wird aus der Runde der Kommunalpolitiker nicht genannt. Dazu verwies der Bürgermeister auf eine Platzreserve im Obergeschoss des Rathauses hin. Lukas Becker (SPD) meinte, »wenn sich ein Haus in so einem Zustand befindet, dann ist da nichts mehr zu machen. Das wird auch privat kaum jemand machen wollen.« Allerdings berichtete er von einem Fall in Ehringshausen, dass ein Objekt von Privatleuten erworben worden sei, von dem man das viele Jahre nicht gedacht hätte, das das noch jemand sanieren werde. Mittlerweile sehe das Objekt schon ganz nett aus.

Erster Beigeordneter Eckhard Kömpf (UBL) riet dazu, eine Entscheidung nicht weiter raus zu schieben. Der Bauausschuss sollte in der nächsten Gemeindevertretersitzung (morgen in Elpenrod) eine Empfehlung geben. Jürgen Lutz (UBL) stellt den Antrag, dem Gemeindevorstand freie Hand zulassen, einen Verkäufer zu finden. In der Abstimmung wurde diese Verfahrensweise einstimmig der Gemeindevertretung empfohlen.

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